Buschpferde werden gemacht und nicht gezüchtet

               
Gedanken zum oft gehört und gern proklamierten Zuchtziel "vielseitige Pferde" und der Notwendigkeit zu erkennen,
                                                    daß dies nicht gleichbedeutend ist mit dem züchten von "Vielseitigkeitspferden"


Als Züchter von Pferden mit hohem Blutanteil und jemand, der das Risiko eingeht und selber eine Vollblutstute in der Warmblutzucht einsetzt, liegt mir dieses Thema sehr am Herzen und ich habe mir in den letzten Jahren sehr viel Gedanken darum gemacht. Tatsächlich hat sich im Laufe der Zeit auch meine eigene Einstellung und Erkenntnis im Hinblick auf den Einsatz meiner eigenen Vollblutstute in der Zucht drastisch gewandelt. Rege Diskussionen in diversen Internetforen trugen das ihrige dazu bei, daß ich dem proklamierten Zuchtziel "vielseitige Pferde" zu züchten sehr differenziert und kritisch gegenüber stehe - ganz einfach deshalb, weil sich der Eindruck aufdrängt, daß "vielseitige Pferde" von den meisten Züchtern (oder Diskutierenden) gleichgestellt werden mit "Vielseitigkeitspferden" - die wenigsten erkennen den Unterschied oder wollen ihn erkennen und das ist in meinen Augen lethal im Hinblick auf auf den Zuchtfortschritt als solchen und ganz besonders im Hinblick auf Vermarktungschancen und Wirtschaftlichkeit der Pferdezucht im allgemeinen in der heutigen Zeit. Kein Zufall, daß die heißesten Diskussionen zu diesem Thema stets im Trakehner Forum hoch schwappten, schreibt sich der Trakehner Zuchtverband doch bis heute aktuell die Zucht von vielseitigen Pferden in seinem Statut auf die Fahnen.

Dieser Beitrag soll daher ausdrücklich keine Kritik am Trakehner Pferd als solches sein, es ist so gut und so schlecht wie jedes andere Warmblut auch.
Es geht mir in erster Linie darum darzustellen, weshalb die Zucht von vielseitigen Pferden nicht gleichbedeutend ist mit der Zucht von Vielseitigkeitspferden, eine Erkenntnis, die zu finden ich selber einige Zeit benötigt habe.

Wesentlichen Beitrag zu dieser Erkenntnis lieferten zunächst meine eigenen Erfahrungen im Sattel von vielen zumeist gänzlich "talentfreien" Pferden im Hinblick auf Springen und Busch in den letzten zehn Jahren hier in Münster. Immer wieder habe ich junge Pferde unter dem Sattel gehabt, die stets von reiner Dressurabstammung waren und oft keinen Tropfen Vollblut in sich trugen. Gänzlich unbeeindruckt von der Abstammung habe ich mit jedem dieser Pferde mein ganz persönliches Ausbildungsprogramm aus Überzeugung absolviert und dazu gehört neben regelmässigem Rennbahntraining eben auch frühzeitiges Geländetraining an natürlichen Hindernissen. Oft habe ich diese Pferde bereits zum Geländetraining mitgenommen bevor das angaloppieren auf dezidierte Reiterhilfen überhaupt klappen wollte. Vielseitiges Training entspricht der Natur des Pferdes, man kann gar nicht früh genug damit anfangen. Mit einem Führpferd vorweg geht auch ein roher drei- oder vierjähriger ins Wasser und springt die ersten Baumstämme. Im Zweifel aus dem Trab. Ganz  natürlich.
Ob es also Kinder des Rotspon, Wolkenstein II, Florestan, Don William, Baroncelli oder Canaster (Silas) waren, oder ganz besonders die Erfahrungen, die ich mit meiner eigenen Fidermarktochter Fabrice gemacht habe, sie alle haben und hatten eines gemeinsam:
mit dem zügigen Begreifen von festen Hindernissen und dem Vertrauen zu Wasser, Tiefsprüngen und Klettern wurde eines nach dem anderen dieser Pferde zu einem potentiellen "Buschpferd" und auf manch einen dieser Kandidaten bin ich des öfteren angesprochen worden im Hinblick auf weiterführende Förderung ob der lohnenswerten Veranlagung für den Busch. Und von Vermögen, Galoppieren oder gar "Bluteinfluss" war dabei nie die Rede - weil potentielle Buschpferde sich in allererster Linie durch Herz und Geist auszeichnen, und da spielt die Blutführung schlicht und ergreifend keine Rolle.

