Fidermark

                                                                                                           sein züchterisches Erbe

                                                                 


Gliederung:
Der Mutterstamm - die vorderen Generationen verfasst 2010
Der Mutterstamm - die weiteren Generationen März 2013
Die Söhne des Fidermark verfasst 2010
Stutenmacher Fidermark verfasst 2010
Das sportliche Erbe des Fidermark - K&K Cup Halle Münsterland Januar 2014
Muttervater Fidermark und der teuerste Siegerhengst aller Zeiten November 2014
Muttervater Fidermark und der Shooting-Star des Jahres: Victoria's Secret Dezember 2016
Fidermark Dressurchampion aus dem Eis! September 2017
 


Sieben Jahre ist es her, seit Fidermark nun tot ist. Seit mehr als zwölf Jahren hat Fidermark mein reitsportliches und züchterisches Denken und Handeln geprägt wie kein Zweiter. Seine beiden Töchter Fabrice und Fannie Mae legen Jahr für Jahr mit ihren Fohlen beredtes Beispiel ab vom Erbe des Fidermark und der Qualität dieses Hengstes als Stutenmacher. Und doch hätte ich seinerzeit im Traum nicht daran gedacht hätte, dass dieser Hengst einmal die Basis meiner eigenen kleinen Pferdezucht darstellen und mein Leben auf diese Weise gleichermaßen auf den Kopf stellen würde. Zeit für einen Rückblick also, Zeit das züchterische Erbe des Fidermark einmal zu hinterfragen.
Kritisch zu hinterfragen.


Der Mutterstamm - die vorderen Generationen

Tatsächlich ist Fidermark einer der wenigen Hengste, der seine Fans sehr wohl zu entflammen versteht, dessen Mutterstamm ich aber gleichwohl nie irgendwo sachlich diskutiert oder gar in Frage gestellt gehört habe. Man staunt.
Sollte man nicht meinen, ein Hengst mit einer wohl gesonnenen und breiten Anhängerschaft wie dieser, würde auch sachlich analysiert?
Gerade weil aufgrund seines frühen Ablebens die Eigenleistung in den Hintergrund rückt und ausschließlich die Nachkommenleistung zählt?
Eine Nachkommenleistung, die in allererster Linie genetisch abgesichert zu sein hat - insbesondere über den Mutterstamm des in Frage stehenden Hengstes?

Die diversen Vollgeschwister des Fidermark haben mich anlässlich ihrer öffentlichen Auftritte (Stutenschauen und Hengstvorauswahlen) in der Tat nicht wirklich zu begeistern gewusst. Zu einem grossen Teil lag das sicher auch daran, dass meine Erwartungen ob der recht einzigartigen Selbstdarstellung des Fidermark selbst, stets sehr hochgesteckt waren - da kann ein anderes Pferd eigentlich nur verlieren. Sachlich betrachtet liegt es in erster Linie aber wohl daran, dass die Genetik an sich so vielfältig ist, dass selbst aus hundertfacher Anpaarung der selben Stute an den selben Hengst durchaus hundert verschiedene Pferde hervorkommen können, von denen manch eines einen klaren Zuchtfortschritt verkörpert und sich allein dadurch für die Weiterzucht empfiehlt (Fidermark), während andere oft suboptimal oder zunächst weniger bedeutend daherkommen. Der Beurteilung von Vollgeschwistern insbesondere prominent besprochener Pferde heutzutage wird m.E. eine viel zu grosse Bedeutung beigemessen - fälschlicher Weise eben, zum Guten wie zum Schlechten. Es ist die Breite des Mutterstammes an sich und dessen diverse Verzweigungen allein, der überhaupt nur eine sachliche Analyse für die Zukunft zulässt und fordert.
Weshalb ich die verbandsinternen Schautitel seiner Vollschwestern gern als "political correctness" und weniger als sachliche Einschätzung von Werthaltigkeit quittiere. Beide Vollschwestern des Fidermark verfügen jedoch inzwischen über sporterfolgreiche Nachzucht in Aufbauprüfungen. Ganz nebenbei errang Fidergirl I 1999 den Schautitel "Europäische Vizechampioness". Ihr Sohn Daily Mirror von Damon Hill wurde 2006 in Westfalen gekört. Eine rheinisch gebrannte Tochter des Trakehners Rastenberg (von Van Deyck x Cocktail T. x Postmeister) a.d. Fidergirl trat seinerzeit zum Fohlenchampionat in Lienen an.

Der bekannteste gekörte Sohn dieses Mutterstammes in Deutschland dürfte derzeit der unter Eva Möller sporterfolgreiche Soliere von Sandro Hit x Donnerhall x Einblick sein. Bei der dritten Mutter diese Hengstes von Einblick handelt es sich um die St.Pr.St. Elfe, Mutter der Watonga und damit Grossmutter des Fidermark. Die hochdekorierte StPrSt Elfe, später selber bis Grand Prix ausgebildet, rangierte 1994 auf Platz sechs der Ratje Niebuhr Schau und ist Vollschwester zu springerfolgeichen Sportpferden. Darüber hinaus brachte Elfe in Anpaarung mit Weltmeyer die Vollschwestern Woitana I und II und Welfin, letztere siegreich in Reitpferdeprüfungen. Woitana I ist Mutter der beiden gekörten Hengste Stoiber (von Sandro Hit) und Dardanos N (von Davignon).
In Anpaarung mit Sandro Hit brachte Woitana I ferner Surprise du Jour, eine Stute, die zunächst im oldenburgischen Rastede hochplatziert von sich reden machte und später anlässlich der PSI Auktion 2001 für sagenhafte 530.000 Euro den Besitzer wechselte.
Watongas rechte Schwester Woitana von Weltmeyer darf man also mit Fug und Recht als bemerkenswertes und züchterisch hocherfolgreiches Pferd bezeichnen.
Als Tochter des 1973 geborenen Leistungsvererbers Werther (NGS über € 1,5 Mio und noch heute annähernd 130 direkte Nachkommen in der S-Klasse unterwegs, davon ein Drittel im Springen) suggeriert Watonga selbst durchaus auch springorientierte Zuchtleistung. So ist es wenig überraschend - aber doch weitgehend unbekannt - dass Watonga mit ihrem Sohn Palegro von Power noch weit vor ihrer Florestanschen Blütezeit bereits einen gekörten Bundeschampionatsteilnehmer und später sogar bis S erfolgreichen Sohn für den Sport und die Zucht geliefert hat, über den ob seines polnischen Besitzes heute nur niemand mehr spricht. Darüberhinaus bereitet Fidermarks Vollbruder For Joy der Züchtertochter dieser Tage viel Freude im ländlichen Turniersport und hier vornehmlich im Springen siegreich bis zur Klasse L und das weiss ich sehr zu schätzen - definiert sich die Werthaltigkeit eines Mutterstammes doch über für beide Disziplinen erfolgreiche Nachkommen.
Über noch nachvollziehbare direkte Sporterfolge des Mutterstammes verfügt Lyra von Lasso x Pik As x Goldfalk, die in den siebziger Jahren ebenfalls im Springsport bis zur Klasse S erfolgreich war. Lyra ist Vollschwester zu Lassia, der dritten Mutter des Fidermark, und Vollschwester zu fünf Verdener Auktionspferden.
    
Interessant ist die Verbreitung des gegenwärtig eher schmalen Mutterstammes im Ausland:
so findet sich erfolgsversprechende Nachzucht aus Töchtern dieses Stammes ausgerechnet in Dänemark und Finnland wieder, darunter ein weiterer gekörter Sohn aus einer quasi Dreiviertelschwester des Fidermark, Fenestra von Florestan a.d. Finale von Fortissimo a.d. Watonga von Werther. Besagte Finale verfügt desweiteren über sporterfolgreiche Nachzucht in Deutschland.
Mit der bereits o.g. Woitana II von Weltmeyer befindet sich in Dänemark eine erfolgreiche und vielversprechende Stute in der Zucht, derzeit tragend von Belissimo.


Der Mutterstamm - die weiteren Generationen
geschrieben im März 2013

Anlässlich der Hengstpräsentation bei Johann Hinnemann auf dem Krüsterhof hatte ich das grosse Vergnügen, die Stutenstämme der Hengste dort kommentieren zu dürfen. Und auch nach dem Abgang von Den Haag ist mit Stoiber der Stutenstamm des Fidermark auf dem Krüsterhof noch aktuell vertreten und natürlich habe ich sogleich ein Schäufelchen in die Hand genommen und voller Inspiration gegraben...
Stutenstämme ergünden ist einfach immer wieder spannend und tatsächlich musste ich auch gar nicht tief graben, um einige bemerkenswerte Erkenntnisse zu diesem Stutenstamm des Fidermark zu gewinnen, die es wert sind, das Thema erneut aufzugreifen. Nachdem ich dem Stutenstamm des Fidermark bereits vor einigen Jahren diese Seite gewidmet habe, die sich aber in erster Linie mit den vorderen Generationen dieses Stammes befasst, behandelt die aktuelle Recherche nun die weitere vierte und fünfte Generation.

