Carly * 9.März 2013              



                                                                 
 Caretano Z Holst. *1992
                                                            Chequille Z *1999
                                                                                                    Hauterive
Holst. *1993
                    Conen Hann. *2008
                                                                                                    Landclassic Hann. *1992
                                                            Lakonia Hann. * 1996
                                                                                                    Gina-Antonia Hann. *1992

                                                                                                    Surumu xx *1974
                                                            Acatenango xx *1982
                                                                                                    Aggravate xx *1966
                    Ionia xx  *2000
                                                                                                    Pentathlon xx *1965
                                                            Ipenta xx *1986
                                                                                                    Immer Toller xx *1980


                                                                                                      

Eigenleistung/Werdegang:
eigene Aufzucht, künftige blutgeprägte Stammhalterin ihrer Mutter in der Zucht
2017 gedeckt und sportliche Förderung auf dem Krüsterhof bei Johann Hinnemann

Mutterstamm:
Eigenleistung Ionia:
2003 - 2005 17 Flachrennen, darunter 1 Sieg und 4 Plätze
10. Mai 2006 - Stutenschau Ankum; Eintragung in das Hannoversche Hauptstutbuch
Eintragungsnoten u.a. Elastizität und Schub im Trab 8, Sattellage 8, Rahmen 8, Vordergliedmassen 8.

Mutterstamm: der vollständige Mutterstamm in graphischer Darstellung (Stamm der Immertreu)
gekörte Hengste:
Iwanowitsch xx *1978, Ldb Celle, von Illix xx/Orsini xx a.d. Istanbul
Injektor xx *1984, Ldb Moritzburg/Trak., von Tiron xx a.d. Inka (Zweig der Immenkönigin a.d. Immertreu)
Intervall xx *1974, Rhld./Trak., von Perseus xx a.d. Inka (Zweig der Immenkönigin a.d. Immertreu)
Sportpferde:
Cork Lane *2001 von Corum a.d. Castania von Lionheart a.d. Caren von Cantus a.d. Ipenta von Pentathlon, S-Spr. gew., Dt.Meisterschaften 2014 (Kathrin Müller) LGS 2014 € 33.000
Castania *1997 von Lionheart a.d. Caren von Cantus a.d. Ipenta von Pentathlon, M-Spr. erfolgreich
Indian Lady *1985, Trak.von Perlenglanz (4 erfolgr. Sportnachk.) a.d.Ikone (7 erfolgr.Sportnachk) a.d.Inkunabel, S-Spr.gew. LGS 1999 € 32.400
Papillon 142 *2001, Westf. von Phantom a.d. Indian Lady (Züchter Georg Ahlmann), intl. S-Spr. gewonnen (Christian Ahlmann), LGS 2009 € 11.505 
Camaaro *1995, Sachse von Calido a.d. Ismene xx, S-Spr. gew.
Abano Son *2000, von Abanos a.d. Calida von Canaletto a.d. Ismene xx, CSI3* erfolgreich (Lars Berge NOR, Sissel Foldager SWE)
Fehrbellin *2012, Ldb Redefin, von Franzikus x Quaterback x Sunny Boy x Canaletto (a.d. Ismene)

Carly ist das sechste und letzte Fohlen aus Ionia xx und Halbschwester zu
Balahé von Brentano II - Zuchtstute Familie Karsten
Brooklyn von Brentano II - verstorben
Bogart von Benetton Dream - verkauft, Dressurpferdeprüfungnen platziert, Kandaren-L gewonnen
Lorbaß von Lissaro - verkauft nach England, siegreich und platziert in Springen, Dressur und Vielseitigkeit
Legolas von Lissaro - erste Reitpferdeprüfung Platz 3 (Trab 8,0), Dressurpferde-A gewonnen, Geländepferde A** 4.


Gedanken zur Hengstwahl: warum Conen ?


Fünf lange Jahre habe ich darauf gewartet, dass Ionia mir endlich das ersehnte Stutfohlen beschert - nun ist sie da!
Und das Igelchen hätte es nicht schöner malen können, dieses hinreissend charmante Stutfohlen, das hoffentlich einmal zu der sportlich bewährten Halbblutstute meiner Münsterland-Pferdezucht avanciert. Das lange Warten hat sich gelohnt!    

Der Anruf  meiner Stutenfee am Samstagvormittag kam unerwartet - das Igelchen stehe zu zweit im Stall, ein gesundes braunes Stutfohlen hüpfe um die Mutter rum! Die erste Sorge um das vermeintlich viel zu frühe Fohlen erwies sich als gänzlich ungbegründet:
der erwartete Geburtstermin zum Monatsende war ein Gedankenfehler, ich hatte ein Jahr lang das Besamungsdatum als Abfohldatum mit mir rumgetragen ...
So kann's gehn!
Hellauf begeistert machte ich mich auf den Weg um das langersehnte Stutfohlen meines Igelchens zu begrüssen - was für eine Freude!
Die kleine Carly ist mit dem ponyhaften Charme ihres Vaters Conen gesegnet und steht im Hochreckformat auf ihren Beinchen, ganz so wie das Igelchen eben seine Fohlen ab Werk zunächst aus dem filigranen Vollblutbauch liefert.
Der DNA-Test ist überflüssig: die kleine Carly kann ihren Vater schon jetzt nicht leugnen...
Bei Schneetreiben und Regenschauer gab es nichts schöneres, als den halben Tag in der Box bei Mutter und Kind zu verbringen und zuzusehen, wie der neue Erdenbürger die ersten Erfahrungen sammelt und durchs Stroh purzelt. Das Igelchen ist wie immer eine äusserst besorgte Mutter, die jede Bewegung von Fohlen und Sabine mit tiefem Grummeln und leisem Wiehern begleitet - wie habe ich das vermisst!
Ganz und gar beseelt von diesem langersehnten Stutfohlen trübt nun lediglich das Wetter den ersten Fohlenfrühling. Zum unbeschwerten Fohlenausgang im Grünen werden wir uns alle noch ein wenig gedulden müssen.



                                                                      Im Alter von drei Tagen gibt Carly die quirlige Eisprinzessin...

                        


16.3.2013 Carly im Alter von einer Woche


                                      



             


18.3.2013

Carly übt sich als freies Flugobjekt auf freiem Feld und testet dabei auch schonmal die Gesetze der Schwerkraft an... Mittlerweile hat sie grossen Gefallen an eigenständigen Waldspaziergängen gefunden und mir sträuben sich mitunter die Haare, wenn sie um die Bäume geflogen kommt. Lebensfreude pur und einfach die schönsten Momente im Leben eines Pferdezüchters!


             


23.3.2013

Was als "therapeutische Unterstützung" und Entfaltungshilfe für die gross geborene Rapunzel gedacht war, entwickelt sich mittlerweile zu einem Selbstläufer der ganz besonderen Art:
Auf meinen ausgedehnten Streifzügen mit Carly durch den Wald hatte ich das angrenzende hügelige Feld mit Böschungen und Klettermöglichkeiten entdeckt. Die Idee war, Rapunzel so viel wie möglich kletterreiche Bewegung zu verschaffen, damit sie zügig lernt ihre Beinchen zu sortieren und den grossen Fohlenkörper besser zu koordinieren. Therapeutische Unterstützung eben für ein neugeborenes grosses Fohlen, soweit das eben möglich ist.
                                      
Natürlich lag es nahe, dass ich die selben Klettertouren nun auch mit Carly unternehme, die die Herausforderung dieses Geländes selbstverständlich mit der grössten Begeisterung annahm. Carly übt sich mittlerweile als echtes Buschpferd und springt in hohen Bögen die Böschung und Wälle rauf und runter, nur um nach der sicheren Landung dann die nächste Flugkurve ins Visier zu nehmen

Schöner können junge Fohlen ideenreiche Bewegungsangebote ganz sicher nicht danken! 


                      
                                                                                           Carly erkundet das Gelände


                             

                                                                                                                                                                               

                                                           
                                                                                                       Flugphase, Landung, ...


                                                   
                                                             ... und kaum hat sie wieder festen Boden unter den Füssen wird der Turbo zugeschaltet!