Wenig überraschend, dass es gerade die Resonanz auf Fabrice war, die ich als mein eigenes Pferd seinerzeit gut zwei Jahre überall mit hingenommen habe wenn ich mit Shannon zum Geländetraining unterwegs war, die mir die ersten prägenden und wahrlich nachdenkenswertesten züchterischen Eindrücke im Hinblick auf "Buschpferde" verschafft hat. Fabrice steht deshalb hier stellvertretend, weil sie anders als Shannon und Silas (die man beide auch als Galoppiermaschinen von gehobener Güte bezeichnen darf, Shannon war darüber hinaus als reiner Hosteiner auch mit einem schier unbegrenzten Springvermögen ausgestattet) als reines Dressurpferd von eher mäkeligem Galopp und wenig bestechendem Springvermögen (von Manier ganz zu schweigen) ausgerechnet bei erfahrenen Ausbildern wie Martin Plewa oder Fritz Otto Erley stets für anerkennende Kritik sorgte:
ob ihres Biss' und Herz' nämlich.
Und da hatte sie dem gesegneten Shannon (der mir hoch und heilig ist) und auch Silas tatsächlich einiges voraus.
Denn wenn auch Shannon das Pferd war, mit dem ich meine grössten (bescheidenen - ich bin nunmal kein Profi-) Erfolge im Busch feiern durfte, so war der Einstieg in die Buschreiterei für mich als unerfahrenen Amateur mit Fabrice doch um ein erhebliches müheloser als zuvor mit Shannon  - weil sie vom ersten Moment an hinzog und "angriff", ganz egal was da kam.
Die Einstellung macht das Pferd.
Ganz sicher nicht die Blutführung oder der berechenbare Vollblutanteil.
Wenn sie dann noch den richtigen Reiter im Sattel haben (einen erfahrenen Profi) ergibt sich der Rest von selbst.
Buschpferde werden gemacht.
Nicht gezüchtet.
Man kann höchstens etwas Edelblut beisteuern, aber das allein macht noch kein VSpferd.

Nun bin ich mit meinen eigenen Sattelerfahrungen ganz sicher kein aussagekräftiger Maßstab für potentielle professionelle Buschpferde aber ich habe hier in Münster das grosse Glück zu erleben, was für Pferde manch ein erfolgreicher Profi in diesen Sport einführt und durchaus erfolgreich aus- und weiterbildet. Und es bestätigt mich immer wieder in meiner Einstellung mehr als alles andere:
Gute Buschpferde werden gemacht.
Und das Potential dazu schlummert in den meisten zum Teil recht blutlosen Warmblütern ebenso wie in den vermeintlich prädestinierten Halb- oder Vollblütern.
Herz und Geist.
Mit den Aussagen eines Hinrich Romeike auf meine Fragen diesbezüglich (Zitat: "Naja, da stehen ja nunmal keine 1,60 sondern nur 1,20 - auch bei einer schweren Vielseitigkeit ist bei 1,20 Schluss und das muss man sich etwa so vorstellen ..." (er bückt sich leicht und hält die Hand bei 1,20) "... und das ist wirklich nicht viel. ... (kurze Denkpause) ... da springt 'ne Kuh drüber! ... naja. ... jedenfalls 'ne holsteiner Kuh. ... rotbunt eben!") wurde meine Einstellung hierzu dann im Dezember 2008 erst so richtig nachhaltig gefestigt. Insbesondere vor dem Hintergrund, als die umstrittene Neuerung im internationalen Format der Vielseitigkeitsprüfung (der Verzicht auf die Galoppstrecke vorweg und mithin der Fokus auf die mehr und mehr technischen Anforderungen selbst im Cross einer internationalen Vielseitigkeit) dem weniger blutbetonten Pferd einen vermeintlich deutlichen Vorteil gegenüber dem galoppiereffizienten Vollblutpferd bescheren. Das kann man mögen oder nicht, es ist so.  
 
Mit dem Erfolg der deutschen Vielseitigkeitsreiter im internationalen Sport, angefangen mit den Olympischen Spielen in Athen, den folgenden Weltmeisterschaften in Aachen und in der Folge die märchenhafte Geschichte des Marius unter seinem Reiter Hinrich Romeike in Hong Kong und der Tatsache, daß diese beiden als Publikumslieblinge die deutsche Vielseitigkeitsszene in der weltweiten medialen Präsenz ganz nach vorn gebracht haben, verwischen gerade unter deutschen Züchtern Attribute wie "vielseitig" und "Vielseitigkeit" doch ganz enorm. Zum Schaden der Zucht, will ich meinen, weil das eine mit dem anderen nur sehr wenig bis gar nichts zu tun hat.
Das Züchten eines vielseitigen Pferdes sollte heutzutage bei dem allgemein gegebenen Zuchtfortschritt doch wohl selbstverständlich sein, so etwas muss man heute nicht mehr als Zuchtziel proklamieren. Meine eigenen o.g. Erfahrungen mit verschiedensten Pferden jeglicher Abstammung sprechen da eine klare Sprache.