Stoiber und Fidermark haben die selbe Grossmutter, Elfe von Einblick, die ihrerseits in Anpaarung an Donnerhall, Werther und Weltmeyer verantwortlich zeichnet für die gegenwärtige bemerkenswert erfolgreiche Verbreitung dieses Stammes in seinen vorderen Generationen (Fidermark, Den Haag, Stoiber, Dardanos, Palegro, Soliere - um nur die Hengstsöhne dieses vorderen Zweiges zu benennen). Und doch ist dieser Stamm einen Blick über diese Elfe hinaus wert, insbesondere wenn man auf überdurchschnittliche Sportleistung Wert legt und sich nicht allein durch gekörte Söhne beeindrucken lassen möchte.

Elfe von Einblick aus der Lassia von Lasso aus der Pilgerelfe von Pik As xx.

Pilgerelfe vom Vollblüter Pik As xx ist eine von drei Vollschwestern, die jede für sich diesem Stutenstamm durch ihren indviduellen Zweig an Bedeutung verschaffen. Im Sinne der Übersichtlichkeit wollen wir uns in dieser Analyse auf den Zweig der Pilgerelfe (die fünfte Mutter des Fidermark) beschränken.

Exkurs Pik As xx

Der Vollblüter Pik As xx ist den Züchtern vertraut als Grossvater der legendären Pik Bube. Pik As xx ist ein Sohn des Derbysiegers Abendfrieden xx, geboren 1934, der ein begehrter Leistungsvererber in der Vollblutzucht war. Pik As xx ist Vollbruder zu Perser xx, beide aus der Pechfackel xx, und beide Hengste sind von prägenden Einfluß auf die Deutsche Warmblutzucht. Sie repräsentieren die Familie der Postenkette xx, die Grossmutter der Pechfackel. Aus dieser Vollblutfamilie stammen auch die in der Warmblutzucht einflussreich wirkenden Hegste Pindar xx (PB Trakehner Zucht), Parenzo xx (Ldb. Warendorf), Playmate xx (Ldb. Warendorf), sowie der unter Willi Schultheis bekannt gewordene Pernod xx (PB Westf.), dessen bewegende Geschichte bereits hier in dem Feature zu Don Schufro nachzulesen ist.

Pilgerelfe von Pik As xx ist gezogen aus einer Mutter von Goldfalk und vertritt damit selber bereits mütterlicherseits die Leistungslinie des Goldfisch. Es wundert daher nicht, dass ihre Nachkommen als erfolgreiche Springpferde von sich reden machten. Ihre sechs sporterfolgreichen Kinder verdienten annähernd 15.000 Euro NGS, in den 1970-er Jahren waren das 30.000 DM und mithin ein kleines Vermögen. Der Stamm fand in den 70-er und 80-er Jahren starke Verbreitung im Hause Dr. Paulus in Tespe und bestätigt einmal mehr den Anspruch, in der Folge aus einem guten Stutenstamm (je nach Anpaarung) Leistungspferde für alle Disziplinen ziehen zu können.
Ihre erfolgreichsten Kinder zeugte Pilgerelfe zunächst in Anpaarung an Lasso von Lateran/T. (Helikon x Fetysz ox) und später erneut in Anpaarung an das auch heute protegierte G-Blut (zurückgehend auf Goldfisch).

Herausragend unter ihren sporterfolgreichen Töchtern von Lasso sind zunächst die beiden Vollschwestern Lyra und La Bandita, deren dritte Vollschwester Lassia in Anpaarung an Einblick Geschichte schrieb als Mutter der Elfe und somit Ur-Grossmutter des Fidermark.
La Bandita war in Deutschland bis zur Kasse M unterwegs mit Jutta Köhler, Tochter des Pferdepapstes und Hippologen Hans-Joachim Köhler, bevor sie dann im Ausland international im Springsport ihre Karriere fortsetzte. Ihre Schwester Lyra war mit Franke Sloothaak im Sattel mehrfach siegreich in Springen der Klasse S und verdiente € 4.573 Gewinnsumme bevor sie selber in die Zucht ging und u.a. mit Lady Confident und Limelight selber M-erfolgreiche Nachkommen in Springen und Dressur stellte. Dieser Zweig des Stutenstammes wird über Nachkommen und Enkel der Lyra im Hause Landes in Süddeutschland gepflegt.

Weitere herausragende Nachkommen brachte Pilgerelfe dann in Verbindung mit Gardeoffizier und Graf Douglas bei offensichtlich sinnvollen Inzuchteffekten auf das G-Blut des Goldfisch. Ihre Tochter Gerona von Gardeoffizier (Gotthard) avancierte über elf aktive Sportjahre zur Seriensiegerin in M und verdiente in dieser Zeit 6.619 Euro. Gerona's Sohn Rico von Raphael gelang später der erfolgreiche Durchmarsch als Springpferd von A bis S in nur zwei Jahren.
Pilgerelfe's Tochter Gavotte von Graf Douglas (Grande) machte als Zuchtstute von sich reden, deren fünf Nachkommen knapp 7.000 Euro in Springen und Dressur gewonnen haben. Gavotte's Tochter Oktavia von Ordensglanz ist im Leistungsstutbuch der FN eingetragen und verzeichnet ihrerseits neun sporterfolgreiche Nachkommen (NGS € 10.000), darunter den S-erfolgreichen Wellington von Weltruhm und weitere M-erfolgreiche Sportpferde.
Grasmuecke ist eine Vollschwester zu Gavotte und ebenso eine Tochter der Pilgerelfe von Graf Douglas. Getreu dem Erfolgskonzept der Inzucht auf das G-Blut brachte Grasmuecke mit Grosso Z ihren Sohn Zorro Z, der in Hannover gekört und nach Dänemark verkauft wurde. In Dänemark war er vier Jahre im Deckeinsatz und hinterliess beachtliche Nachzucht. Er wurde bis zur Klasse M gefördert und dann nach Spanien an Beatriz Ferrer-Salat verkauft, die ihn international erfolgreich bis Grand Prix förderte.   
Zorro Z von Grosso Z a.d. Grasmuecke a.d. Pilgerelfe

In seiner Breite verfügt der Stamm des Fidermark also in der Tat über eine hohe Dichte sporterfolgreicher Nachkommen, sowohl in den vorderen, als auch in den hinteren Generationen, und dort insbesondere im Springen (was mich besonders freut, denn aus einem Springstamm kann man immer wieder gute Dressurpferde ziehen, umgekehrt jedoch handelt es sich um eine genetische Einbahnstrasse). Dennoch liegt der Fokus heute wie überall stets auf den gekörten Hengstsöhnen, wohl weil diese unabhängig von sportlicher Eigenleistung einfacher nachzuvollziehen sind. Und doch muss man diesem Zweig der Elfe, Enkelin der Pilgerelfe und Grossmutter des Fidermark, neben einer recht hohen Kördichte auch eine bemerkenswerte Leistungsdichte attestieren. Allein die beiden Söhne der Werthertochter Watonga, Palegro und Fidermark, waren seinerzeit in Grossen Preisen bzw. Grand Prix erfolgreich. Ein weiterer Sohn der Watonga, Donnero von Donnerhall, ist aktuell siegreich mit Marcus Hermes in S unterwegs.
Es gibt nicht viele Zuchtstuten, die gleich auf drei S-erfolgreiche Kinder in Springen und Dressur verweisen können. Und selbst der Vollbruder des Fidermark, For Joy, war trotz seiner vermuteten Dressureignung erfolgreich in Springen der Klasse M mit einem Amateur im Sattel unterwegs.
Der gekörte Dardanos aus der Halbschwester der Watonga verfügte trotz seiner Abstammung (Davignon x Weltmeyer) neben Siegen in Dressurpferdeprüfungen auch über bemerkenswerte Platzierungen in Springpferdeprüfungen der Klasse M. Soliere ist mittlerweile neunjährig mehrfach siegreich in S angekommen, Daily Mirror von Damon Hill aus der Fidergirl II ist aktuell unter Saskia Lieben-Seutter ebenfalls neunjährig S-platziert und Den Haag hat seinem Alter entsprechend Seriensiege in Dressurpferdeprüfungen ausschliesslich mit Höchstnoten zu verzeichnen.