                                                            

23. März 2013

Im Alter von vierzehn Tagen pflegt Carly ihr Galoppiervermögen mit unvermindertem Eifer, sobald sie die grosse Heuwiese erreicht hat.
Unglaublich charmant und schön - an diesem hinreissenden Feger kann ich mich einfach nicht sattsehen...  

                                                        



                                                           



                                                         



                                                          



                                                             



                                                            



                               


20.4.2013

"Foal-Eventing" oder auch "Heinz im Busch!"
Seit langem schon verbringen Carly und Rapunzel ihre Tage gemeinsam mit weiteren Fohlenstuten auf der Weide. Dennoch ist mir unser "Geländespaziergang" am Wochenende stets die grösste Freude und selbst die Fohlenstuten nehmen die gebotene Abwechslung gern an. Von Carly und Rapunzel ganz zu schweigen - die beiden geniessen die uneingeschränkte Freiheit in Wald und Flur und geben auf ihren ausgedehnten  Streifzügen jedes Mal richtig Gas!
Und natürlich ist es mir ein Anliegen, diese pferdische Freude zu teilen. Miteinander ist eben immer am schönsten. Und so war es heute Freund Heinz, der die Fohlenstuten an die Hand bekam und zum Waldgang abkommandiert wurde, so dass ich freie Hand für die Kamera hatte. Er hat sich dabei so richtig ins Zeug gelegt und genau so viel Spass an unserem gemeinsamen Unternehmen gehabt wie alle Beteiligten:
Zwei- aber ganz sicher auch die Vierbeiner!

                                        


                                             




                 



28.9.2013


                                        

Carly im Alter von fast sieben Monaten und sie wird ihrer Mutter immer ähnlicher. Aus dem putzigen Ponyfohlentypus wird ein echtes Halbblut!

                                                        



September 2014

                                                     

Familienbande!
Wer viel mit der Kamera unterwegs ist, der übersieht in der Vielzahl der Bilder schonmal das Wesentliche. Als ich heute die zahlreichen Fotos meines Besuches auf Schlenderhan sichtete fiel mir unter den Vollblutstuten dieses Porträt auf. Die Ähnlichkeit dieser Stute mit meinem Igelchen Ionia war einfach verblüffend und natürlich machte es Sinn, in der Stutenherde eines Vollblutgestütes eine Stute vorzufinden, die ebenso stark von Acatenango geprägt ist.
Als ich seinerzeit bei meinen Recherchen zu Acatenango auf ein Bild seiner berühmtesten Tochter Borgia stiess, ging es mir ähnlich:

Ich habe die Stute persönlich nicht gekannt und auch nie eine Farbe mit dem Pferd assoziiert. Als ich dann zufällig auf diese Bild seiner legendären Tochter Borgia stiess, den trockenen Kopf, die Augen - da drängte sich die Assoziation zu meiner Ionia (Foto links) geradezu auf:
offensichtlich kann Acatenango sein Erbe in seinen Töchtern, selbst wenn sie meist schlicht braun daher kommen (oder gerade dann?), wahrlich nicht leugnen...

Ich konnte mich nur nicht erinnern, aktuell auf Schlenderhan eine solche Stute gesehen zu haben...
Weshalb ich das Bild einer zweiten Prüfung unterzog und siehe da:
Das war nicht Schlenderhan, das war bei meiner Stutenfee!
Das Igelchen in der heimischen Stutenherde...
Erneut dauerte es eine Weile bis mir klar wurde, dass auch das nicht sein konnte.
Dies war die Jungstutenherde und das vermeintliche Igelchen ist Tochter Carly und erneut war ich der verblüffenden Ähnlichkeit aufgesessen, die Carly inzwischen mit ihrer Mutter hat. Womit wir wieder bei dem schönen Wort von der Vererbung wären, die wie ein Autobus ist:
man weiss nie wer als erstes aussteigt oder noch drinsitzt und gegebenenfalls später noch aussteigt.
In Carly's Fall, die als junges Fohlen stets weithin sichtbar als Tochter ihres Vaters Conen erkennbar war, ist das Igelchen ganz klar eineinhalb Jahre später aus dem Bus gestiegen!
Nach wie vor verkörpert Carly auch sichtbar Merkmale ihres Vaters Conen, die mir deshalb sehr geläufig sind, weil ich Conen im Stall Hinnemann regelmässig sehe (um nicht zu sagen: "studiere!"). Dennoch muss man wissen wo man hinguckt und dieses auffällige Beispiel der Metamorphose meiner Carly im jungen Alter lehrt eines ganz gewiss:

Eine glaubwürdige Einschätzung oder Prognose über die Entwicklung von Jungpferden im Fohlenalter hat viel mit Kaffeesatzleserei zu tun.
Kommt dann noch der Streufaktor Vollblut dazu entbehren Prognosen häufig jeder sachlichen Grundlage.
Ähnlich ging es mir seinerzeit mit Bogart, der ebenso Zeit seines Fohlendaseins ein sichtbarer Sohn seines Vaters Benetton Dream war. Als ich ihn vier Jahre später  zwar deutlich im Rahmen seines Vaters stehend wiedersah, erkannte ich ihn dennoch selbst im Halbdunkel auf der Stallgasse auf Anhieb an der Silouhette seiner Mutter.

Was lernen wir daraus?
Einfach mal abwarten ist immer eine gute Idee.
Besonders, wenn Vollbluteinfluss im Spiel ist!     


28.9.2014

Zauberhafte Carly!

                                           

... und doch immer anders:
Mutter's Tochter im Standbild (unten), Vater's Tochter im Galopp (Foto ganz unten). Der Versuch, einen Halbblüter im Jährlingsalter in eine Schablone zu pressen oder auch nur annähernd vorhersagen zu wollen, wohin die Reise entwicklungsmässig geht, ist reine Kaffeesatzleserei (siehe oben). In ihrer Entwicklung verkörpert Carly geradezu ambilvalent und immer wieder beide Typen ihrer Eltern und Vorfahren und das offensichtlich sogar zur selben Zeit.
Alles andere als ambilvalent jedoch ist und bleibt ihr Wesen:
hinreissend liebenswert und personenbezogen.
Sie kommt mir entgegen wann immer sie mich sieht und bleibt da, auch wenn die grosse Herde schon wieder ihres Weges zieht. Ein ungewöhnliches Verhalten für das Herdentier "Pferd" und es zeichnet sie aus.       
Das Erbe meines sanftmütigen Igelchens Ionia lebt in Carly weiter und das ist gut so - Andenken muss man schätzen und pflegen, das Igelchen hat es verdient.
Keines meiner selbstaufgezogenen Stutfohlen hat mich vom ersten Tag an mehr inspiriert als Carly, bei keinem konnte ich die Zeit so wenig abwarten, wie bei Carly. Dieses Pferdchen dreijährig anzupaaren und endlich nach Münster zum anreiten holen zu können, ist mein grösster Wunsch. Anders als bei Bunny und Deauville schwirren mir zu Carly bereits reichlich Hengste zur Anpaarung durch den Kopf und ich kann es gar nicht erwarten, sie neben Silas in Münster zu sehen und mit seiner "tatkräftigen" Hilfe einen ganzen Sommer über selber anzureiten und auszubilden.   
.

                                                  



                                               


Als ich an diesem Wochenende zunächst bei den Stuten und Fohlen meine ganz persönliche "Carly-Session" zelebrierte und dabei erneut an Carly's Vater Conen denken musste, traf es sich, dass ich mich am nächsten Tag höchstselbst in seinem Sattel wiederfand.
Und das sind sie dann, die grossartigen kleinen Begebenheiten, an die man sich noch lange erinnert. Als Steffi mich fragte, ob ich an diesem Tag Conen einmal reiten wollte, geriet ich ganz und gar aus dem Häusschen vor Freude. Alina und Romy, die beiden fleissigen Azubinen im Stall, sahen mich ob meines Freudenausbruches etwas befremdlich an, verstanden jedoch sofort, als ich ihnen von Carly und meiner ganz persönlichen Conen-Geschichte erzählte.
Und die sollte sich nun entwickeln zu einer Geschichte von den kleinen Dingen im Leben, die das Leben einfach lebenswert machen.
Nach einem entspannten Spaziergang im Schritt an der Rinderkoppel vorbei kam ich auf einem ebenso entspannten und höchstvergnügten Conen auf den Dressurplatz. Das spätsommerliche Laub raschelte im Wind und Conen tat einen kecken Satz hier und einen freudigen Sprung dort, schlug im fröhlichen Galopp mit dem Vorderbein nach einem Blatt im Wind und war einfach bester Dinge - ich auch!