Weit vor Hinrich Romeike war es Andreas Dibowski, der mit den blutgeprägten Pferden des Friedrich Butt wiederholt in der Szene für Aufmerksamkeit gesorgt hat und selbst heute noch dafür sorgt, daß manch ein Profi zwar bewusst nach Pferden mit der Abstammung eines Heraldik Ausschau hält, dabei aber den vermeintlich prägenden Stutenstamm völlig ausser Acht lässt.  Allerortens wird die Buttsche Zucht nun als Erfolgsmaßstab für Vielseitigkeitspferde zum Aushängeschild - und doch möchte ich behaupten, daß diese Pferde auch heute noch niemandem ein Begriff wären, hätte es da nicht einen Andreas Dibowski gegeben, der eines nach dem anderen dieser blutgeprägten Pferde überhaupt erst zu dem gemacht hat was sie heute sind:
das Aushängeschild der deutschen Pferdezucht im Hinblick auf "Vielseitigkeitspferde" und der hannoversche Verband schmückt sich marketingorientiert gern mit dem Label dieser Zucht wie auch der Trakehner Verband schnell erkannt hat, dass die Anerkennung von rein vollblütig gezogenen Stuten aus diesem Stamm (denen keinerlei Trakehner Erbgut anhängt) nur dem Wohle des Marketings dienen kann.
Aber sind dies tatsächlich vielseitige Pferde im Sinne des Zuchtziels?
Sind dies Pferde, die auch der 0-8-15 Reiter jederzeit gleichermassen erfolgreich im ländlichen A-Springen wie auch in der ländlichen A-Dressur vorstellen kann?
Gehen diese Pferde deshalb "natur-" weil zuchtbedingt von vornherein durch fremde Wasser oder meistern sie auf Anhieb Tiefsprünge nur weil sie vermeintlich "Vielseitigkeitspferde" sind?
Kann man derartige Neigungen und Verhaltensweisen (und um nichts anderes handelt es sich) tatsächlich "anzüchten" nur weil man sich eines spezifischen Einsatzes von Vollblut in der Zucht bedient hat?

Die Antwort ist ein klares nein.

Man kann es nicht.
Derartige Pferde werden gemacht und nicht gezüchtet.
Und ein Andreas Dibowski höchstselbst liefert in Serve Well (einer gänzlich blutlosen hannoverschen Stute, die es nebenbei auch bis zu S-Erfolgen im Dressurviereck gebracht hat) den allerbesten Beweis dazu:
Ein gutes Buschpferd muss zu allererst einmal den passenden Reiter finden, der es überhaupt formt und vertrauensvoll ausbildet, um diese Leistungen zu vollbringen.
Im Busch.
Ob es dann den Anforderungen im Viereck und im Stangenparcours gleichermassen standhält (und sei es nur auf niedrigem Niveau bis L, denn darüber hinaus gehen die internationalen Anforderungen für ein Vielseitigkeitspferd im Viereck oder Parcours nunmal nicht) das steht auf einem ganz anderen Blatt.
Die meisten unserer erfolgreichen Buschpferde sind schlicht "kalt" an den Stangen, was die Herzen der Zuschauer im abschliessenden Parcours einer grossen Vielseitigkeitsprüfung stets bis an den Hals schlagen und zum Stillstand gefrieren lässt.
Das ist dem Vollbluteinfluss geschuldet, möchte ich meinen, denn diese Pferde sind nunmal auf Rennleistung und nicht auf Spezialistentum an der Stange gezüchtet - man kann es ihnen nicht verdenken.
Ähnlich wenig beeindruckendes wird von den meisten Buschpferden im Viereck geliefert - die wenigsten sind in der Lage eine gute Trabverstärkung zu zeigen, die im spezialisierten Dressursport einer Acht würdig wäre. Auch das kann man ihnen nicht verdenken. Vollbluteinfluss ist nunmal dem über Generationen durchgezüchteten Dressurpferdespezialistentum diametral entgegen gesteuert.
Kein Makel, ganz sicher nicht. Aber man sollte sich dessen bewusst sein und die rosa Brille des vollblütigen Buschpferdezüchters auch einmal ablegen.

Geradezu kätzerische Gedanken, möchte man meinen, noch dazu aus der Feder einer Person, die für sich selbst das reiten und schulen von Pferden gleich welcher Abstammung im Busch als höchstes Glück auserkoren hat - es gibt einfach nichts schöneres, als auf einem vertrauensvollen und selbstbewussten Pferd einen Geländekurs im 450 bis 500-Meter-die-Minute-Tempo so richtig zu geniessen - der ultimative mentale Kick schlechthin...
Und damit sind wir exakt beim springenden Punkt:
Ein gutes Buschpferd zeichnet sich aus durch Herz und Willen - oder auch Mut.
Vertrauen ist das A und O.
Eigenschaften, die bedingt angezüchtet sind, aber in letzter Instanz eben doch durch den richtigen Reiter antrainiert werden. Und dabei spielt es keine Rolle ob das Pferd hoch im Blut steht oder über gar keinen (Voll)Blutanteil verfügt. Der Reiter und die Ausbildung machen das Pferd.

Im Dezember 2008 hatte ich das grosse Glück, Hinrich Romeike in seinen Ausführungen zum Werdegang seines Marius' lauschen zu dürfen - der Mann sollte wissen, wovon er redet, und seine Aussagen bestätigen mich in meinen Gedanken mehr als alles andere:
O-Ton Hinnie:
  
"Und wenn Hinnie beschreibt wie man sich selber von grossen Sprüngen in der S-Vielseitigkeit nicht beeindrucken lassen soll, dann klingt das etwa so:
"Naja, da stehen ja nunmal keine 1,60 sondern nur 1,20 - auch bei einer schweren Vielseitigkeit ist bei 1,20 Schluss und das muss man sich etwa so vorstellen ..." (er bückt sich leicht und hält die Hand bei 1,20) "... und das ist wirklich nicht viel. ... (kurze Denkpause) ... da springt 'ne Kuh drüber! ... naja. ... jedenfalls 'ne holsteiner Kuh. ... rotbunt eben!" und er grinst dabei und hat die Lacher schon wieder auf seiner Seite.
Und Recht hat er ganz sicher auch.
Erfolg ist ganz sicher eine Frage des Kopfes und der Einstellung."

