warum Don Schufro?

                                                                               

                                                                      Don Schufro von Donnerhall x Pik Bube x Unkenruf


Ganze sieben Jahre hintereinander führte Don Schufro die Zuchtwertschätzung Dressur an - dieses Kunststück dürfte vor ihm noch kein anderer Hengst fertig gebracht haben und ich wage die Behauptung, wir werden soetwas auch in der Zukunft nicht mehr erleben. Erst die letzten beiden Jahre fiel er auf den zweiten und dritten Rang zurück, verzeihlich, wenn man weiss wie man eine solche Statistik zu lesen hat:
Die relative Aussagekraft der Zuchtwertschätzung steigt mit der Nachkommendichte und deren Alter und Erfolgen gerade auf höherem Niveau. Der Verdrängungswettbewerb durch jüngere Hengste mit Rekord-Indexwerten ist durchaus respektabel, relativiert sich jedoch schnell wenn man deren geringere und vor allem jüngere Nachkommendichte und die Qualität ihrer Erfolge berücksichtigt. Um die Qualität der Indexwerte nachhaltig von Aufbauprüfungen in aussagekräftige Werte durch Nachkommen bis S aufzuwerten muss so ein Hengst nunmal erst einige Jahre alt werden und konstant erfolgreiche Nachkommen aufweisen. Eine solche Nachhaltigkeit in der Breite müssen dann auch die Breitlings und Sir Donnerhalls dieser Welt erst über Jahre mit Werten wie diesen noch beweisen: 
Don Schufro rangiert in der Statistik stets mit Werten im hohen 170er und 180er Bereich, die Sicherheitswerte hierbei steigerten sich stetig auf über 90%. Das allein weist diesen Hengst als bewährten Vererber aus und im Sinne der Statistik ist er mit seinen sieben Jahren Pole Position wohl der bewährteste aller Dressurpferdevererber, den die Welt je gesehen hat.
Seine 155 in Deutschland sportaktiven Nachkommen lesen sich recht bescheiden, zurückzuführen ist dies wohl auf die eingeschränkte Verfügbarkeit des Hengstes in der Zucht, der seinen Abschied aus dem aktiven Sport erst nach den olympischen Spielen in Hong Kong im Jahr 2008 nahm, und nicht zuletzt sicher auch durch die stolze Decktaxe über all die Jahre, die in Verbindung mit der eingeschränkten Verfügbarkeit manch einen deutschen Züchter sicher davon abgehalten hat diesen in Dänemark beheimateten Heroen denn doch einmal zu nutzen -  mir ging es ja nicht anders. Doch dazu später mehr.
Dennoch verfügt er über 9 in Deutschland S erfolgreiche Nachkommen, die für eine Quote von annähernd 6% zeichnen - und damit zeichnet er sich unter den Dressurvererbern auch in der aktuellen FN Statistik als einer der Besten aus.
Der Vollständigkeit halber seien hier noch seine 102 registrierten Töchter in der deutschen Zucht und 12 gekörte Söhne in deutschen Zuchtbüchern genannt. Ebenso recht überschaubare Zahlen für einen Hengst dieser Güte und keiner seiner gekörten Söhne hat mich bislang wirklich beeindruckt. Einen gab es jedoch im letzten Winter, der anlässlich der hannoverschen Körung in Verden im Sturm mein Herz erobert hat:
Dannebrog von Don Schufro aus einer Mutter von Brentano II, aus der Zucht von Dorthe Jeppesen in Dänemark. Der weitere Mutterstamm des Dannebrog gründet auf die leistungsstarke Trakehner Stutenfamilie der Kassette. Mit der Zucht von Dorthe Jeppesen verbindet mich in der Tat eine gewisse Affinität:
So züchtet sie erfolgreich mit einer Tochter aus dem Stamm des Fidermark, die an anderer Stelle auf dieser Seite bereits Erwähnung gefunden hat, und die (ebenso wie meine Fabrice) derzeit tragend ist von Belissimo.
Ebenso pflegt sie ihren Faible für Brentano II, den ich selber ja auch ausserordentlich wertschätze, und wie man sieht:
sie ist höchst erfolgreich damit!
Als Dannebrog in Verden durch die Halle trabte hat er mich ob seines Auftretens sofort zu begeistern gewusst. Dannebrog vereint den charmant herben Habitus und das Äussere beider seiner Väter aufs Trefflichste. Ein kleiner grosser Hengst auf solidestem Fundament von reellster Schubkraft (die sich hoffentlich einmal in ebensolche Tragkraft umsetzen lässt) - so müssen sie daherkommen! Nebenbei mit der richtigen Farbe gesegnet (Dunkelfuchs) und alles andere als ein Schaupüppchen. Mit grosser Freude habe ich daher zur Kenntnis genommen, dass dieser sympathische Strahlemann altbewährtester Anpaarung und frei von kurzlebigem Modeblut ausgerechnet im Hannoverschen Landgestüt Celle zum Einsatz kommen wird. Bleibt die Hoffnung, zukünftig in ihm einen würdigen Vertreter seiner Väter zu finden. 
Dannebrog fügte sich also im letzten Winter als ein weiteres Mosaik zu meinem Bild von Don Schufro.
Was war es also, das mich letztendlich in der Summe bewogen hat Don Schufro in diesem Jahr an meinen bunten Vogel Fannie Mae anzupaaren?
  