                                           

Ich sass mit einem breiten Grinsen im Sattel und war dankbar, dieses Pferd überhaupt reiten zu dürfen. Als Alina dann ungefragt mit ihrer Kamera auftauchte weil sie meinte, "du freust dich doch bestimmt über ein paar Bilder mit deinem Liebling!?" war das einfach das Grösste!
Ich weiss nicht, worüber ich mich mehr gefreut habe, die Fotos oder die spontane Geste von Alina, ungefragt mit ihrer Kamera am Dressurplatz aufzutauchen.
Es spricht für das Team vom Krüsterhof, die Stimmung, das Selbstverständnis und den Teamgeist, der dort herrscht und der mich jedes Mal erneut am Wochenende immer wieder gern die hundert Kilometer Anfahrt in Kauf nehmen lassen und einen Tag dort verbringen lässt.
Ich kenne viele Profiställe und weiss, dass soetwas nicht selbstverständlich ist und ich weiss es sehr zu schätzen.
Ich denke, den Mädels geht es ebenso. Es sind eben immer die kleinen Dinge, die den grossen Unterschied machen.
Danke, Alina, und das ganze Team vom Krüsterhof - Teamgeist kann man nirgendwo auf der Welt kaufen. Man muss ihn leben lernen und teilen.

                                                                                 

24.4.2016

Romy erstmals zu Besuch bei ihrem "virtuellen" Liebling Carly!

                                                    


5. Januar 2017

Seit einem viertel Jahr ist Carly nun in Münster und es ist eine Menge passiert - Zeit für ein Update!

Carly's Einstand in Münster gestaltete sich durchaus turbulent, doch das lag nicht an ihr.
Auf der Suche nach sattem Grün hatte Darnell sich Ende September zu einem nachhaltigen Zaunflutscher entwickelt und der brave Silas blieb während des gemeinsamen Weidegangs stets allein auf der inzwischen recht karg gefressenen Wiese an der Aa zurück. Darnell dagegen begraste die satten Böschungen nebendran und man konnte es ihr nicht wirklich übel nehmen ...
Doch das Risiko, eine mittlerweile im sechsten Monat tragende Stute irgendwann einmal von den benachbarten Feldern oder gar der Strasse einzusammeln, war einfach zu hoch. Weshalb ich mich spontan entschloss, Darnell schon am nächsten Tag zurück auf den Hof Altepost zu bringen und sie gegen Carly zu tauschen.

Der Stutentausch gestaltete sich durchaus entspannt. Darnell stand ruckzuck neben Silas im Anhänger, sie flog geradezu in den Hänger und rannte mich dabei beinahe um – die Sache mit den Möhren vorn im Trog hatte sie ganz offensichtlich nachhaltig verinnerlicht. Entspannt kamen wir zu dritt auf dem Hof Altepost an und tauschten Darnell gegen Carly. Es war das erste Mal, dass Carly verladen wurde, sie hatte den Hof Altepost und ihre Herde noch nie verlassen müssen und nun  gerade erstmals eine Nacht fern von der Herde im Stall verbracht. Mit Ruhe und Geduld stand sie bald neben Silas im Hänger, der einmal mehr die zuverlässige Verladehilfe gab und sie freundlich begrüsste.

In Münster angekommen brachten Andrea und ich Carly sofort gemeinsam mit Silas auf die Weide um ihr Gelegenheit zu geben, mental bei ihrem neuen Partner anzudocken und den aufgestauten Stress abzubauen. Das geht nunmal nirgendwo besser als gemeinsam mit einem zuverlässigen Partner auf der Wiese. Einmal mehr gab Silas den bewährten Stutenversteher, ging ihr gelassen aus dem Weg, tobte nicht herum und liess Carly einfach machen. Carly war sichtlich durcheinander, flitzte immer wieder auf und ab, suchte sporadisch Silas' Nähe und flitzte wieder los. Sie suchte ihre Herde, das war nur zu verständlich.

Zwei Stunden später brachten wir die beiden gemeinsam in den Stall. Carly folgte Silas brav, blieb aber verstört in der neuen Umgebung vor der Box stehen und tat keinen Schritt weiter. Nicht anders hatten sich alle meine jungen Stuten verhalten, die in den letzten Jahren in Münster Einzug gehalten hatten, das hatte ich erwartet. Weshalb Andrea Silas zunächst in Carly's Box führte und schon war das Problem gelöst. Carly folgte Silas brav in ihr neues zu Hause und Silas wanderte zurück in seine Box gegenüber. Carly war zwar aufgeregt und wieherte noch häufig, aber sie frass und war beruhigt so lange sie Silas sah.

In den nächsten Tagen verbrachte ich viel Zeit mit Carly und sie liess sich die Zuwendung gern gefallen. Ein braves und umgängliches Pferdchen, so wie ich sie aus der Fohlenzeit und von der Herde kannte. Menschgeprägt. Nur beim gemeinsamen Weidegang fand sie einfach nicht zur Ruhe und lief die meiste Zeit auf und ab. Mir tat das in der Seele weh. Tatsächlich war Carly das erste Pferd, das nicht sofort von Silas eingenommen war und so auch mental in der neuen Umgebung „ankam“. So ruhig und zufrieden wie sie im menschlichen Umgang war, so unruhig war sie auf der Wiese. Als am dritten Morgen nach Carly's Ankunft mein Telefon schellte schwante mir nichts Gutes – und richtig:
Carly war durch den Zaun gegangen.

Dabei hatte sie ganze Arbeit geleistet und weder Latten noch Litzen verschont. Glück im Unglück jedoch, sie trug selber nur einen Kratzer davon.
Gleichwohl:
So konnte es nicht weiter gehen. Auf die Wiese sollte sie und sie musste vor allem auch sicher darin bleiben! Noch in der Mittagspause machte ich mich also auf den Weg und kaufte ein neues Weidezaungerät. Eines mit reichlich „Wumms“ und man staunt, welche Differenzierungen es da so gibt und das nicht allein in preislicher Hinsicht. An diesem Tag lernte ich eine Menge Neues über elektrische Spannungen und ihren Preis ... Und in der Tat, die Sache mit dem neuen Weidezaungerät sprach sich schnell rum und das nicht nur unter den Rössern. Manch ein argloser Stallkollege spürte am eigene Leibe, w i e gut unser neues Weidezaungerät doch funktionierte... Diese Taler waren gut investiert, keine Frage!
Dennoch nagte es an mir und ich fragte mich besorgt, wie lange es wohl dauern würde bis Carly auch auf der Wiese zur Ruhe finden würde. Einmal mehr war es Stutenfee Ingrid, die mich auf den Boden der Tatsachen zurückholte und mir anschaulich klar machte, dass Carly es mit dem überstürzten Umzug sehr viel schwerer gehabt hatte als alle anderen jungen Stuten in den Jahren zuvor. Einfach deshalb, weil wir bei allen anderen Pferden das Umzugsdatum lange voraus geplant hatten und Ingrid die Pferde lange im voraus aus der Herde entwöhnt, separat aufgestallt und allein auf's Paddock oder eine Wiese gestellt hatte. Die Chance der stufenweisen Umgewöhnung noch zu Hause hatte Carly einfach nicht gehabt und ich sollte ihr doch bitte ein, zwei Wochen Zeit geben, die bräuchte sie nunmal, sie sei einfach noch auf der Suche nach ihrer Herde.