Ähnlich klingen die Ausführungen der Familie Jung zum Werdegang ihres Sam, dem Shooting Star der letzten Jahre im Busch, denen ich ebenso das Glück hatte persönlich zu zuhören und Fragen stellen zu dürfen:
dieses Pferd wurde einst gelegt weil von allen Experten der Körkommissionen nicht als Zuchttier akzeptabel, Michael bekam das Pferd überhaupt erst unter den Sattel weil die Vorgeschichte des selben alles andere als amateurtauglich war - ganz egal in welcher Disziplin.
Und was ist aus diesem Pferd geworden? 

Bleibt also die Frage nach dem züchterischen Einfluss bei Buschpferden ganz allgemein und hier möchte ich einen Beitrag aus meiner Feder anlässlich einer Diskussion in eben jenem o.g. Trakehner Forum zitieren. Die Eingangsfrage lautete:

"Es scheint also tatsächlich so zu sein, dass der Trakehner Marke und Gesicht verloren hat. Eine klare Positionierung im Markt als blutgeprägtes Veredlerpferd mit fester Verbundenheit zur vielseitigen Veranlagung hat doch eigentlich immer ganz gut funktioniert - wieso nicht wieder aufgreifen?"

Meine Antwort dazu:

Ich denke genau darin liegt das Problem begründet:
Vielseitige Pferde sind heute ein Selbstverständnis aber kein Zuchtziel.
will heissen:
VielseitigKEITSpferde werden gemacht, nicht gezüchtet.
Alle (monetär) erfolgreichen Verbände vermarkten sich einzig über die Spezialisierung ihrer Zucht weil dort nunmal in allererster Linie das Kapital steht und mit ihm der letztendlich überzeugende und klar definierte Genpool:
Holstein steht ganz klar für springen (und doch kann man dort immer wieder hervorragende Buschpferde akquirieren, einfach weil sie den entsprechenden passenden Ausbildungsweg gefunden haben - s. unseren goldenen Marius), Hannover steht für Dressur und ein Springprogramm mit klar definierten Zuchtzielen und Prinzipien im Hinblick auf Spezialisierung, wohl anerkennend, dass die Vielseitigkeit inzwischen ein Markt ist, den man auch dort gern und gut beliefert, aber dazu bedarf es keiner weiteren Spezialisierung des Zuchtzieles. Im Rahmen dessen, was die hannoversch gezogene Population hervorbringt, kann man auch den VS Markt sehr gut bedienen und man anerkennt ihn als solchen (s. Kommentar Dr.Schade im aktuellen Hannoveraner).
Oldenburg verfolgt ebenso ganz klar die Spezialisierung Dressur und Springen im Rahmen OS (Oldenburger Springpferde Zuchtverband), und selbst Westfalen proklamiert seit ein paar Jahren ausdrücklich Spring- und Dressursieger ob seiner Körungen und teilt das Kandidatenfeld als solches auf.
Niemand spezialisiert sich auf VSpferde, aber alle sind in der Lage diesen Markt zu bedienen.

Der Trakehner mit dem Label "blutgeprägtes Veredlerpferd mit fester Verbundenheit zur vielseitigen Veranlagung" drängt sich selbst in eine monetär vergleichsweise unbedeutende Ecke weil er mit einem solchen Zuchtziel (durchaus unbewusst aber eben doch nachhaltig) suggeriert, dass er nicht gut genug ist für die Spezialsierung in die eine oder andere Richtung.
Ich sage nicht, dass die Pferde nicht gut genug dafür sind - aber die Suggestion eines solchen Labels ist eben diese.

Buschpferden haftet nunmal der Makel an, sie seien nicht gut genug für die Dressur und nicht gut genug für Springen - aber zur "Vielseitigkeit" reicht es allemal.
Und in den meisten Fällen ist es tatsächlich so.
Ich kenne wenig internationale Buschpferde, von denen ich behaupten würde, dass sie auch in internationalen Springen oder Dressur bestehen könnten.
Dennoch ist dies kein Makel.
Die wenigsten Pferde sind überhaupt dazu in der Lage.
Das will nur niemand wahr haben.
  
Ein solches Zuchtziel (Vielseitigkeit eben) im Sinne der Vermarktung führt in eine Einbahnstrasse weil alle anderen diesen Markt ebenso bereits zu bedienen in der Lage sind, aber sich niemand deshalb spezialisieren muss.
Sie bedienen ihn aus SPEZIALISIERTEN Genen, sie müssen ihren Genpool dafür nicht "verwischen" i.S. eines "vielseitigen" Pferdes, welches i.S. der Zucht als "VS-Pferd" und damit mitnichten spezialisiert kategorisiert wird.