So viel zu Fidermarks durchaus vielseitig orientiertem und leistungserwiesenem Mutterstamm.
Bleibt die Frage nach seinem eigenen züchterischem Erbe, und hier insbesondere ob der Vielzahl der gekörten Söhne.
Die Fakten sind schnell zusammengestellt, aber belegen sie auch die Bedeutung, die ich ganz persönlich diesem Hengst zuschreibe?


Die Söhne des Fidermark

Von seinen reichlich gekörten Söhnen sind bis heute nur noch 24 im Hengstbuch I verzeichnet, ich erinnere mich an beinahe 50 Söhne, die noch zu Fidermarks Lebzeiten anerkannt waren. Aktuell verzeichnet er 307 eingetragene Stuten. Wenig genug (zum Vergleich: von Donnerhall sind derzeit noch annähernd 1000! Töchter registriert), allerdings wirkte Fidermark auch nur acht Zuchtjahre und erhielt davon anfangs, ob seiner Grösse eher belächelt, vielleicht nicht den meisten Zuspruch, und wurde später ob der Doppelbelastung durch Zucht und Sport und der daraus resultierenden abnehmenden Samenqualität auch nicht unbedingt zur vollsten Güte genutzt. Ich erinnere mich an eine Zahl von sechzig Stuten aus einem seiner letzten Jahre. Dennoch verfügt er über mehr als 600 eingetragene Nachkommen im Sport, von denen 37 in S erfolgreich sind. Dies entspricht einer unerhörten Quote von knapp 6%, die sich zweifellos sehen lassen kann - selbst sein Vater, der Stempelhengst Florestan, bringt es "nur" auf eine Quote von 6,55%. Tatsächlich werden Quoten von über 5% fast ausschließlich von Springhengsten erreicht, die meisten Dressurvererber liegen deutlich darunter. Diese Eigenart erklärt sich aus der simplen Tatsache, dass zahlenmäßig eben weit mehr Spring- als Dressurpferde im Sport unterwegs sind und ein Springvererber i.d.R. über eine deutlich höhere Nachkommendichte im Sport verfügt. Mit steigendem Niveau (S) erhöht sich die S-Quote zu Gunsten der Springvererber darüberhinaus überporportional - drei Pferde unter ein und dem selben Reiter in einem ländlichen S Springen sind keine Seltenheit - in einer S Dressur gleicht dies allerdings eher einer Sensation.
Der erfolgreichste Nachkomme des Fidermark dürfte wohl der mittlerweile für Schweden international startende Wallach Favourit sein, der seine Ausbildung und Grand Prix Reife keinem geringeren als Hermann Gösmeier verdankt. Ein weiterer Sohn, der bereits in jungen Jahren als potentielles Championatspferd von sich reden macht, ist Franziskus (Mv Potsdam) unter Hubertus Schmidt. Mit Farewell III und Falsterbo sind zwei seiner im Deckeinsatz stehenden Söhne ebenfalls mehrfach S erfolgreich.
Die grösste Anzahl seiner vielversprechenden Töchter aber dürfte gar nicht erst im Sport erschienen (oder nur vorübergehend in Aufbauprüfungen), sondern gleich der Zucht zugeführt worden sein.

Drängt sich die Frage nach dem Einfluss seiner gekörten Söhne auf und das ist eine Frage, die ich bis heute eigentlich nur wenig befriedigend für mich beantworten kann. Den Lordsiegelbewahrer des Fidermark unter seinen Söhnen habe ich bis heute für mich nicht ausmachen können, wenn ich auch lange Zeit glaubte, Fürst Piccolo sei es. Nicht zuletzt deshalb, weil dieser Sohn seinem Vater in Typ, Habitus, Grösse, Bewegungsqualität und ganz sicher auch Farbe am nächsten kommt. Doch lässt auch der kleine Fürst missen was seinen kleinen Vater eigentlich erst so richtig gross gemacht hat:
Die seltene und überaus wertvolle Eigenschaft, die Mehrheit seiner Nachkommen nachhaltig in all -oder doch zumindest den meisten- der oben genannten Eigenschaften zu stempeln. Man kann von Fidermark halten was man will, ein Stempelhengst war er ganz sicher. Der Grund, weshalb mir meine Fabrice, ein Abbild ihres Vaters von Fohlenalter an, bis heute lieb und teuer ist.
Gekört wurde landauf-landab proportional zu Fidermarks eigener wachsenden Beliebtheitsskala reichlich und mitunter sicher im Überfluss. Was ist davon geblieben?

Zweifelsohne ist der mangelnde Einfluss vieler seiner Söhne der Tatsache zuzuschreiben, dass sie einfach nicht die Chancen und Menge an Stuten bekamen, um überhaupt ihre Vererbungskraft aussagekräftig zu manifestieren. Allen voran hier sicherlich Farewell I, der erste der vier gekörten Vollbrüder aus dem Hause Baumann, der ebenso wie sein Vater ob seiner mangelnden Grösse als Zwerg verlacht wurde. Historie repeats itself. Warum lernen wir nur nicht daraus?
Der Zwerg verschwand also recht schnell von der Bildfläche und ich möchte behaupten, durchaus zu Unrecht, kam er doch im Vergleich zu seinen Vollbrüdern seinem Vater, abgesehen von der Farbe, in allem am nächsten. Die wenigen seiner Kinder, die mir unter gekommen sind, möchte ich noch heute als ausserordentlich vielversprechend bezeichnen. Der eher pompös anmutende dritte Vollbruder scheint eher den Nerv der Züchterschaft zu treffen oder einfach nur von omnipräsentem Sporteinsatz zu profitieren. Dennoch sprechen die Zahlen des Jahrbuches selbst altersbereinigt durchaus eher für den Zwerg.

Wenn man Chancenlosigkeit anführt muss man auch diejenigen seiner Söhne nennen, die sicher Chancen gehabt haben:
als da wären im Landgestüt zwei Söhne des Fidermark zu nennen, denen dort neben Fürst Piccolo mehr als nur ein kurzer Deckeinsatz beschieden war:
Feinsinn und Fiano.
Ersterer aufgrund seines hannoverschen Mutterstammes aus dem Hause van der Decken über Bolero und Grande für mich gedanklich stets eine wertvolle Alternative, züchterisch dennoch hinter den Erwartungen zurückbleibend, vielleicht auch ob der Tatsache, dass dieses alt-hannoversche Blut nicht unbedingt spektakulär und typverstärkend daher kommt oder gar frühreife Schaustrampler produziert. Ganz sicher kein "typischer" Fidermark. Dennoch ein grandioses Reitpferd. Gerade seine späteren Erfolge sprechen für sich. Der züchterische Durchbruch blieb ihm mangels Nutzung schlicht verwehrt.
Der auffälligere Fiano wurde "ob seiner vielseitigen Reiteigenschaften" in jungen Jahren sogar in Springpferdeprüfungen eingesetzt um... ja, um was eigentlich zu beweisen?
Dass Fidermark-Kinder eigentlich nicht wirklich springen können (merke: "Springpferd" ist anders!), es aber unter entsprechendem Deckenlogo dennoch zu Achtungserfolgen reicht? Ein wunderschöner Hengst, zweifelsohne, dem aber einfach das letzte Quentchen Go fehlt. Über Frühlingsball ähnlich gezogen wie meine eigenen Stuten, und ich habe seinen Werdegang nicht zuletzt deshalb stets akribisch verfolgt, ein ordentlicher Reitpferdemacher zweifelsohne aber der nachhaltige züchterische Durchbruch ist auch ihm bis heute verwehrt geblieben.
        Feinsinn unter Carolin van der Linde

                                                                                                                  
                                                                                                                                                Bewegungswunder Fürst Fabio
 

Zu Fidermarks wahrlich spektakulärsten Söhnen (um nicht zu sagen: der spektakulärste schlechthin...) gehört sicherlich Fürst Fabio Mv World Champ, einstiger leuchtendbunter Bundeschampion von selten gesehenem Bewegungspotential (der Vergleich zu Quaterback in jungen Jahren drängt sich auf), der den Boden eigentlich nur aus Gefälligkeit zu berühren schien. Genie und Wahn liegen mitunter etwas dicht beieinander, so wurde dieser Strahlemann alsbald entmannt und seinem weiteren Werdegang auf internationalem Parkett unter Dr.Cesar Parra kann man nur mit grösster Spannung entgegen blicken.
Ebenfalls spektakulär und vom Fleck weg mit reichlich Vorschußlorbeer bedacht ganz sicher Fidertanz, der seinem Vater im Hinblick auf natürliches Gummi tatsächlich sehr nahe kommt. Schwungvoll, kompakt und pompös, ein begehrter Fohlenmacher ganz sicher. Es bleibt abzuwarten inwieweit diese Fohlen als Sattelpferde den hohen Erwartungen gerecht werden. Gibt es einen Komperativ zu "kompakt"?   
Chancen, insbesondere im Hinblick auf das nötige Marketing, hatte ganz sicher auch For Compliment auf prominentester Station. Und doch stand er alsbald zum Verkauf. Ich erinnere mich, wie ich anlässlich einer der Hengstschauen in Vechta mit einer lieben Freundin von ausserordentlicher züchterischer Versiertheit auf der Tribüne sass und wieder einmal den spektakeligen Habitus dieses Braunen auf mich wirken liess.
"Gummi" ist anders. "Natürliches" Gummi ohnehin. So weit war ich in meiner Grübelei gekommen bis die besonnene Stimme neben mir sagte:
"Also irgendwie können mich diese Söhne des Fidermark alle nicht so recht begeistern. Vielleicht solltest du froh sein um deine beiden Stuten? Vielleicht ist Fidermark wirklich in erster Linie ein Stutenmacher gewesen?"       
Es knisterte und funkte in meinem Kopf und im selben Moment war mir klar:
Sie das sagen zu hören und zu wissen: Sie hat recht! war eins.  