Das klang alles sehr vernünftig und ich wusste, was ich an dem Rat meiner Stutenfee hatte. Ein durchgeknalltes Pferd war Carly ganz sicher nicht, das wusste ich. Sie litt unter der Herdentrennung, das war offensichtlich. Und natürlich sollte Stutenfee Ingrid wieder einmal Recht behalten und die Dinge regelten sich dann in der Tat von allein, wenn auch etwas anders als erwartet …

Es kam der Samstag und ich war gerade auf dem Rückweg von meinem allwöchentlichen Besuch auf dem Krüsterhof als erneut das Telefon schellte und erneut schwante mir nichts Gutes …
Diesmal jedoch war es besorgtes Empören, das mir vom anderen Ende der Leitung entgegenschallte.
Silas und Carly hatten auf ganz individuelle Art endlich zueinander gefunden, Carly rosste und Silas deckte sie! Ja, er würde Carly geradezu unter sich begraben, der grosse Kerl!
Und d a s ginge doch wohl wirklich nicht, die kleine Carly und der grosse Silas?
Mit allem hatte ich gerechnet aber nicht damit.
Mir fiel ein Stein vom Herzen und ich musste laut lachen – ich war so erleichtert!
Gleichwohl stiess meine Erleichterung bei den Stallkollegen auf Verwirrung. Die kleine Carly!

Meine pragmatische Erklärung, Sex lerne man am besten auf einem alten Ofen und dabei spiele es keine Rolle, wie gross dieser Ofen sei, wollte nicht jeder sofort verstehen.
Ich freute mich jedoch für meine Carly.
Die Hormone hatten ihr völlig unverhofft ein geradezu erfülltes Dasein an Silas' Seite beschert.
Und ich war sicher, das Weidezaungerät würden wir von heute an nicht mehr brauchen. Ich überlegte kurz, das teure Gerät wieder zurück zu geben – gleichwohl, mit welcher Begründung? Es funktionierte tadellos und hormonell bedingtes Weidetierverhalten würde der Vertreiber kaum als validen Umtauschgrund akzeptieren...

Ein kurzes Knurren ob des Timings, das Carly mit ihrer plötzlichen Rosse an den Tag legte, konnte ich mir jedoch nicht verkneifen. Wie die anderen dreijährigen Stuten zuvor sollte Carly eigentlich tragend bereits zum Sommer in Münster einziehen. Sie hatte sich jedoch das ganze Jahr über hartnäckig geweigert überhaupt in Rosse zu kommen, von Besamung konnte daher keine Rede sein. Dies war umso absonderlicher, als sie im Winter zuvor zweijährig bereits gut gerosst hatte. Das ganze Frühjahr über hatte ich so sehr auf eine Rosse gehofft, Carly jedoch blieb standhaft und güst.
Der Grund, weshalb im Frühjahr zunächst Darnell in Münster eingezogen war, die nicht nur zügig gerosst hatte, sondern auch mit dem ersten Schuss tragend war.
Schlaflose Nächte und ein teures Weidezaungerät hatte Carly mir also beschert, nur um am fünften Tag nach ihrem Münsteraner Einstand mit der Rosse ihres Lebens mitten im Herbst aufzuwarten?
Das war ein Witz in Tüten und ich wusste nicht ob ich lachen oder weinen sollte.

Doch mit einem sollte ich Recht behalten:
Das Weidezaungerät brauchten wir wirklich nicht mehr. Von diesem Tag an war Carly auch mental vollständig in Münster angekommen und wich Silas auf der Wiese nicht mehr von der Seite. So sollte das sein und ich freute mich von ganzem Herzen für die junge Stute.

Ein paar Wochen später zogen die beiden vorübergehend gemeinsam unten auf die Wiese an der Aa. Es hatte längere Zeit nicht mehr geregnet, der Boden war gut und Gras war nachgewachsen. Und ich staunte nicht schlecht als ich Carly eines Tages wieder rossend vor Silas stehen sah. Ich rechnete kurz nach und siehe da:
Ganz offensichtlich bescherte der brave Wallach ihr einen gesunden Rossezyklus im Dreiwochentakt.
Ich hoffte sehr, dass Silas es schaffte ihr diesen Zyklus auch bis ins Frühjahr hinein zu erhalten. Ein weiteres rossebefreites Jahr meiner künftigen Vollblutstammhalterin stünde in konträrem Widerspruch zu all meinen langgehegten Pferdezucht- und Deckplänen ...

So weit, so gut.

Die zweite Turbulenz ganz anderer Art nach Carly's Einzug ging dann voll auf meine Kappe.
Während der ersten Tage unseres Beisammenseins hatte ich Carly bereits in Ruhe an alles gewöhnt, was ein junges Pferd lernen musste. Sie lief brav neben Silas als Handpferd daher und erkundete ihre Umgebung. Sie benahm sich mustergültig auf der Stallgasse und liess sich problemlos Decken auflegen und Gurte anzurren und zuckte auch nicht mit dem Ohr, als ich ihr lose den Sattel auflegte. Mit einem elastischen Deckengurt um den Sattel unternahmen wir unsere ersten kleinen Spaziergänge und alles war in Ordnung. Nicht anders war ich das all die Jahre zuvor von den anderen jungen Stuten so gewohnt und so dachte ich mir nichts dabei, als ich Carly erstmals den Sattelgurt mit den Elastikstrupfen anlegte und leicht anzog.
Leicht.
Fest genug, damit der Sattel nicht verrutschte, aber ganz sicher nicht „fest“. Sie sollte noch genügend Platz um den Bauch beim Ausatmen haben, daher auch stets der Gurt mit Elastikstrupfen.
Carly stand gesattelt, ruhig und frei auf der Stallgasse neben mir und regte sich nicht.
Zeit für einen ersten Sattelspaziergang auf der Stallgasse, so, wie ich das all die Jahre zuvor mit jedem einzelnen Pferd auch angefangen hatte.

Doch statt dem Pferdchen mal ins Gesicht zu sehen und dort die sichtbare Anspannung zu lesen interpretierte ich ihr ruhiges Stehen als Entspannung und marschierte unbeschwert los. Tatsächlich war Carly aber völlig angespannt und stocksteif als sie mir folgen wollte. Es folgte eine Explosion, auf die ich nicht vorbereitet war. Carly erschrak beim ersten Schritt derart über den Gurt, dass sie in die Luft sprang, bockte, hinfiel und zunächst starr liegen blieb. Ich war schockiert und mindestens ebenso erschrocken wie das Pferd. Sie zappelte sich wieder auf und stand dann stocksteif und zitternd neben mir und regte sich nicht mehr. Erneut hatten wir Glück im Unglück, ausser Schürfwunden schien sie sich äusserlich nicht verletzt zu haben. Der Stachel jedoch sass sehr viel tiefer.

Ich nahm ihr sofort den Sattel ab und wollte sie zurück in die Box führen, aber das Pferdchen bewegte sich keinen Schritt von der Stelle. Es kostet einige Mühe sie zu überzeugen, überhaupt einen Schritt nach vorn zu tun, selbst ohne Sattel und Gurt. Langsam liefen wir dann auf der Stallgasse auf und ab bis sie sich beruhigt hatte und ich brachte sie zurück in die Box. Von dem Schreck musste ich sie jedoch zügig kurieren und es spricht für die solide mentale Stärke des Pferdchens, dass sie sich frei und unangebunden in der Box den Sattel erneut und ohne Widerstand wieder auflegen liess. Der Sattel jedoch war nicht das Problem. Das Problem war jetzt der Gurt. Selbst lose angezurrt erstarrte sie sofort sichtbar. Ich liess sie einige Zeit gesattelt in der Box stehen in der Hoffnung, sie würde sich mit der Zeit daran gewöhnen und von sich aus dem Heu zuwenden und damit einen ersten Schritt tun. Nichts geschah. Sie blieb erstarrt und regte sich nicht. Es dauerte eine ganze Weile bis ich ihr überhaupt einen einzelnen kleinen Schritt in der Box abringen konnte und erneut tat sie mir den Gefallen, trat zögernd an, explodierte jedoch gleich wieder und fiel ins dicke Stroh.
Das war mein zweiter böser Fehler. Hätte ich sie bloss in Ruhe stehen lassen.
Allein, schlauer ist man stets hinterher.

An dem Abend war klar, dass wir ganz von vorn anfangen mussten. Carly's Vertrauen wieder aufzubauen würde lange dauern und ich war sicher, jetzt hatte ich mir ein junges Pferd mit veritablem Gurtzwang erschaffen. Der Ärger über mich selbst machte mir schwer zu schaffen, das Pferdchen tat mir bitter leid.