Perfektes Beispiel:
Mighty Magic.
Ein begnadetes Pferd von hoch im Blut stehender holsteiner Linienführung.
Ein Spezialist am Sprung (der holsteinischen Blutführung geschuldet), der durch Technik und Bascule bestechend daherkommt und sich hinter keinem Springspezialisten aus dem eigenen Lager verstecken muss - entsprechende Noten und Siege in Springpferdeprüfungen sprechen für sich. Dennoch perfekt gemanagt und "gemacht" i.S. der Vermarktung:
Unter allerbestem Profiberitt (wieder Andreas Dibowski) in weniger als zehn Monaten nach dem hervorragenden Auftritt auf dem Bundeschampionat in aller Munde - als Buschpferd zwar, und das wird wohlwollend anerkannt - aber wer glaubt denn ernsthaft, dass die ihm zugeführten springorientierten Stuten mit dem Zuchtziel "Buschpferd" angepaart werden?
Das Gegenteil ist der Fall.
Der Hengst ist zwar im Busch vermarktet aber sein genetisches Spezialistentum ist ihm züchterisch unbenommen. Man leckt sich die Finger nach einem viel versprechenden Spezialisten für die SPRINGpferdezucht der hoch im Blut steht und hier ist er:
ich möchte behaupten er bekommt seine Stuten GERADE im Hinblick auf Veredlertum bei den Springgenen weil alle Welt anerkennt dass dieses Pferd die Perfektion der blütigen Springpferdegenetik ist und danach hat man lange gesucht.
Vergessen angesichts des Erfolges die Tatsache, daß anlässlich seiner Körung in Holstein von den Experten so niemand recht an ihn ran wollte und der Hengst daher seinen glücklichen (Um)weg in die hochdeutsche Zucht über den Osten der Republik fand.
Soviel zum Thema Zuchtexpertise.
Dass er seine Loorbeeren heute im Busch verdient ist gänzlich nebensächlich, wichtig ist allein dass er gut besprochen ist und dafür sind die Weichen wohl gestellt. Seine Gene sind unbenommen die eines durchgezogenen Springpferdes über den Mutterstamm und definieren damit züchterisch klar die gesuchte Spezialisierung.
Wäre ich Springpferdezüchter mit einer gut durchgezogenen Stute gern altbewährter (schwerer) Abstammung wäre dieser Hengst heute meine allererste Wahl.
Warum?
Weil derzeit wenig bis gar nichts dagegen spricht, dass diese Fohlen sich gut vermarkten lassen werden. Die Gene sind eben spezialisiert und dazu bieten sie noch den begehrten Vollblutaneil, der so rar gesäät ist.
Rittig ist er ausserdem und macht auch im Viereck einen guten Eindruck.

Wo ist der ebenso blutgeprägte Springhengst (70-80%) der im Trakehnerlager derart von sich reden macht (weil im Busch erfolgreich unterwegs) und dennoch unumstritten als Springpferdespezialist anerkannt wird?
Ich sehe ihn nicht (und es mag meinem mangelnden wissen ob der aktuellen Trakehner Population geschuldet sein, dann bitte ich darum meine Ignoranz zu entschuldigen) - warum sehe ich ihn nicht?
Weil alles was unter der Elchschaufel im Busch ganz zweifellos hervorragend unterwegs ist eben genau das ist was eingangs beschrieben wurde:
"ein blutgeprägtes Veredlerpferd mit fester Verbundenheit zur vielseitigen Veranlagung".
mit Verlaub:
das reicht heute nicht mehr.
ein so betiteltes Pferd fällt heute in jedem Zuchtgebiet ganz nebenbei ab, dafür bedarf es keiner Spezialisierung.
Dass ein Sixtus einst unter Gilli Böckmann auch international im springen unterwegs war WEISS heute niemand mehr. Man hört "Sixtus", der aufgeklärte Züchter WEISS "Habicht" und jeder andere assoziiert "Busch".
Ende der Gedankenkette.
Dass aus dieser männlichen Linie ganz nebenbei auch ein grandios besprochener Bundeschampion und Vizeweltmeister der Dressurpferde hervorgegangen ist, ist der Züchterschaft nicht BEWUSST.
Weil jeder einen Imperio als reines Dressurpferd ansieht.
Und als solches wird er allerbestens vermarktet.
Weil genau DAS funktioniert:
Spezialistentum.

Wenn überhaupt der Trakehner Züchter (oder Verband) sich mit dem Label "vielseitig" schmücken kann dann hier, bei diesem Pferd:
Imperio.
Weil dieses Pferd für eine (wenn auch "nur" männliche) Linie steht, die von sich behaupten kann wahrlich "vielseitig" zu sein.
Warum?
Weil sie beidseitig SPEZIALISTEN von internationalem Format hervorgebracht hat.
So, und nur so definiert sich vielseitige Zucht.
Über Linien die in der Lage sind beides hervorzubringen.
Spezialisten.
Keine Vielseitigkeitspferde.

Blutgeprägte Veredlerpferde mit fester Verbundenheit zur vielseitigen Veranlagung liefern die Hannoveraner selbst in Anpaarung mit Lauries Crusador xx  ganz "aus Versehen" und sie werden nebenbei noch Weltmeister der jungen VSpferde... oder eine Ingrid Klimke, die ihren Florestan x Lauries nebenher mal eben für das Bundeschampionat VS qualifiziert und dann noch im Finale platziert... (ob er da hingehört ist eine andere Sache, aber Fakt ist: er hat es geschafft!)
Warum?
Weil solche Pferde GEMACHT werden, man muss sie nicht züchten.