                          Fidertanz by Manfred Mense


   
Stutenmacher Fidermark

Natürlich assoziiere ich die Vererbungsleistung der Töchter des Fidermark zu allererst mit meinem eigenen Stuten, Fabrice und Fannie Mae. Ich weiss zu schätzen was ich an diesen beiden in ihrer Typausprägung so grundverschiedenen Vollschwestern habe.
Ein begehrter Stutenmacher, ganz sicher.
Ich sehe die Nachzucht meiner beiden Fidermarktöchter, mittlerweile neun Fohlen in Anpaarung an verschiedenste Hengste, und so unterschiedlich sie auch sein mögen, ihre Grundqualität im Hinblick auf Abfussen, Durchschwung und Elastizität in der Breite ist kein Zufall. Und doch wird es eine Weile dauern bis die Jahrbücher und Zuchtschauen dieser Welt diese noch sehr junge Generation von Enkeln des Fidermark anschaulich und nachvollziehbar in ihren Annalen verewigen. Und genau damit sind wir bei dem Problem angelangt:

Die Anerkennung der Töchter des Fidermark in ihrer Breite nachzuvollziehen ist wahrlich kein leichtes Geschäft wenn man nicht selber bereits seit Ende der neunziger Jahre regelmässig auf rheinischen und westfälischen Stutenschauen präsent war. Schautitel aus dieser Zeit sind kaum noch nachvollziehbar, selbiges gilt für Stutenleistungsprüfungen.
Wo sind sie also, die 307 eingetragenen Töchter des Fidermark, und was ist aus ihrer Nachzucht geworden?

Zu den prominentesten Töchtern des Fidermark gehört zweifelsohne die aus einem der ersten Jahrgänge stammende Florin (Mv Worldchamp und gezogen beim Florestan-Züchter Schulte Böcker), die seinerzeit noch unter Michael Farwick auf dem Bundeschampionat im Finale der Reitpferde platziert war bevor sie dann in die Zucht ging. Florins Zuchtwert überzeugte auf Anhieb durch drei gekörte Söhne in Serie:
In Anpaarung an Don Bedo brachte sie die beiden gekörten Vollbrüder Dannemann und Dancing Dynamite, von denen mir in jungen Jahren gerade der noch sehr unreife - weil schlacksig und hochgewachsen - Dannemann besonders imponierte. Zurecht anlässlich des prestigeträchtigen "Westfalen Wappen" auf dem Turnier der Sieger vor dem Münsterschen Schloß seinerzeit hoch erfolgreich, verschwand er kurz darauf von der Bühne, dem Vernehmen nach ins Ausland verkauft. Vollbruder Dancing Dynamite, dem ich anfangs trotz seines Titels "Körsieger" nicht so recht etwas abgewinnen konnte, hat sich mittlerweile als Reitpferdemacher durchaus etabliert und brilliert inzwischen unter Christoph Koschel im grossen Viereck. Angesichts des ersten gemeinsamen und hocherfolgreichen Auftritts dieser beiden im St.Georg und Intermediare in der Halle Münsterland diesen Winter habe ich dann auch gern ruckzuck alle meine früheren Vorbehalte diesem Hengst gegenüber über Bord geworfen - dieser überaus kompakte und dynamische Brummer macht seinem Namen mittlerweile alle Ehre und verkörpert für mich exakt das, was ich mir unter Fidermarkschem Erbe vorstelle:
Dynamik und Elastizität, gegeben aus einem abgedrehten kompakten Exterieur.
Ich bin begeistert! 
Der 2002 geborene Showmaker von Show Star wurde vom Fleck weg als teures Auktionsfohlen erfolgreich bis zum Bundeschampionat gemanagt, das er dann auch ausgezeichnet mit der Bronzemedaille der Reitpferdehengste verließ, bevor er kurz darauf ebenfalls ins Ausland verschwand. 
Erst danach wurde es stiller um die Nachzucht der Florin, wenn auch noch weitere Fohlen registriert sind.
Ich habe mich manches Mal gefragt, was diese Stute wohl zu vererben in der Lage wäre, wenn sie vielleicht etwas weniger stationstreu angepaart würde - es wäre mir die grösste Freude auch künftig wieder vielversprechende Nachkommen dieser Stute im Rampenlicht erleben zu können.


                                            
Dancing Dynamite aus dem Hause Kampmann unter Steffi Wolf anlässlich der Privathengstschau in Verden im Januar 2014, als die beiden mit ihrer Grand Prix Kür die Halle wahrlich "rockten"! Mehr zu diesem bemerkesnwerten Auftritt gibt es hier zu lesen. Rechts im Bild Dancing im April 2014 in Gahlen - nobler geht nicht!

Zwei ganz exquisite Töchter des Fidermark finden sich unweit meiner eigenen Münsterlandpferde ganz in der Nähe in Steinfurt. Ein mir ganz besonders am
Herzen liegender Stutenstamm hannoverschen Ursprungs ist der dort im Hause Bockholt gepflegte Stamm der Bundessiegerstute von 1994, Bacarole von
Brentano II x Matcho. Unabhängig von der Qualität dieses Stammes an sich versteht sich meine Affinität zu einer Anpaarung von Brentano an Fidermark,
meine ganz persönlichen bevorzugten Blutlinien eben. Zweimal wurde Bacarole an Fidermark angepaart und man kann dem Hause Bockholt zu diesen Töchtern nur gratulieren:
1999 kam Fantastica zur Welt und trat alsbald in die Fußstapfen ihrer Mutter Bacarole:
3-jährig wurde Fantastica 2002 Siegerstute der westfälischen Eliteschau und kurz darauf wurde sie in Neustadt Dosse zur Bundes-Reservesiegerstute gekürt - für den Trab gab es damals eine glatte "10". Getreu dem Motto "die besten gehören in die Zucht" verkörpert Fantastica bis heute durch ihre Nachzucht das Erbe des Fidermark auf's allerfeinste. Bereits mit ihrer ersten Tochter Sunshine von Show Star gelang ihr ein Volltreffer, Sunshine wurde zur Staatsprämienstute gekürt, war siegreich in Reitpferde- und Dressurpferdeprügfungen und wurde 2008 Westfalenchampioness und Vizebundeschampioness.
Bis heute hat Fantastica sechs Fohlen gehabt, darunter in "Holiday" eine überaus gelungene Tochter des Hochadel, die sich noch heute im Besitz des Züchters befindet und bereits mit ihrer Stutenleistungsprüfung das Maß der Dinge definierte: 8,34 lautete die Note dieser Fidermarkenkelin, die derzeit tragend von Starnberg bereits die übernächste Reitpferdegeneration vervollkommnen heisst. Im Jahr 2009 hatte Fantastica ein Hengstfohlen von Sarkozy bei Fuß, das ob seiner überdurchschnittlichen Qualität sogleich in den Ankauf und die Aufzucht eines recht prominenten Hengsthalters fand. Aktuell erwartet Fantastica ein Fohlen von L'Espoir. Und während ich dies schreibe kann ich mir ein Schmunzeln doch nicht verkneifen:
zaubert mir bereits der Gedanke an eine Verbindung von Brentano an Fidermark ein Lächeln ins Gesicht, so ist es doch wahrlich verblüffend, dass unter hunderten und mehr zur Verfügung stehenden Hengsten der Gegenwart Familie Bockholt ausgerechnet Hochadel und Sarkozy als Partner für ihre Fantastica gewählt hat - Hengste, die ich beide in den letzten Jahren auch als Partner für meine Fabrice erwogen habe und deren Auswahl sich nun angesichts der qualitativen Passereffekte im Hause Bockholt an Fidermark an sich nun um so mehr aufdrängt...