Als erstes besorgte ich einen neuen Longiergurt der zu den Elastikstrupfen des Sattelgurtes passte denn unelastische Gurte kamen nun gar nicht mehr in Frage.
Und dann begannen wir ganz von vorn.
Tag für Tag den Longiergurt locker mit dem Elastikstrupfengurt ums frei stehende Pferd gelegt und Carly erstarrte ein jedes Mal auf's Neue. Mit dem lockeren Gurt musste sie aber nun wohl oder übel ein paar Schritte tun und der erste Schritt war stets der Schwerste für uns beide. Die Taschen hatte ich mir vollgepackt mit Apfelstücken und lockte und zerrte, allein, sie tat keinen Schritt. Ich konnte am Halfterstrick ziehen, das Pferd stand. Es blieb mir nur, sie ein Stück zur Seite zu stupsen damit sie sich überhaupt bewegte, dann tat sie stets einen erschrockenen Sprung nach vorn und trabte mit einem Satz davon, so dass ich Mühe hatte sie zu bremsen. Daraus fiel sie dann in einen angespannten Schritt und ich fütterte Apfelstücke mit jedem Schritt. Eine ganze Stallgassenlänge weiter schritt sie endlich normal neben mir daher. Entspannung. Anhalten. Ein Loch weiter gurten. Erneutes Antreten, erneuter Satz nach vorn, dann beruhigte sie sich bald und es gab Schritt für Schritt Apfelstücke.

Abend für Abend das selbe Prozedere und es war stets eine ganze Tasche voll Apfelstücke, bis wir ein, zwei Loch weiter gegurtet hatten um überhaupt an sicheres Traben und Galoppieren an der Longe denken zu können, ohne dass der Gurt verrutschte. Sass der Gurt erstmal angemessen fest war alles weitere kein Problem mehr und sie leistete Bilderbucharbeit an der Longe.
Allein, der Weg dahin war Tag für Tag ein Graus für uns beide.

Und so lebten Carly und ich unser gemeinsames Trauma mit dem Gurt.
Abend für Abend.
Es dauerte ein paar Wochen bis sie beim ersten Antreten keinen Sprung mehr tat sondern nach mühevoller Überredung angespannt aber doch im Schritt neben mir herlief. Nach ein paar Schritten war sie dann stets entspannt. Das weitere Nachgurten war dann kein Problem mehr. Aber dieser erste Schritt nach vorn blieb die grosse Herausforderung für uns beide.
Ich hatte mich damit abgefunden ein junges Pferd mit Gurtzwang geschaffen zu haben und fragte mich, wie lange es wohl dauern würde bis überhaupt wieder an Satteln zu denken war. Ich tröstete mich damit, dass wir einen ganzen langen Winter über Zeit hatten und hoffte, bis zum Frühjahr an Aufsitzen denken zu können. Wir hatten beide nichts mehr zu verlieren.

Es kam ein Abend im November und ich hatte Carly den Gurt angelegt, so wie wir es immer taten, frei auf der Stallgasse mit dem Halfterstrick lose über den Hals, als mir einfiel, dass ich die Apfelstücke vergessen hatte. Dafür musste ich zurück in die Sattelkammer und wollte sie vorher anbinden. Sie stand aber zu weit von der Wand entfernt und zur Wand führen ging nicht – sie kam ja nicht mit. Weshalb ich spontan begriff, dass ich sie genauso gut frei stehen lassen konnte, sie würde sich eh nicht vom Fleck rühren.

Ich drehte mich also um und liess mein Pferdchen stehen wo es war. Im Türrahmen zur Sattelkammer nahm ich dann aus den Augenwinkeln eine Bewegung wahr und traute meinen Augen nicht:
Carly hatte sich umgedreht und lief ruhig hinter mir her. Völlig entspannt stand sie vor mir in der Tür und sah mich erwartungsvoll an. Sie wartete auf ihre Apfelstücke.
Diesen Moment werde ich wohl nie vergessen. Ich hatte Tränen in den Augen, so rührte mich ihr plötzliches Vertrauen.

Diesmal war ich es, die einen Moment lang erstarrte, völlig verdattert und ganz und gar gerührt. Dann wurde ich wieselflink und sammelte so viel Apfelstücke wie ich greifen konnte. Carly frass und schritt und frass und schritt neben mir daher als habe sie nie etwas anderes getan. Das Nachgurten gestaltete sich ebenso selbstverständlich, sie marschierte sofort neben mir her und wartete auf ihre Apfelstücke. Ich konnte es gar nicht fassen. Sechs Wochen und ich betete, dass dies unser gemeinsamer Durchbruch war.

Am nächsten Abend war ich geradezu nervös und erwartete ängstlich den Moment des Anführens – würde es wieder funktionieren?
Carly zögerte kurz, man sah es ihr an, dass sie selber kurz nachdachte, dann schritt sie überzeugt neben mir daher, völlig selbstverständlich. Ich war überglücklich!

Von dem Tag an gab es nie wieder Probleme.
Ich hatte eine Menge dazugelernt und es nicht für möglich gehalten, unseren „Gurtzwang“ tatsächlich zu überwinden. Noch dazu so schnell! Sechs Wochen sind nichts vor dem Hintergrund eines ganzen Pferdelebens unter dem Sattel. „Zeit“ ist nunmal ein sehr relativer Begriff und diese Zeit war es ganz sicher wert gewesen.

Allerdings behielt ich unsere Routine akribisch bei:
Locker angurten, einmal die Stallgasse auf und ab, nachgurten, Apfelstücke.
Bis heute marschieren wir drei, vier mal die Stallgasse rauf und runter und bei jeder Wendung wird ein Loch weiter gegurtet und es gibt Apfelstücke.
Carly wartet schon darauf und man hat den Eindruck, unser Prozedere gefällt ihr. Unser gemeinsames Trauma ist zu unserem ganz persönlichen gemeinsamen kleinen Vergnügen geworden.
Das soll auch so bleiben.

Ich begann sie wieder zu satteln und auch das war kein Problem. Mittlerweile kann ich angurten so fest ich will, es stört sie nicht. Allein der Vorrat an Apfelstücken muss stets wohlbedacht in der Tasche sein und da zählt sie durchaus mit. Vier Stück sollten es schon sein bis wir „fertig“ gegurtet haben und uns im Dunkeln auf den Weg in die Halle machen ...

Es wurde Dezember und ich konnte den Moment des ersten Aufsitzens nicht länger vor mir herschieben. Carly beherrschte längst alles, was man „unberitten“ beherrschen muss, ein mustergültiges Pferd an der Longe, sie reagiert auf Gesten und Tonlage, trabt über Cavalettis und hat sowohl flatternde Steigbügel wie auch das Ausbinden am Dreieckszügel ohne Probleme akzeptiert.
Ich hätte längst mit dem Aufsitzen beginnen können.
Das Problem lag allein bei mir. Ich hatte einen Knoten im Bauch und die Hosen voll. Mein Sorge war, Carly würde womöglich beim ersten Schritt unter dem Reitergewicht genau so erschrecken wie seinerzeit mit dem Gurt. Nicht, dass sie mir seither je Grund gegeben hätte anzunehmen, sie reagiere unbeherrscht auf neue Situationen. Doch ich sah uns bereits gemeinsam auf der Stallgasse liegen mit gebrochenen Knochen und Schlimmerem ...
Mein ganz persönliches Trauma.
Und jeder im Stall hatte Verständnis dafür.

Philip hatte von Beginn an zugesagt, mir auch bei Carly mit der Sattelarbeit zu helfen, so wie er es zuvor so vorbildlich mit Deauville und Darnell getan hatte. Und jeder riet, ich möge doch Philip bitten, sich auch als erster überhaupt auf Carly zu setzen, damit wäre das Problem gelöst.
Und genau das wollte ich nicht.
Ich habe alle meine Pferde selber angeritten und jedes Mal war es mir die grösste Freude, das erste Mal überhaupt im Sattel meines selbstgezogenen Pferdes zu sitzen. Die ersten Male die Stallgasse rauf und runter geführt zu werden, die ersten Male um den Hof geführt zu werden - so weit wollte ich auch mit Carly kommen bevor ich gemeinsam mit Philip weitermachte.
Und mir war klar:
wenn ich es nicht über mich brachte, mich als erstes auch auf Carly zu setzen, würde ich nie wieder ein junges Pferd anreiten können.
Diesen inneren Schweinehund musste ich ganz persönlich überwinden und das ging nur, wenn ich es selber machte.