Ein Free Easy von Florestan war mehrere Jahre hintereinander das erfolgreichste westfälische Buschpferd - und ganz sicher hat sein Züchter sich einen dressurorientierten Knaller davon versprochen oder ein veredeltes Stutfohlen zur dressurbetonten Weiterzucht.
Spricht das gegen ihn und seine Leistung?
Nein.
Spricht das FÜR eine beabsichtigte züchterische Vermarktung (i.S. der Genetik) einer solchen Anpaarung als Buschpferdespezialist?
Ganz sicher auch "nein"!

Selbiges gilt für das teuerste Pferd der aktuellen VS Auktion des Elmar Lesch:
Sandro Hit x Vollblut.
Ich kenne den Züchter und weiss um sein Zuchtziel. An dem ist dieser Hengst vorbeigeschrappt (ebenso die Vollschwester), liess sich aber dennoch "machen" und letztendlich erfolgreich vermarkten.
Zuchtiel erreicht?
Nein.
Spezialiserte blutbetonte Pferde zu züchten ist ein ganz schweres Ding und mitnichten geeignet sich als "Zuchtziel" auf die Fahne zu schreiben. Nur die wenigsten haben die Chance sich letzendlich in Elmar Leschs Kollektion wiederzufinden - weil man sie dazu auch erst einmal "machen" muss bevor sie monetär begehrlich werden.

Ich kann in diesem Zusammenhang nur dringend empfehlen, sich die Starterlisten der Buschpferde auf dem Bundeschampionat einmal genauer anzusehen - und ich denke wir sind uns einig dass ein (deutsches) Pferd, das es bis dorthin gebracht hat, schon einiges an Eigenleistung bewiesen hat. Und wenn eines auffällt beim Blick in diese Starterlisten dann ist es die grosse Menge von Dressuranpaarungen an Vollblut, die dort auflaufen - und die sind allesamt nicht als vielseitiges oder gar "Buschpferd" gezogen worden, sondern eher in der Hoffnung auf gelungene Veredelung an Dressurblut zum weiterhin positiven Nutzen in der Zucht als veredelte Grundlage.
Und doch tauchen sie als erfolgreiche Buschler dort auf.
Gemacht.
Nicht gezielt gezüchtet.
Und oft ganz sicher auch deshalb weil es zum Spezialistentum einfach nicht reichte.
Womit wir wieder bei dem suggestiven Makel wären der dem Label "Buschpferd" nunmal anhängt, verdient oder nicht.
Gewollt oder nicht, aber so ist es nunmal in der öffentlichen (deutschen) Wahrnehmung eines Marktes, der durch Spezialisierung geprägt ist und nur dadurch weltweit zur erfolgreichsten Pferdezucht avancieren ist.
Die erfolgreichste Pferdezucht von Spring- und Dressurpferden - Spezialisten eben.

Züchten muss man Spezialisten weil nur diese glaubwürdig und tatsächlich nachhaltig  ihre genetische Veranlagung weiterzugeben in der Lage sind ("Konsolidierung") und wenn es dann später Buschpferde werden - bitte gern.
Der "Markt" definiert sich nunmal über Springgene und Dressurgene - das selbe gilt für die genetischen Grundlage - und als solche sollen sie sich auch nachhaltige positiv konsolidieren. Alles andere ist Augenwischerei und Nischenspiel, das zumindest in Deutschland nicht als solches bezahlt wird.


So weit meine Ausführungen.
Wie sieht es nun um meine eigene Einstellung im Hinblick auf den Zuchteinsatz meiner Vollblutstute Ionia aus?
Ihre älteste Tochter Balahé befindet sich bei Familie Karsten in allerbesten Händen und wird aufgrund ihrer dressurbetonten väterlichen Abstammung (Brentano II) dort hoffentlich künftig die Grundlage zu einer blutbetonten Dressurpferdezucht liefern.
Selbiges gilt für Bogart, Ionias Sohn von Benetton Dream, der - sollte er einmal das Körprädikat erhalten - aufgrund seiner väterlichen Abstammung ganz sicher die dressurbetonte Genetik in sich weitergibt. Mit dem gewünschten Schuss Vollblut eben.
In beiden Fällen reizt es meine Phantasie, diese Pferde getreu meiner Überzeugung einer vielseitigen Ausbildung ihrer Bewährungsprobe zu unterziehen. Ganz sicher mag das Potential zu einem erfolgreichen Buschpferd in beiden schlummern. Ganz sicher sind sie aber nicht als Vielseitigkeitspferde von mir gezogen worden.
Etwas anders verhält es sich mit Lorbaß, Ionias Sohn von Lissaro. Diese Anpaarung war gedacht als genetisch abgesicherte Grundlage eines mulitalentierten Pferdes im Hinblick auf weitergehende züchterische Wahl in beide Richtungen, Springen und Dressur, das ganze auf blutbetonter Basis. Das bester aller drei Welten sozusagen und ganz sicher durch die idealistische Brille betrachtet. Ob und in wie weit Lorbaß (oder sein hoffentlich in 2011 zu erwartendes Vollgeschwisterlein) diesen Ansprüchen einmal standhält, das muß die Zeit erst zeigen. Ganz sicher wäre es mein grösstes Glück, einen Lorbaß einmal in professionellen vielseitigen Ausbilderhänden zu wissen.
Primäres Ziel dieser Anpaarung aber ist ein blutgeprägtes Stutfohlen zur spezialisierten Weiterzucht in die eine oder andere Richtung, weil diesem aufgrund seiner (hoffentlich multitalentierten) genetischen Disposition alle Wege offen stehen - in die einzig zukunftsweisende SPEZIALISIERTE Sportpferdezucht nämlich.   