                Holiday von Hochadel x Fidermark x Brentano II


Im Jahr 2004 wurde Bacarole dann zum zweiten Mal Mutter einer Tochter des Fidermark und es überrascht nicht, dass auch diese Tochter Fair Play dreijährig zur Elitestute gekürt wurde, ihre Stutenleistungsprüfung mit einer fulminanten 8,53 ablegte und siegreich auf der Westfalenwoche zum Bundeschampionat nominiert wurde um im September erfolgreich aus Warendorf in den heimatlichen Stall zurückzukehren. Bereits vierjährig hat Fair Play dann das Kunststück fertiggebracht drei Dressurpferdeprüfungen der Klasse L zu gewinnen und so überrascht es wenig, dass sie in 2009 fünfjährig erneut den Weg nach Warendorf zum Bundeschampionat fand. Zu diesem Zeitpunkt war sie bereits im sechsten Monat tragend von Lord Loxley und aktuell hat sie heute morgen ihr erstes Fohlen, ein Stutfohlen, zur Welt gebracht. Meine Glückwünsche gelten dem Haus Bockholt und dieser nächsten vielversprechenden Generation des Fidermark - besser kann man dieses züchterische Erbe eigentlich kaum pflegen!
                                                                                                            Fair Play von Fidermark x Brentano II
                                                                                

In Serien bestückte auch das Haus Baumann die westfälischen Eliteschauen mit Töchtern des Fidermark, meist war der Züchter sogar gleich mit zwei Töchtern des Fidermark auf der Eliteschau vertreten. Bereits im Jahr 2000 stellte Alfons Baumann mit der 1997 geborenen Felina aus dem zweiten Jahrgang von Fidermark seine erste "Fidermark-EliteStute". Inzwischen ist die sporterfolgreiche Felina unter Nathalie Habeth in Klasse S platziert.
Falbala und Felicia von Fidermark waren dann im Jahr 2004 Endringstuten auf der Eliteschau, Falbala wurde zur westfälischen Siegerstute gekürt.
2006 folgten Fidelia von Fidermark x Apart und Fantasie von Fidermark x Rosenkavalier (Vollschwester der Farewells), letztere stellte mit ihrem ersten Fohlen von Danone aktuell gleich einen gekörten Sohn, der nun unter dem Namen "Dankeschön" im Landgestüt wirkt.
2007 beherrschten dann die Fidermarktöchter Fabiana und Fergana die Eliteschau, die sich beide für den Endring qualifizierten und von denen Fergana schliesslich Siegerstute wurde. Zuvor hatten es beide Stuten auf ihrer Stutenleistungsprüfung geschafft, mit unterschiedlichen Einzelnoten die identische Gesamtnote von 8,54 zu erzielen, was zu einem noch nie dagewesenen Doppelsieg aller im Jahr 2007 in Westfalen geprüfter Warmblutstuten führte.
Fergana und Fabiana wurden später Titelpferde auf dem Auktionskatalog der westfälischen Herbstauktion 2007. Nachdem Fergana schon früh siegreich in Reitpferdeprüfungen war wurde im Sommer lediglich Fabiana zur Sichtung für das Bundeschampionat vorgestellt und machte kurz darauf als Bundeschampionatsfinalistin von sich reden. Künftig ist sie unter Martina Hannöver Sternberg im Sport unterwegs, mit der sie ein Jahr später ebenfalls für die 4-jährigen Reitpferde wieder zum Bundeschampionat nominiert wurde, verletzungsbedingt jedoch nicht starten konnte.
2007 sollte das letzte Jahr der Dominanz der Fidermarktöchter auf der Eliteschau werden, da der Hengst 2003 einging und 2004 folglich der letzte Jahrgang seiner direkten Nachkommen fiel - Zeit für die nächste Generation also, und die machte dann in 2009 von sich reden als o.g. Felicia von Fidermark ihr züchterisches Wirken erfolgreich unter Beweis stellte und mit ihrer ersten Tochter von Laudabilis gleich die nächste Elitestute lieferte... 
Anschaulicher als an den Stuten des Hauses Baumann kann man den fulminanten züchterischen Erfolg und Einfluss des Fidermark wohl kaum darstellen - und man darf mit Sicherheit davon ausgehen, dass diese Töchter des Fidermark aus der Baumannschen Zucht auch künftig noch mit ihrer Nachzucht von sich reden machen werden - es dauert eben eine Weile bis die Jahrbücher und Zuchtschauen dieser Welt diese noch sehr junge Generation von Enkeln des Fidermark anschaulich und nachvollziehbar in ihren Annalen verewigen.

Natürlich bin ich mir darüber im Klaren dass ich mit den oben genannten Stuten nur einen sehr unvollständigen und kleinen Kreis von Töchtern des Fidermarks abgreife, der noch dazu recht elitär ist. Aber die "Elitequalitäten" seiner Töchter herauszustellen ist Sinn und Zweck dieser meiner Darstellung:
Aus der im Vergleich zu anderen Königen der künstlichen Besamung recht überschaubaren Anzahl seiner Bedeckungen hat dieser Hengst bis heute tatsächlich gewaltiges auf die Beine gestellt - und die von mir fokussierte "zweite" Generation (die Kinder seiner Töchter, deren Mütter sich ja durch die Qualitäten ihrer Nachzucht erst beweisen müssen) betritt gerade erst die Bühne von Zucht und Sport. Vor diesem Hintergrund und der Tatsache, dass Stuten als Multiplikatoren grundsätzlich sehr viel schwerer greifbar und nachvollziehbar darstellbar sind als Hengste, sind die Erfolge seiner noch sehr jungen Enkel in jedem Falle bereits ein aussagekräftiger Beweis der wertvollen Multiplikatorenfunktion seiner Töchter. Und ich bin sicher, die nächsten Jahre werden meine These "Stutenmacher Fidermark" noch sehr deutlich untermauern. Und es sollte mir die grösste Freude sein, wenn meine eigenen beiden Fidermarktöchter das ihre zur Wahrung des wertvollen Erbes dieses grossartigen und viel zu früh abgetretenen Hengstes beitragen können.     

Münster, im Februar 2010

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Das sportliche Erbe des Fidermark - Halle Münsterland K&K Cup im Januar 2014 

Geplant war sie nicht, diese Bestandsaufnahme des sportlichen Fidermark-Einfluss auf dem traditionsreichen Turnier in der Halle Münsterland, alljährlich das erste grosse Turnier von Renommée im neuen Jahr und direkt vor der Haustür gelegen.
Ebensowenig hatte ich geplant von Mittwoch bis Sonntag in der Halle Münsterland vor Ort zu sein.
Doch meist kommt es anders als man denkt und so drängt sie sich förmlich auf, diese Bestandsaufnahme des unerwarteten Fidermarkeinfluss, der in dieser Woche am Dressurviereck Tag für Tag offenbar war.

Schlagzeilen machte Fidermark zunächst im Nachwuchssport auf allerhöchstem Niveau. Im prestigeträchtigen „Preis der Zukunft“ stellte er mit seinen Kindern Flick-Flack (von Fidermark x Patron) und Fairplay (von Fidermark x Brentano II) den Sieger und die Drittplatzierte. Zugelassen waren Paare mit entsprechenden Vorjahreserfolgen bei Europa- oder Deutschen Meisterschaften der Junioren und Jungen Reiter.

Die FN Press titelt:
Münster (fn-press). Ganz stark in die neue Saison der Jungen Dressurreiter sind Juliette Piotrowski (Kaarst) und Flick-Flack gestartet. Mit 72,807 Prozent verwies das Paar im Preis der Zukunft Florine Kienbaum (Lohmar) mit Good Morning auf Rang zwei (71,053 Prozent). Somit legten die beiden Rheinländerinnen, die 2013 bei den Europameisterschaften gemeinsam im Silber-Team ritten, beim Münsteraner Hallenturnier schon mal die Messlatte hoch. Dritte wurde Bianca Nowag (Ostbevern), die mit ihrer Stute Fairplay im Vorjahr bereits DJM-Bronze gewann (70,921 Prozent). ....“
„Mit dem 17-jährigen Fidermark-Sohn Flick-Flack hat die diesjährige Siegerin im Preis der Zukunft ein sehr erfahrenes Pferd unter dem Sattel. Und das spielten die beiden im Finale souverän aus“, kommentierte der Bundestrainer der Junioren und Jungen Reiter, Hans-Heinrich Meyer zu Strohen. … Den dritten Platz in der Einlaufprüfung verteidigte Bianca Nowag mit ihrer zehnjährigen Stute Stute Fair Play v. Fidermark auch im Finale. Dabei wäre durchaus noch mehr drin gewesen als die 70,921 Prozent. ….