Mitte Dezember waren mir die Ausreden ausgegangen und ich nahm mir ein Herz. Wieder war es Burkhard, der sich gern bereit erklärte mir des Abends zur Seite zu stehen und gemeinsam die ersten Schritte zu unternehmen. Zu Burkhard habe ich grösstes Vertrauen, die Liste unserer gemeinsamen Anreite-Referenzen ist inzwischen lang:
La Jeanne und Bunny, die Luzifee, Deauville und Darnell. Mit jedem Pferd hatte er mir in den ersten Wochen regelmässig vom ersten Darüberlegen bis hin zu den ersten gemeinsamen Spaziergängen im Sattel geholfen. Burkhard ist die gelassene sachliche Kompetenz in Person und genau das, was ich brauchte.
Mit grossem Herzklopfen kletterte ich also an diesem Abend die ersten Male auf Carly. Wir hatten sie vor Silas' Box eingeparkt und Burkhard hielt sie entspannt am Strick. Von beiden Seiten darüberlegen und im Sattel einsitzen war kein Problem. Mehrmals rauf und wieder runter. Zwei Abende beliessen wir es dabei, dann bat ich ihn todesmutig Carly anzuführen. Ich wartete gespannt auf ihre Reaktion und den vermaledeiten ersten Schritt ... Tatsächlich legte Carly kurz die Ohren an und zuckte etwas unsicher, hatte sich aber nach zwei raschen Tritten nach vorn schnell gefangen und mir fiel ein riesiger Stein vom Herzen! Ich wusste, wir hatten es geschafft.
An diesem Abend feierte ich meinen inneren kleinen Reichsparteitag.

Seit dem Jahreswechsel führt Burkhard uns nun regelmässig abends die Stallgasse auf und ab und es fühlt sich einfach grossartig an – Carly ist entspannt und schreitet locker unter mir daher. Es macht Spass und ich freue mich inzwischen richtig darauf, nach der Longenarbeit aufsitzen und noch ein paar Runden auf Carly drehen zu können. Nur mit unseren Hofspaziergängen wird es diesmal wohl nichts werden. Frost und Dunkelheit sind nicht wirklich der passende Rahmen für solche Unternehmungen.

Ein gutes viertel Jahr also, und noch nie hat es so lange gedauert, bis ich im Sattel meines jungen Pferdes sass. Es hat aber auch nie zuvor solche Überwindung gekostet und ich bin froh, dass ich mir die Zeit genommen habe. Und ich denke, Carly sieht das ähnlich.


10.1.2017

Heute hat Philip erstmals in Carly's Sattel gesessen und die beiden haben mir meinen ganz persönlichen schönsten Einstand ins Neue Jahr beschert!
Der Bub gibt ein tolles Bild auf dem Pferdchen ab und Carly ein nicht minder patentes Bild unterm Sattel - kugelrund und dynamisch im Trabe, ich bin begeistert! Carly wird endlich Reitpferd!
Geradezu anekdotisch war dann der Empfang, den Assi mir bereitete, als ich kurz nach Philip gemeinsam mit Carly wieder im Stall erschien:
"Sabiiine! Ich hab' schon gehört! Philip sagt, du hast einfach die braaavsten jungen Pferde überhaupt!", und sie strahlte mich herzlich dazu an.
Ich weiss nicht, ob es überhaupt möglich war, noch breiter zu grinsen als ich es ohnehin schon tat, aber dieser Kommentar von Assi setzte allem noch ein Häubchen obendrauf! Nach Deauville und Darnell ist Carly nun das dritte meiner jungen Pferde, das Philip unter den Sattel bekommt, und der Bub weiss wovon er redet. Needless to say:
Ich war beseelt!


3.2.2017

Ziemlich beste Freude!

Zugegeben, ich bin kein Freund von Handyfotos schlechter Qualität. Doch wenn es ein persönliches Highlight zu dokumentieren gilt und einfach nichts anderes zur Hand ist, dann muss es eben ein Handy sein ... Und so sind sie denn enstanden, diese ersten Sattelfotos heute nachmittag draussen auf dem Platz von Philip und Carly, die sich heute exakt das zehnte Mal unter dem Sattel befindet. Ich bin beseelt!

                                         

Mein ganz persönliches "multiples Highlight" in diesem noch jungen Jahr zelebriert Philip, seit er vor nicht einmal vier Wochen das erste Mal in Carly's Sattel gestiegen ist. Nachdem ich höchstselbst im Herbst Carly's Einstand unter dem Sattel so grandios verbockt hatte und seither alle weiteren Entwicklungen mit einem Knoten im Bauch auf die lange Bank vor mir her geschoben habe, hatte ich mit allem gerechnet, aber sicher nicht mit einer solchen Nachhaltigkeit von ebenso grandiosem Satteldasein, wie Carly es seither demonstriert.
Bleibt die Frage, ob man nach zehn Mal reiten bereits von Nachhaltigkeit reden kann?
Ich denke man kann.
Und ich habe penibel nachgezählt:
Genau vier Mal hat Philip sie an der Longe geritten und der Bremser in allen Fällen war ich, weil ich Sorge hatte (natürlich...) wir könnten das junge Pferdchen womöglich überfordern und es könne doch nochmal etwas schief gehen ...
Ganze drei Mal hat er sie daraufhin in der kleinen Halle "frei" geritten, mit dem grössten Selbstverständnis auf Anhieb in allen drei Grundgangarten frisch aussen rum, Zirkel und Handwechsel durch die ganze Bahn - Carly hat nie auch nur einen einzigen falschen Tritt getan. Selbstverständnis, das zeichnet die beiden wohl aus. Als hätte die kleine Carly nie etwas anderes getan. Philip's bedächtiger Kommentar an einem dieser Abende lautete:
"Wer weiss wofür es gut war, dass du dir so viel Zeit genommen hast. Die ist jetzt einfach souverän und voller Vertrauen."
So hatte ich das noch gar nicht gesehen.

Die letzten beiden Male sind wir dann in die grosse Halle umgezogen weil 60 Meter nunmal das sehr viel geeignetere Umfeld für ein junges Pferd sind um zu Geraderichtung und Balance zu finden. Wenn man schon wetterbedingt oder nach Feierabend im Dunkeln nicht nach draussen auf weit grössere Plätze oder die gänzlich freie Bahn gehen kann.

In der grossen Halle stand am Mittwoch noch der vollständige Parcours und Philip's prakmatischer Kommentar angesichts der Sprünge im Weg lautete:
"... ach ja... dann kannst du uns ja gleich Mal ein paar Stangen hinlegen .... und eigentlich, wenn ich es mir recht überlege:
lass uns doch mal einen kleinen Sprung machen, Stange, Kreuzchen, Stange, dann können wir auch gleich die Lenkung installieren und ich habe sie geradeaus am Bein!"
Ach ja...
Philip eben.
Und ich gebe gern zu:
Ich hatte auch nicht wirklich etwas anderes von ihm erwartet und freute mich von ganzem Herzen, dass er so zuversichtlich und selbstverständlich die Dinge auf dem jungen Pferd unterm Sattel anging.
"Die macht das schon!"
Und natürlich tat sie das.
Carly ist ein "Natural" - ein geborenes Sattelpferd.
Und wer weiss wofür es gut war, dass wir uns im Vorfeld so viel Zeit gelassen hatten...

Das war Mittwochabend, das neunte Mal unter Philip's Sattel, da hat das kleine Pferd also seine ersten kleinen Mini-Sprünge absolviert. Und nichts davon war geplant, es hat sich einfach so ergeben. Tatsächlich hat Carly dann am Mitwochabend auch das erste Mal ganze drei Bocksprünge während der Galopptour unterm Sattel rausgelassen - genau drei, und dazu tönte es fröhlich von unter der Reitkappe:
"Oho! Die ist ja übermütig!", und mit einem breiten Grinsen in Philip's Gesicht setzten die beiden ihren lässigen Galopp aussen rum fort.