Der weitverbreitete Makel "Buschpferde seien zu schlecht zum Springen und zu schlecht für die Dressur, aber im Gelände können sie noch zu etwas taugen" hat tatsächlich rein genetisch betrachtet durchaus seine Berechtigung. Am Spezialistentum kommt die Sportpferdezucht heutzutage nunmal nicht mehr vorbei, alles andere hiesse Rückschritt.
Was diesen vermeintlichen "Makel" aber überhaupt erst niederträchtig macht sind die Geister derer, die ihn immer wieder gern anführen:
Züchter, Reiter oder Ausbilder ohne die notwendige Vision und Erkenntnis, dass es zu einem erfolgreichen Buschpferd Eigenschaften bedarf, die auch die beste genetisch abgesicherte Spezialisierung dem potentiellen Vielseitgkeitspferd nicht als Garantie mit in die Wiege legt und die tatsächlich erst unter dem Sattel (und nicht bereits auf dem Papier) die Spreu vom Weizen trennen:
Herz, Geist und Einstellung.
Zeit, mit meiner Fabrice Buschpferde zu züchten? 
 

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9. Februar 2010

Ein Leserbrief an Buschreiter.de, der dort auf grosse Resonanz stiess, zum Interview mit Kai-Steffen Meier:
"Wo bleibt der Mut zur konsequenten Vielseitigkeitszucht?"

Sehr erfreulich hat Kai-Steffen Meier auf Buschreiter.de zu diesem Brief auch Stellung bezogen!

Lesermeinungen

Buschpferde werden nicht gezüchtet, sondern gemacht

Wo bleibt der Mut zur konsequenten Vielseitigkeits-Zucht? Die Frage ist ebenso vermessen gestellt wie einfach beantwortet:
der professionelle Buschreiter, der ein potentielles Buschpferd kauft, kauft das fertige Produkt und kein Fohlen.
Und das fertige Produkt hat in der Regel nicht einmal ein Papier, will heissen: die Abstammung ist völlig sekundär, wichtig ist, daß das Pferd unter dem Sattel funktioniert und vertrauensvoll an die ersten Geländesprünge herangeht und nebenbei über einen effizient räumenden Galopp verfügt. Verfügt das Pferd dann noch über einen gewissen Blutanteil leuchtet dem Buschreiter sehr wohl das Auge.

Dem Züchter allerdings blutet zu diesem Zeitpunkt bereits das Herz, weil es eine Menge Geld, Zeit und Risiko gekostet hat, so ein potentielles Buschpferd überhaupt bis hierhin produziert und ausgebildet zu haben.

Mal ehrlich: Welcher Züchter verfügt überhaupt über die Möglichkeit, so ein Pferd nicht nur gesund gross zu ziehen und auszubilden, sondern darüber hinaus auch noch den passenden Reiter zu haben, der diesen Youngster dann auch noch frühzeitig ausgerechnet auf Geländekursen schult? Und welcher potentielle Buschreiter fährt auf eine Verkaufsanzeige tatsächlich bis nach Pusemuckel, um dort ein solches Pferd überhaupt auszuprobieren?
Welchem Züchter biete sich daher die Möglichkeit, sein Nachwuchspferd tatsächlich auf einer Paradeplattform, wie z.B. Elmar Lesch sie mit seiner Buschpferdeauktion bietet, auszustellen? Wo sonst gibt es überhaupt noch eine ähnliche Plattform?
Diverse Verbandsauktionen bieten potentielle Buschpferde heute bewusst gar nicht an, und wenn, dann nur, weil das vermeintlich gut gezogene Superpferd sonst in kein anderes Schema passt (von allem etwas eben, aber nichts richtig). Und wieviel Geld hat es den Züchter dann schon gekostet, bis ein 4-6 jähriges Pferd seinen Weg bis dorthin macht?
Und die wenigsten kommen überhaupt dort an, weil sie sich bis dahin längst im Nirwana der Unauffälligkeit verloren haben - oft gerade aufgrund ihres höheren Blutanteils, der in der Regel auch einen Mangel an heute gewünschter Spektakularität mit sich bringt und damit zunächst wenig Begehrlichkeiten weckt.

Die Ausführungen zeigen deutlich: Buschpferde werden nicht gezüchtet, sie werden gemacht. Und zwar allein durch den entsprechenden Beritt. Und wer den nicht hat, der steht mit einem oft wenig spektakulären Pferd da, für das es schlicht keinen Markt gibt. Zumindest keinen kostendeckenden.