Bemerkenswert in diesem Zusammenhang ist die „Dichte“ der international erfolgreichen Fidermarkkinder gerade im Lager der Junioren und Jungen Reiter. So dominierten während des CDI in Stuttgart im November 2013 neben Sanneke Rothenberger und ihrem bereits olympisch erfolgreichen Favorit (von Fidermark x Worldchamp) Nadine Husenbeth und Florida (von Fidermark x Grosso Z) den Piaff Förderpreis auf Grand Prix Niveau.

                                                                                      

Während es sich bei Fair Play aus dem Hause Bockholt und Favorit aus dem Stamm des Florestanzüchters Schulte-Böcker um alte Bekannte in typischer Fidermarkaufmachung handelt, nahm ich Florida und Flick-Flack in diesem Winter erstmals bewusst als sehr erfolgreiche Kinder ihres Vaters wahr.

Weiter ging es in der Halle Münsterland auf hohem Niveau mit dem 12-jährigen First Step (von Fidermark x Dream of Heidelberg) unter Jutta Zimmermann im Grand Prix und der Grand Prix Kür. Der grossrahmige hellbraune First Step erinnert in seiner Aufmachung zunächst wenig an Fidermark, setzt er sich allerdings in Bewegung erkennt man Vater’s Sohn durchaus.
Zwei weitere Male war Fidermark im Grand Prix als Muttervater vertreten und in beiden Fällen lohnte das Hingucken!

Publikumsliebling Uta Gräf eroberte die Herzen der Zuschauer einmal mehr auf dem schwarzbraunen Lawrence von Fidermark x Laomedon. Verdient rangierten diese beiden auf Platz zwei der Grand Prix Kür. Angesichts Lawrence’ rieb ich mir allerdings die Augen. Dieser schwarzbraune Leichtfuss ist eine echte Rarität, verkörpert er doch das seltene Erbe seines Muttervaters Laomedon wie keine Zweiter. Der Lauries Crusador xx Sohn Laomedon hatte als Landbeschäler in Warendorf nur wenig Chancen. Postuliert als Veredler wurde der eher puppig kompakt daherkommende Hengst seinerzeit nicht wirklich ernstgenommen.
Mir gefiel er und ich postulierte ihn stets wohlwollend als eine Art „schwarzbrauner Fidermark, propper, handlich und kompakt“ – ganz und gar unabhängig von seinem Papier übrigens. Mit Fidermark hat der schwarzbraune Charmeur nämlich ausser dem Habitus und seiner verblüffend ähnlichen Silouhette tatsächlich nichts gemein. Gegen seinen weltmeisterlichen Halbbruder Laurentianer, der rein optisch weit mehr den Anspruch an einen Halbblutsohn des Lauries Crusador erfüllte, hatte Laomedon bei den Züchtern keine Chance.
Erst später bewiesen die wenigen Kinder des Laomedon in ihrer meist hochmodernen sportlichen Aufmachung und linienbetonten Nobless, dass dieser Hengst im Hinblick auf Vollbluteinfluss und Veredlungskomponente zweifelsohne der wertvollere und geeignetere der beiden Lauries-Söhne in Warendorfer Diensten war.
Wie das eben so ist:
Phenotyp und Genotyp haben mitunter nur wenig gemeinsam. Ganz besonders wenn Vollbluteinfluss im Spiel ist.
Heute erinnert nur noch Steffen Peters' international erfolgreicher Legolas an das spärliche Wirken seines Vaters Laomedon in Warendorf.
Uta Gräf’s Lawrence ist ein erkennbarer Enkel des Laomedon in jeder Hinsicht.

Der zweite Muttervatereinfluss des Fidermark fand sich in beeindruckender Form unter dem Sattel von Heiner Schiergen im Kurz Grand Prix. Die schwarzbraune Leia (von Lebenskünstler x Fidermark) ist ein kraftvoller Hingucker, den man sicher nicht auf den ersten Blick mit Fidermark assoziiert. Ihre auffällige Elastizität und Dynamik allerdings sprechen für sich und da dürfte Muttervater Fidermark reichlich dazugetan haben.

Last but not least stand am Sonntag das LVM Youngster Championat auf dem Programm und hier gab es ein Wiedersehen mit dem ehemaligen Elite Auktionspferd  Solo-Io (von Scolari x Fidermark), die ich bereits als Fohlen einmal beim Züchter gesehen hatte. In hellbrauner Jacke verkörpert Solo-Io eine ansprechende Symbiose aus Scolarie und Fidermark und auch hier man erkennt den Grossvater im Ablauf deutlich:
die schmissige Galoppade ist vielen Nachkommen des Fidermark zu eigen.

So kam es also, dass dieser K&K Cup in der Halle Münsterland mir noch elf Jahre nach Fidermarks Tod gänzlich unerwartet eine sehr begrüssenswerte Bestandsaufnahme des sportlichen Erbes dieses grossartigen Hengstes beschert hat. Die grosse Vielfalt seiner Nachkommen hier in Münster und ihre dennoch sichtbaren Gemeinsamkeiten haben mich daher überhaupt erst zu diesem ungeplanten weiteren Kapitel zum sportlichen Erbe Fidermarks inspiriert.
Schön, dass dieses Erbe auch elf Jahre später noch immer auf hohem Niveau erfolgreich und präsent ist!   

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Muttervater Fidermark und der teuerste Siegerhengst aller Zeiten

Das waren spannende Körtage in Münster Handorf diese Woche und ein würdiger Sieger dazu!
Märchenhafte 710.000 Euro erzielte der Westfälische Siegerhengst von Boston x Fidermark und tatsächlich ist der Muttervater Fidermark auch das einzig westfälische an diesem Traumpferd. Doch dazu später mehr.

Der hochnoble Siegerhengst weckte reichlich Begehrlichkeiten, dem Vernehmen nach hatten die Interessenten bereits lange im Vorfeld Schlange gestanden um diesen spektakulären Junghengst in Augenschein zu nehmen. Man glaubt es gern.
Als ich ihn erstmals zur Vorauswahl zu Gesicht bekam war es ausgerechnet der springbetonte Mutterstamm, der mir als erstes auffiel. Mit Coriograf B assoziiert man sofort Koschel's Rostropowitsch, und so sollte es dann auch sein:

In Süddeutschland gezogen ist dieser Stamm in Westfalen nicht unbekannt. Die Grossmutter Wildcandela von Coriograf B x Landadel brachte in Anpaarung mit Rockwell vor zwölf Jahren eben diesen Rostropowitsch, der unter Christoph Koschel international erfolgreich im Viereck unterwegs ist.
Ihre Tochter Wildfee von Fidermark wurde dann in Anpaarung mit Boston Mutter dieses strahlenden Siegerhengstes 2014, der im Sommer 2012 bereits das Fohlenchampionat in Lienen bereicherte und dort zum Endring gehörte.
Bereits die Urgrossmutter von Landadel ist ein Spross der glücklichen Züchterfamilie, die seit Generationen konsequent nur mit diesem einen Stamm züchtet.

Spektakulär an diesem strahlenden Junghengst ist neben dem höchsten Auktionspreis in der Geschichte Westfalens gleich zweierlei:

1. das teuerste Pferd in der Geschichte Westfalens ist ein Fuchs.
2. gezogen aus einem holsteinisch geprägten Mutterstamm und mit einem niederländischen Vater gesegnet ist das einzig westfälische an diesem Strahlemann tatsächlich Muttervater Fidermark.

Man muss kein Experte sein, um Wildfee sogleich als typische Tochter des Fidermark zu erkennen. Und ganz offensichtlich sieht sie nicht nur so aus wie ihr Vater, sie vererbt sich auch entsprechend. Stutenmacher Fidermark - als ich diese Zeilen vor Jahren an dieser Stelle formulierte stand der Beweis dieser These noch aus. Heute kann man Fidermark mit Fug und Recht als Stutenmacher bezeichnen und als einen sehr begehrlichen dazu. Ich staune selber immer wieder, wie oft ich angesprochen werde auf der Suche nach Töchtern des Fidermark oder auf der Suche nach Fohlen aus Töchtern des Fidermark.
Im aktuellen Körkatalog taucht Fidermark gleich dreimal auf der Mutterseite unter 40 Dressurhengsten auf. Nicht schlecht für einen Hengst, der seit elf Jahren tot ist und aufgrund seiner Samenqualität keine dreistelligen Fohlenjahrgänge produziert hat.