Heute nachmittag ergab sich dann erstmals die Gelegenheit endlich draussen auf dem Platz zu reiten und natürlich standen auch dort ein paar Cavalettis im Weg, die sogleich sachdienlich auch in diese gemeinschaftliche zehnte Reitstunde mit eingebaut wurden.
"Lenkung" ist gar kein Thema mehr. Carly trabt und galoppiert so selbstverständlich in weiten Bahnfiguren über den freien Platz, es ist die helle Freude. Zum Abschluss ging es noch eine Runde im entspannten Schritt durchs Gelände und auch das war gelebtes Selbstverständnis.
Das breite Grinsen, mit dem ich meine beiden Helden wieder im Stall in Empfang genommen hatte, trage ich noch immer im Gesicht.

They made my day. Wieder einmal. 


12.3.2017

Einhundertundsechzig Zentimeter echte Freude!
Beiläufig hatte ich kürzlich Petra gegenüber auf der Stallgasse erwähnt, sie habe doch einen Messstock und es wäre interessant zu sehen, ob Carly denn ein bisschen gewachsen sei ... Als Petra dann heute spontan mit dem bewährten Messgerät vor mir stand, bekam ich grosse Kulleraugen! Sogleich haben wir das gute Stück an Carly ausprobiert und meine grosse Sorge war, der Stock reiche womöglich nicht tief genug für das kleine Pferd. Geradezu euphorisch war ich dann, als der Stock tatsächlich an der 1,60er Marke einrastete - wobei Petra und ich zunächst Mühe hatten, diese Marke auch als solche zu identifizieren... Da hilft es immer, wenn man eine Ersatzlesebrille im Spind liegen hat!
Die kleine Carly mit ihren 4 Jahren nun immerhin einenmeterundsechzig gross zu wissen, hat mich geradezu begeistert!
Grösse ist kein Qualitätsmerkmal, doch es macht einen grossen Unterschied, wenn man einer künftigen Zuchtstute attestieren kann "knappes Sechziger Mass!", oder man sich sagen lassen muss "nicht einmal einssechzig...".
Grund genug für einen kleinen Freudentanz auf der Stallgasse und eine etwas verblüffte Petra, die mein Freude über ganze hundertsechzig Zentimeter nur mit etwas Skepsis nachvollziehen konnte. 


14.4.2017

                                           

Im März ist Philip studienbedingt umgezogen und es tat mir bitter leid, ihn ziehen zu sehen. Philip verdanke ich unendlich viel mit meinen jungen Pferden und wünsche ihm das Beste für die Zukunft.
Seit März sitzt daher Kim in Carly's Sattel und die beiden geben ein zauberhaftes Bild ab, von dem ich mich nur unschwer lösen kann! Ausgezeichnet mit Leistungsklasse 2 und reichlich S-Erfolgen hat Kim ein feines Händchen für junge Pferde und ist ein echter Profi im Springsattel. Trotz oder gerade wegen ihrer Konfektionsgrösse, die man sonst nur im Barby-Haus von Mattel findet. Gleichwohl gibt es für Barby offensichtlich auch Reitbekleidung ...

Bei Kim's Einstand in Carly's Sattel ging mir das Herz auf. Völlig verblüfft rief sie:
"Und die ist wirklich gerade erst angeritten? Das kann ich gar nicht glauben! Sowas von abgeklärt und cool! So cool ist von meinen jungen Pferden keines!"
Als sie sie das zweite Mal draussen auf dem Platz ritt wurde es dunkel und sie fragte:
"Sollen wir reingehen in die Halle?" Ich zuckte mit den Schultern und überliess die Entscheidung ihr. Etwas ungläubig fragte sie:
"Kann man die denn im Dunklen reiten?"
Man kann.
Und so sass ich dick eingemummelt an unserem grossen Dressurplatz und hörte Kim von Zeit zu Zeit verzückt aus dem Dunklen juchzen:
"Meine Güte ist die cool! Das kann ich ja gar nicht glauben! Die schnurrt hier her wie ein Uhrwerk! Das könnte ich mir keinem meiner Pferde hier draussen im Dunkeln...!"
Zucker für das Züchterherz.

Heute hatte ich dann das erste Mal die Kamera mit dabei und es hat sich gelohnt. An den beiden kann ich mich einfach nicht sattsehen - ein tolles Paar!

                                           



                                           



                                           

21.5.2017

Stutentausch und mehr...

Nachdem Deauville verletzungsbedingt unter dem Sattel pausiert bot es sich an, Carly gegen Deauville zu tauschen. Während Deauville also nun an Silas' Seite in Münster den Sommer geniesst ist Carly am Wochenende auf dem Krüsterhof eingezogen. Ausschlaggebend hierfür war der hartnäckige Rossestreik, den Carly seit dem Frühjahr an den Tag legt. Zelebrierte sie im Herbst noch die Rosse ihres Lebens an Silas' Seite, so wurden die Zyklen über Winter merklich weniger, um dann passend zum Frühjahr komplett auszusetzen. Da half auch keine chemische Keule, und ich hatte wirklich alles versucht. Optimaler als hier in Münster können die Voraussetzungen für eine junge Stute gar nicht sein. Täglich reichlich Sonne und satte Weide am nahen Flussufer mit einem bezirzenden Kerl an der Seite - all das wahlweise naturbelassen oder chemisch unterstützt. Carly blieb stur. Follikel gab es nicht. Rossen auch nicht.
Keinesfalls wollte ich noch ein weiteres Jahr ohne Deckversuch ins Land ziehen lassen. Meine grosse Hoffnung ruht nun auf Tina Hinnemann. Tina hat sich in den letzten Jahren einen geradezu sensationellen Ruf als equine Gynäkologin erworben, das Stutenzelt auf dem Krüsterhof platzt nicht umsonst aus allen Nähten. Problemstuten, schlechter Samen oder schwaches TG - Tina bekommt alles tragend.
Wir werden sehen, ob sie auch alles ans rossen bekommt ...

Carly soll nun also den Rest der Decksaison auf dem Krüsterhof verbringen und natürlich wird Marina sie in der Zeit reiten und sportlich fördern. Trotzdem tat es mir leid, Kim und Carly zu trennen. Mein zauberhaftes Dreamteam, an dem ich mich nicht satt sehen konnte ... Meine Idee zum Stutentausch traf jedoch auch bei Kim spontan auf allergrösstes Verständnis. So eine Decksaison ist schnell vorüber, da wollen die Prioritäten wohl gesetzt sein. Danke, Kim, für dein Verständnis!

Wir werden also sehen, ob es überhaupt möglich ist, aus Carly eine Zuchtstute zu machen. Nachdem sie im letzten Jahr in der Stutenherde schon nicht rossen wollte ist dies nun der zweite lange Anlauf, aus Carly ein Fohlen zu ziehen und es täte mir bitter leid, mein Vollblutprojekt begraben zu müssen.

Vor dem Hintergund war es daher ein echtes Highlight, als Marina bereits am Samstag neugierig erstmals in Carly's Sattel stieg, souverän über alle Verspanntheit des verständlich aufgeregten jungen Pferdes in fremder Umgebung hinwegritt, um mir dann überzeugend ins Ohr zu flüstern:
"Da mach dir mal keine Sorgen! Die kriegen wir wohl auch ans Traben...!"
Ich musste herzlich lachen!
Nach Bunny und Deauville tritt Carly ein anspruchsvolles Erbe auf dem Krüsterhof an. Ein Halbblut aus Springanpaarung ist nunmal kein Dressurkracher. Weshalb ich sie ausdrücklich als halbes Rennpferd avisiert und laut betont hatte, "dass Carly eine gute Entschuldigung für Mangel an Kadenz im Trabe habe!" Sie sollte ja eigentlich mein Buschpferd werden...
Doch scheinbar hatte ich die Rechnung ohne Marina gemacht, die ganz offensichtlich grosses Vergnügen an ihrem neuen Projekt unterm Sattel hat.      
Marina, du bist einfach der Knaller - sagte ich das schon?

   
  
27.5.2017        THE ACCIDENTAL DRESSAGE HORSE

                        Carly - Dressurpferd aus Versehen ...!