Ich denke es ist nicht vermessen anzuführen, dass selbst die Pferde eines Friedrich Butt heute nicht den Ruf genössen, der ihnen jetzt zuteil wird, hätte es für diese Zucht in jungen Jahren nicht einen Andreas Dibowski gegeben, der eines nach dem anderen dieser Pferde überhaupt erst geformt hat. Erst dadurch wurde die Begehrlichkeit für diese Pferde unter den Profis geweckt. Weil Buschpferde in jungen Jahren nunmal häufig alles andere als begehrlich daherkommen.
Die Geschichten selbst der grossen Heroen unserer Zeit, eines Marius oder Sam zum Beispiel, sprechen eine ganz deutliche Sprache. Sie mussten alle erst den passenden Deckel zum Topf finden, um dann überhaupt erst spektakulär die Szene aufmischen zu können. Als Fohlen hätte man solche Pferde sicher günstig kaufen können. Nur da wollte sie keiner. Auch die Buschreiter nicht. Weil selbst denen der Weg vom Fohlen bis zum fertigen Pferd zu weit ist. Verständlich. Aber genau da liegt der Hase im Pfeffer.

Die Frage nach dem Mut zur konsequenten Vielseitigkeitszucht ist eine Frage nach dem langen Atem und Idealismus des Züchters - das kann sich heute kaum einer leisten. Die meisten Züchter züchten für den Abverkauf als Fohlen - das macht Sinn. Mit 4000 bis 6000 Euro ist so ein Fohlen gut bezahlt. Die meisten bekommen heute aber auch dieses Geld nicht.
Fohlen verkauft man zu allererst auf dem Papier - im wahrsten Sinne des Wortes. Eine klangvolle Dressurabstammung holt durchaus Interessenten auf den Hof - meist Hengstaufzüchter. Blutpferde wollen die aber nicht haben - weil die alles andere als spektakulär sind. Klangvolle Springabstammungen verkauft man mit Glück ebenfalls als Fohlen (oft für noch weniger Geld). Wenn nicht, wird spätestens 3-jährig zum Freispringen ein Schuh daraus. Funktioniert auch das nicht, findet sich in jedem Reiterverein oder Ausbildungsstall jemand, der ein junges potentielles Springpferd parcoursfertig macht. Wieviel Reitervereine oder Ausbildungsställe verfügen aber über entsprechende Reiter und Gelände, aus so einem Pferd ein potentielles Buschpferd zu machen?

Fakt ist, dass ein 3-jähriges Pferd (das sich nicht gerade wie vom anderen Stern bewegt oder abartig springt), bestenfalls genauso bezahlt wird wie das oben beschriebene Fohlen und damit hat der Züchter daran noch keine Mark verdient. Ein gerittenes junges Pferd, idealerweise mit ein bisschen Erfahrung im Gelände und den ersten Erfahrungen in Wasser und an Tiefsprügnen, hat zu diesem Zeitpunkt schon eine Menge Geld gekostet und holt das selten ohne Schleifen wieder rein. Mit den ersten nachweisbaren Geländeschleifen hat so ein Pferd in der Produktion aber bis zu 15000 Euro und mehr gekostet. Welcher Züchter hat die Lobby, so ein Pferd ab Hof zu verkaufen?

Daher einfach mal die offene Frage an einen Kai Steffen Meier: Wieviel 3-4jährige Pferde aus Züchterhand haben Sie sich in den letzten ein bis zwei Jahren "ab Hof" angesehen? Wann haben Sie das letzte mal ein Fohlen ab Hof gekauft? Wie und wo rekrutieren Sie ihre Nachwuchspferde?

Ich züchte selber mit einer Vollblutstute und weiss, wie schwer es ist, Interessenten überhaupt für diese Nachzucht auf den Hof zu bekommen - mit der Nachzucht aus den klangvollen Namen meiner dressurbetonten Stuten verhält es sich Gott sei Dank anders, die müssen die Vollblutstute schlicht mitfinanzieren. Ich gehöre darüberhinaus zu den wenigen Züchtern, die auch selber reiten und eigene Nachzucht wenn nötig selber ausbilden können - das spart bares Geld, kostet aber nichtsdestoweniger sehr viel Zeit und Aufwand, die mir niemand bezahlt. Idealismus eben. Und ein langer Atem.
Dank der lokalen Gegebenheiten und der Nähe zu qualifizierten Ausbildern auch für mich als Buschreiter (wenn auch nur im Basissport) kann ich jedes Pferd auch im Gelände schulen - ich mache das aus Überzeugung und Spaß an der Freude - bezahlt wird so etwas nicht.

Was bleibt ist die Hoffnung, sollte ich eines Tages tatsächlich einen ebensolchen blutgeprägten Youngster verkaufsfertig präsentieren müssen, dass die Elmar Leschs und Kai Steffen Meiers dieser Welt mir nicht verschlossen bleiben. Glauben möchte ich gern daran.

Sabine Brandt,
Münster

Stellungnahme Kai-Steffen Meier auf Buschreiter.de

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