                                                                                
                                                                                                                                                        Siegerfamilie: Wildfee von Fidermark und ihre Töchter

Ihre Stutenqualität stellte die Mutter des Siegerhengstes in diesem Sommer dann auch anschaulich auf dem Fohlenchampionat in Erding unter Beweis. Erstmals war hier ein Familienwettbewerb ausgeschrieben, wie man ihn eigentlich nur von hannoverschen Stutenschauen kennt. Eine Familie besteht entweder aus Mutter, Tochter und Enkel oder einer Mutter mit mindestens zwei Töchtern oder mindestens drei Töchtern einer Stute.
Ganze sieben Stutenfamilien machten sich auf den Weg, ein so hohes Teilnehmerfeld, wie man es von Schauen aus dem Norden gar nicht mehr kennt. Und es sollte die Schau der Fidermarktochter werden. Überlegen gewann Wildfee den Familienwettbewerb mit ihren beiden Töchtern Wild Shakira und Wild Dacota von Sir Donnerhall und Destano. Alle drei Stuten überzeugten "durch Typ und schwungvollen Bewegungsablauf".
Nebenbei wurde Wildfee's Stutfohlen von Ganymedes in diesem Sommer mit einer 9,0 und der Silberschleife ausgezeichnet während eine Halbschwester der Wildfee von Escolar x Coriograf B mit 9,3 zum Siegerfohlen gekürt wurde.
Der Zuchtgemeinschaft Katja und Johann Schmid kann man nur auf's herzlichste gratulieren zu diesen grossartigen Erfolgen ihrer Stutenfamilie!

Man darf gespannt sein auf den künftigen Werdegang des strahlenden Siegerhengstes, der seine Box auf dem Klosterhof Medingen gleich neben dem Stempelhengst De Niro bezogen hat. Ganz zufällig ist die Assoziation des Klosterhofes zu Fidermark nicht. Burkhard Wahler pflegt eine ausgeprägte Vorliebe für das Erbe des Fidermark und stellte mit Fidertanz lange Jahre den noch immer populärsten Sohn des Fidermark und stets zahlreiche Enkel des Fidermark auf seiner Station. Aktuell sind dies Flanell und Feuerspiel. Immer auf der Suche nach "aktuellem" Fidermarkblut stellt der Klosterhof in diesem Jahr mit Flagranti sogar einen lange Jahre verschollenen direkten Sohn des Fidermark auf. Nun bereichert mit dem aktuellen westfälischen Siegerhengst also ein spektakulärer Enkel des Fidermark die Station.      

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Muttervater Fidermark und der Shooting-Star des Jahres: Victoria's Secret!

Alljährlich zum Jahresende bemüht man sich um Jahresrückblicke und sucht nach Höhepunkten, die das Jahr geprägt haben. Im Hinblick auf das Erbe des Fidermark drängt der Höhepunkt in diesem Jahr sich geradezu auf:
Kein anderes Jungpferd beherrschte die Szene in diesem Sommer so sehr wie Victoria's Secret. Die auffällige Stute machte bereits im letzten Jahr Schlagzeilen als sie vierjährig unter dem Sattel von Bea Buchwald sehr verdient das Bundeschampionat der Reitpferde gewann. In diesem Sommer folgte dann ein wahrer Presserummel, als Victoria's Secret zunächst spektakulär die Weltmeisterschaften der jungen Dressurpferde in Ermelo gewann und kurz darauf nicht weniger spektakulär der Verkauf an Andreas Helgstrand bekannt wurde.

Vor wenigen Wochen war Victoria’s Secret mit Beatrice Buchwald in Ermelo im Sattel Weltmeisterin der jungen Dressurpferde geworden. Schon damals sagte Buchwald, es lägen Angebote für die Stute vor. Die waren wohl so unwiderstehlich, dass ihr bis dato-Besitzer Matthias Fieseler von der Rhenania Pferde GmbH nicht Nein sagen konnte.

"Er habe gekämpft, dieses einzigartige Pferd zu bekommen, das sie bei den Weltmeisterschaften der jungen Dressurpferde in Ermelo gesehen hatten.", so wird Andreas Helgstrand zitiert, und man darf davon ausgehen, dass es sich um einen einzigartigen monetären Kampf gehandelt hat.
Kurz darauf war dann bereits vom erneuten Weiterverkauf zu lesen: "Erst vor wenigen Wochen wurde die fünfjährige Dressurpferde-Weltmeisterin Victoria’s Secret nach Dänemark in den Stall Helgstrand verkauft. Nun wird sie das Zukunftspferd von Olympiareiterin Anna Kasprzak."
Ende September bestritt Victoria’s Secret die dänischen Meisterschaften der jungen Dressurpferde und gewann auch diesen Titel mit Weile:
9,86 lautete die Traumnote, mit der die Wunderstute die Schlagzeilen in diesem Jahr letztmalig dominierte und man darf auf den weiteren sportlichen Werdegang gespannt sein.

Während die Weltmeisterschaften der jungen Dressurpferde in diesem Jahr erstmals seit 1999 wieder in den Niederlanden stattfanden, befand ich mich in den USA und nahm die Berichterstattung im sonnigen Kalifornien gleichsam "dual" wahr: deutsch und amerikanisch.
Und alle, die internationale wie auch die deutsche Presse, überschlugen sich geradezu mit Superlativen angesichts dieses aussergewöhnlichen Pferdes. Hollywood im Rheinland, den Eindruck konnte man durchaus gewinnen. Noch rückblickend lesen sich die Berichte der Online-Portale geradezu märchenhaft:

... Schon als die imposante Rheinländer Stute von 1,80 Meter Stockmaß vor Beginn der Aufgabe ums Viereck trabte, schien sie zu sagen: Ich bin die Weltmeisterin! Victoria’s Secret v. Vitalis-Fidermark aus der Zucht von Walther Schulte-Böcker und im Besitz der Rhenania Pferde GmbH war unter ihrer ständigen Reiterin Beatrice Buchwald letztes Pferd der Prüfung. Man konnte Richterin und Kommentatorin Isobel Wessels aus Großbritannien verstehen, die ein ums andere Mal im Anschluss an die Ritte wiederholte: „What a super super horse!“ Davon gab es in der Tat einige heute. Aber eines wie Voctoria’s Secret war nicht dabei. Die Stute ist eine Ausnahmeerscheinung. Kraftvoll und doch federleicht begann sie den ersten Teil der Aufgabe im Trab. In den Verstärkungen schien Victoria’s Secret sich die Flügel der zweibeinigen Laufstegschönheiten geborgt zu haben, die das gleichnamige Label zur Schau tragen. ...

                                                                    

   
Gezogen aus einer Tochter des Fidermark im Hause Schulte-Böcker, der Heimat des Fidermark als dieser noch im Rheinland stationiert war, verkörpert Victoria's Secret in Habitus und Silouhette durch und durch ihren Vater Vitalis. Gleichwohl, sie gehört zu den wenigen Kindern des Vitalis, die sich als komplettes Pferd auch durch einen sehr guten weil geregelten Schritt auszeichnen und das macht sie zu einer Königin unter ihresgleichen.

Ich erinnere mich noch gut an einen der ersten öffentlichen Auftritte von Bea und Victoria’s Secret im Sommer 2015, als die beiden auf dem Krüsterhof die Reitpferdeprüfung überlegen für sich entschieden. Ich war beeindruckt von diesem bemerkenswerten Pferd und als ich Bea gratulierte fragte sie mich:
"Wäre das nicht auch eine Idee für deine Fidermarkstuten? Vitalis?", und ich freute mich über ihr Interesse. Bea kennt meine Passion für die Pferdezucht.
Meine Antwort war ein entschiedenes "Nein", gefolgt von der Erklärung, dass man Vitaliskinder besser kaufen als züchten könne. Etwas verblüfft fragte Bea, wie ich das denn wohl meinte?
Als typischer Vertreter der Linie des Jazz gehört Vitalis über seinen Vater Vivaldi zu den Hengsten, die sich durch auffällige Vorderbeinmechanik auszeichnen. Nicht ohne Grund steht diese Linie beispielhaft für die spektakuläre holländische Dressurgenetik, die derzeit das Zuchtgeschehen beherrscht. Derartige Mechanik korreliert negativ mit einem geregelten Schritt durch den Körper, das haben deutsche Züchtern bereits an Sandro Hit erfahren dürfen. Selbstverständlich gibt es immer Ausnahmen, die die Regel bestätigen und Victoria’s Secret ist ganz sicher so eine Ausnahme - ein komplettes Pferd durch und durch.
Als Züchter jedoch weiss man erst nach drei oder vier Jahren, ob die begehrliche Nachzucht im Fohlenalter als gereiftes Pferd unter dem Sattel einen prüfungstauglichen und sicheren Schritt geht. Vier Jahre Aufzucht in der Hoffnug, man habe eine regelbestätigende Ausnahme gezogen und dann die Erkenntnis, ein Pferd mit nur zwei Grundgangarten gezüchtet zu haben, dieses Risiko ist mir einfach zu gross. 