Ich erinnere einen Artikel von Chris Hector im australischen Horse Magazin, da beschrieb er Lissaro einmal als "Accidental Dressage Horse" - Dressurpferd aus Versehen. Lissaro war Prämienhengst Springen der Hannoveraner Körung und wurde später Multi-Bundeschampion im Reitpferde- und Dressurviereck.

(Die Assoziation zu Lissaro drängt sich auf, weil Carly ja eigentlich auch eine Lissaro werden sollte und allein dessen Abgang seinerzeit zu Edward Gal dies verhindert hat)

I remember an article by Chris Hector in the australian Horse Magazine, where he described Lissaro as an "accidental dressage horse". Lissaro was premium jumper stallion at the Hannoverian licensing and later became multi-times Bundeschampion of the dressage horses.

(The association to Lissaro comes to mind since Carly was supposed to become a Lissaro-foal, too. But when Lissaro moved to Edward Gal that year he simply wasn't available anymore and I chose jumper-bred Conen instead.)

                                                                     

Genau wie Lissaro ist Carly aus Springgentik gezogen, darüberhinaus ist sie aber auch ein halbes Rennpferd und ganz sicher kein Dressurpferd. Und eigentlich sollte sie ja auch nur mein eigenes Buschpferd werden.

Quiet like Lissaro, Carly descends from jumper genetics, but on top of that, her dam was a race horse which makes Carly a half thoroughbred and surely nothing you expect any dressage talent from. She was actually bred to become my own eventing horse.

                                                   

Natürlich ist es vermessen, Carly mit Lissaro zu vergleichen und ganz sicher wird sie niemals das Championatsviereck in Warendorf sehen. Aber ich hätte auch in meinen kühnsten Träumen nicht damit gerechnet, dass Carly jemals auf dem Krüsterhof bei Johann Hinnemann einzieht und dann bereits nach einer Woche solche Impressionen unter dem Dressursattel entstehen...
Wunder geschehen!
Danke, Marina! You made my day - wieder einmal ...

Of course it is totally impudent to compare Carly to Lissaro. She will most certainly never make it to Warendorf or any champion title in dressage. However, never in my wildes dreams had I ever expected she would move into Johann Hinnemann's barn, either, and deliver such impressions under the dressage saddle in less than one week.
Wonders do happen!
Thank you, Marina! You made my day - once again ...

                                                   



                                                   



                                                   


13. Juni 2017

Unmögliches wird sofort erledigt, Wunder dauern etwas länger ...

                       
                       ... man beachte die originelle Beschriftung oben links im Bild :-)                             Capistrano bei den Westfälischen Meisterschaften in Greven im Sommer 2016

Carly ist tragend von Capistrano!

Vor drei Wochen erst ist Carly auf dem Krüsterhof eingezogen, heute erreichte mich die Nachricht von Tina Hinnemann, Carly ist tragend!
Ziemlich frustriert schrieb ich noch vor drei Wochen:

"Keinesfalls wollte ich noch ein weiteres Jahr ohne Deckversuch ins Land ziehen lassen. Meine grosse Hoffnung ruht nun auf Tina Hinnemann. Tina hat sich in den letzten Jahren einen geradezu sensationellen Ruf als equine Gynäkologin erworben, das Stutenzelt auf dem Krüsterhof platzt nicht umsonst aus allen Nähten. Problemstuten, schlechter Samen oder schwaches TG - Tina bekommt alles tragend.
Wir werden sehen, ob sie auch alles ans rossen bekommt ...
Wir werden also sehen, ob es überhaupt möglich ist, aus Carly eine Zuchtstute zu machen. Nachdem sie im letzten Jahr in der Stutenherde schon nicht rossen wollte ist dies nun der zweite lange Anlauf, aus Carly ein Fohlen zu ziehen und es täte mir bitter leid, mein Vollblutprojekt begraben zu müssen."

Einmal mehr hat Tina Hinnemann ihren exzellenten Ruf als equine Gynäkologin unter Beweis gestellt, und dies weit darüberhinaus!
Tina bekommt nicht nur alles tragend, sondern offensichtlich sogar alles ans rossen! Danke, Tina!

Mein über lange Jahre gehegtes Projekt vom Vollblut in der Warmblutzucht erhält nun doch noch eine Chance auf produktive Fortsetzung - wie schön!
Auf Carly ruht die Hoffnung, meine kleine Münsterland-Pferdezucht um eine blutgeprägte und ganz vor allem springbetonte Komponente erweitern zu können.
Nachdem ich mich all die Jahre der Zucht von Dressurpferden verschrieben habe reizt nun die Herausforderung, endlich auch einmal mit einem Bein in die Springpferdezucht einzusteigen.
Die einfache Alternative wäre es, eine Springstute aus gutem Stamm dazu zu kaufen.
Das hätte aber nicht den selben Reiz.
Die Herausforderung, einen eigenen Stutenstamm zu etablieren, ist ungleich reizvoller. Insbesondere, wenn es ich dabei um einen blutgeprägten Stutenstamm handelt, der heutzutage kaum noch zu finden ist. Der nötige Vollbluteinfluss ist in der Springpferdezucht ebenso schwer zu finden wie in der Dressurpferdezucht.
Carly bietet allerbeste genetische Voraussetzungen und ich werde mich nun mit grosser Vorfreude an das Hengstfeature zu Capistrano machen. Darauf habe ich zwei lange Jahre gewartet.
Auf allen Körplätzen Deutschlands wurden in den letzten Jahren Söhne und Enkel des Cornet Obolensky zuhauf gekört. Gewaltige Springpferde, die sich häufig durch Masse und häufig langsamere Abläufe auszeichnen. Die "krawummige" Sorte Pferd eigentlich, die ich persönlich sehr schätze. Genau so ein Pferd, wie mein Shannon einer war. Unübertrefflich! Pferde, wie Capistrano selber eines ist, Pferde wie Cornado NRW und viele andere mehr. Weltpferde durchaus. Und doch fordert der Anspruch an den allgemeingültigen Zuchtfortschritt heutzutage das gewisse Quentchen "mehr" an Spritzigkeit und Schnelligkeit im Ablauf. Die Konsequenz draus liegt auf der Hand:
 
Für Cornet und seine Söhne bedarf es Blutstuten, wie Carly eine ist!         
14.6.2017


                                               


14.7.2017 

Carly bei ihrer ersten und einzigen Reitpferdeprüfung auf dem Krüsterhof!

                                               

Lange, sehr lange habe ich daraufhin gefiebert, Carly einmal auf einem Turnierplatz zu erleben. Dabei hatte ich stets springorientierte Disziplinen wie eine Eignung, Spring- oder Geländepferdeprüfungen im Kopf. Nicht im Traum wäre ich auf die Idee gekommen, dass Carly einmal in einer Reitpferdeprüfung antritt!     
Marina macht es möglich!

                                               


                                               

Die Dressurtage auf dem Krüsterhof boten sich geradezu an, Carly einmal öffentlich vorzustellen. Diese Reitpferdeprüfung habe ich ganz sicher durch eine tiefrosa Brille wahrgenommen und bin noch heute beseelt, wenn ich diese Fotos sehe. Marina und Alina haben einfach alles getan, um diesen Tag für mich unvergesslich zu machen und ich kann den beiden gar nicht genug dafür danken!


                                               


                                               


Ihren ersten und einzigen Auftritt im Reitpferdeviereck beschloss Carly mit einer 7,2. Nicht schlecht für ein halbes Rennpferd aus Springanpaarung.
Die Prüfung entschied ein gekörter Prämienhengst mit 8,0 für sich.
Acht Zehntel Differenz für ein "Dressurpferd aus Versehen", die in keinem Verhältnis stehen zu der grossen Freude, die ich an diesem Auftritt gehabt habe und die mir niemand nehmen kann.
Danke, Marina!   


                                                
                                                                                         Kesse Carly, strahlende Marina und Alina!

Im Herbst wird Carly dann umziehen in die Stutenherde auf dem Hof Altepost um entspannt ihr erstes Fohlen auszutragen. Und dieses Springfohlen darf dann gern auch durch ein paar Reitpferdepoints bestechen! 
  



 


                                  
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