Und wenn Victoria’s Secret auch sonst auf den ersten Blick nicht viel von Fidermark verkörpert, ihren sicheren Schritt verdankt sie ganz sicher ihrem Grossvater.
Ihre Mutter Wonne ist eine der zahlreichen Fidermarktöchter aus dem Hause Schulte Böcker, die Worldchamp zum Muttervater haben. Grossmutter Wonne von Worldchamp ist auch Mutter der Florin von Fidermark, der ich bereits vor vielen Jahren auf dieser Seite ein eigenes Kapitel gewidmet habe.
Worldchamp hat sich nicht unbedingt als Leistungsvererber hervorgetan, gleichwohl, schlauer ist man immer erst hinterher. Der Hengst fand seinerzeit im Rheinland starke Verbreitung, zeichnete die Station Schulte Böcker sich doch als Ursprungstätte des Florestan aus und genoss einen guten Ruf. Zahlreiche schauprämierte Stuten und gekörte Hengste hat diese Stutenfamilie hervorgebracht, darunter auch Dancing Dynamite a.d. Florin (s.o.).
Victoria's Secret jedoch dürfte einzigartig sein und das verdankt sie zweifelsohne zu einem grossen Teil ihrem Vater Vitalis - Ehre wem Ehre gebührt!


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Muttervater Fidermark


31.10.2015

Der diesjährige Neuzugang auf dem Krüsterhof ist der rheinisch gebrannte Arango, ein Sohn des Apache gezogen aus der Vollschwester des Fürst Piccolo.
Drei Reitpferdeprüfungen hat der Hengst in diesem Jahr absolviert, alle drei Prüfungen hat er mit Weile gewonnen.
Ein komplettes Pferd, das Dank eines hervorragenden Interieurs auch über eine vorzüglichen Schritt verfügt!

                                                   


                                                       


Ebenso auf dem Krüsterhof zu Hause ist Elton John, der wie Arango aus einer Mutter des Fidermark gezogen ist und über seinen Vater Jazz ebenso zur Hälfte holländisches Blut führt. Anlässlich unseres herbstlichen Fotoshootings sah Elton John gern zu und genoss dabei die Sonne. Elton John war fünfjährig Finalist im Pavo Cup und vertrat als einziger in Deutschland gekörter Hengst die Niederlande bei der Weltmeisterschaft der Jungen Dressurpferde in Verden. Zum ausführlichen Feature von Elton John geht es hier entlang. 

                                                 


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2.12.2016

... und immer wieder Fidermark!
Alljährlich im November veröffentlicht die World Breeding Federation for Sport Horses WBFSH die Rangierungslisten der erfolgreichsten Sportpferde, Deckhengste und Zuchtgebiete. Üblicherweise schenke ich diesen Rankings wenig Beachtung weil sie von geringer züchterischer Aussagekraft im Hinblick auf individuelle Vererbung sind. Vieldecker sind klar im Vorteil, denn Klasse rekrutiert sich naturgemäss aus unterliegender Masse der Bedeckungszahlen. Die unterliegenden Bedeckungszahlen der rangierten Hengste bleiben jedoch, wie in fast allen Statistiken, auch hier vollkommen unberücksichtigt.
Etwas anders sieht das bei den Studbook Rankings aus, wenn man nicht deren relative Rangierung untereinander sondern allein die individuellen Pferde, die zur Rangierung beitragen, berücksichtigt. Hier glaubte ich zunächst an einen Druckfehler, als ich im aktuellen Hannoveraner die Auflistung der erfolgreichsten Pferde des Rheinländer Verbandes las:
Fidermark im Triple, und mit Rosamunde ist er an prominenter erster Stelle darüberhinaus auch als Muttervater vertreten:

7 Rheinisches Pferdestammbuch e.V. (RHEIN) 10467 24 ROSAMUNDE 103MZ45 ROCK FOREVER x FIDERMARK 2102
                                                                                   45 RUBICON D 103CO27 RUBIN-ROYAL 1885
                                                                                   86 RATZINGER 103LG12 RICARDOS 1706
                                                                                 104 FLORIDA 94 102PT28 FIDERMARK I 1653
                                                                                 109 VOM FEINSTEN 104FQ77 FIDERMARK 1626
                                                                                 155 FOR COMPLIMENT 103CT22 FIDERMARK I 1495
Quelle: WBFSH Rankings

Kein anderer Hengst ist in dieser Anzahl mit direkten Nachkommen an der Spitze der führenden Studbook Rankings vertreten.
Allein De Niro bringt es verbandsübergreifend auf vier Nachkommen in Hannover (Desperados FRH und D'Agostino FRH), KWPN (Glock's Voice) und Westfalen (Delgado). Eine bemerkenswerte Erkenntnis vor dem Hintergrund, dass die prominentesten Väter der Erfolge seinerzeit bereits alle im regen Frischsamenversand gut diversifiziert und europaweit zum Einsatz kamen (De Niro, Don Schufro, Gribaldi und natürlich Sandro Hit), während Fidermark zwar auch versamt und verschickt wurde, der Samen aber qualitätsbedingt mit eher bescheidenem Erfolg überregional "fruchtete". Der Grund, weshalb sich Fidermarknachzucht fast ausschliesslich rheinisch und westfälisch rekrutiert.


Gut, dass ich mich damals auf der Suche nach einem qualitätsvollen Stutfohlen auf den weiten Weg von Frankfurt bis ins äusserste Rheinland nach Heinsberg begeben habe ...


20.9.2017

Fidermarkstellt Dressurchampion aus dem Eis!

Olympiasiegerin Charlotte Dujardin dominierte die britischen Dressurmeisterschaften Mitte September in Stoneleigh, UK. Das ist an sich keine Überraschung. Überraschend jedoch ist die Abstammung des Pferdes, mit dem sie die britischen Meisterschaften gewann:
Mount St John Freestyle von Fidermark!

                                                                 

Der Prix St.George, Intermediaire-I und die Inter-I Kür wurden mit  78, 79 und 81,5 Prozent zur fetten Beute für Charlotte und die achtjährige Fidermarktochter.
Achtjährig?

Ich war mir nicht sicher, ob hier nicht ein Fehler in der Abstammung oder Recherche vorlag. Fidermark ist 2003 verstorben, die letzten Tiefgefrierreserven hat das Landgestüt dem Vernehmen nach kurz darauf komplett auf den Markt gebracht. Ich wandt mich also direkt an das Gestüt Mount St John mit einer entsprechenden Anfrage und erhielt spontan eine freundliche und ergiebige Antwort:

Dear Sabine,
 
Thank you for your enquiry in regards to our very special mare Freestyle, We appreciate your interest and can tell you that Freestyle is indeed a direct daughter of the stallion Fidermark. The error which was on the webpage in the 'Breeding Mares' section has since been corrected. We are very pleased with our Fidermark mares including the newly acquired First Lady (Fidermark x Royal Angelo I) who is the dam of Stefan Peters GP mare Rosamunde. ...

In der Tat wurde Freestyle aus dem Eis aus einer Mutter von Donnerhall gezeugt und als eine der wenigen hannoversch gebrannten Fidermarknachkommen 2008 auf der Fohlenauktion in Verden von Mount St John erworben. Das britische Vorzeigegestüt in Besitz von Emma Blundell erfreut sich mittlerweile einiger aus Enbryonentransfer gezeugter Nachkommen von Freestyle und hat aktuell auch First Lady von Fidermark erworben, Mutter von Steffen Peters Grand Prix Pferd Rosamunde.
Freestyle selber ist bereits seit drei Jahren unter dem Sattel von Charlotte Dujardin, die seither die britische Dressurszene mit der Stute aufmischt. Unter dem Sattel von Charlotte hat Freestyle bereits alle relevanten Jungpferdetitel auf der Insel gewonnen. Die Fidermarktochter gilt nun als Hoffnungsträger und potentielle Nachfolgerin von keinem geringeren als Charlotte's Olympiapferd Valegro, der in den letzten Jahren selbst die Rekordergebnisse eines Totilas im internationalen Dressursport übertroffen hat (Olympische Spiele Rio 2016 Einzelgold mit 93,857 Prozent). 

The eight-year-old mare by Fidermark is building up an impressive reputation at the advanced levels and looks set for international success when she makes her Grand Prix debut in 2018. ‘I’m really happy,’ Charlotte said about her win with Freestyle, ‘She’s completely amazing to ride and she just has everything ready to go. It’s just a matter now of keeping her on track as she’s still only eight.’ Quelle: Eurodressage

Mit grosser Spannung darf man also dem Grand Prix Debut dieser letzten Fidermarktochter im kommenden Jahr 2018 entgegensehen und es sollte mich freuen, wenn Freestyle und Charlotte international durchstarten. Eine bessere Werbung für meine Fidermarktöchter und deren Nachkommen kann ich mir kaum vorstellen.



  


 

 
   

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