Die Intuition zu Don Schufro in Anpaarung an meinen bunten Vogel Fannie Mae kam mir tatsächlich erst während der olympischen Spiele in Hong Kong 2008, als dieser charmant herbe Dunkelfuchs für das dänische Team via Livestream omnipräsent zu sein schien - so jedenfalls kam es mir vor als ich vor dem Bildschirm klebte um bloss nichts von den Lifeübertragungen zu verpassen. Die Szene, als Don Schufro aus dem Container stieg und gut verpackt aber dennoch leicht zu erkennen über das Rollfeld zum Transporter stiefelte ist mir noch gut in Erinnerung. Und plötzlich machte es "klick" und die Vision meiner Fannie schob sich neben diesen Stempelhengst aus allerbester Familie - zwei fuchsbunte Vögel quasi, mitten auf dem fernen Rollfeld...  
 
Es sollte zunächst eine etwas verwischte Vision bleiben, die sich dann aber mit jeder Lifeübertragung aus dem Dressurstadion mehr und mehr konkretisierte. Und es war gar nicht so sehr der Hengst selber, den ich in all den Jahren so oft gesehen und zur Kenntnis genommen hatte, es waren vielmehr seine Kinder und Verwandte, die mir in geradezu grotesk dichter Zahl plötzlich anlässlich dieser olympischen Spielen gewahr wurden. Nicht notwendigerweise immer die auffälligsten Hingucker und ganz sicher keine Anwärter auf den Schönheitspreis - aber eben Pferde die "funktionieren". Leistungspferde eben.
Ähnlich wie seinerzeit mit Rohdiamant, als es erst eines Schlüsselerlebnisses bedurfte, bis ich ihn anhand seiner leistungsstarken Nachkommen als bewährten Vererber so richtig "begriff", erging es mir also seit dem Sommer 2008 mit Don Schufro.
Einen ganz wesentlichen Unterschied zu Rohdiamant allerdings gibt es trotz allem:
Der Mutterstamm des Don Schufro ist sowohl in seiner Breite als auch in seiner Tiefe in Deutschland (und damit eigentlich weltweit) herausragend, um nicht zu sagen: legendär. Nicht, dass ich mir auch dessen nicht schon seit Jahren bewusst gewesen wäre. Ich habe es nur nicht zu schätzen gewusst eben weil dieser Stamm desöfteren auch den ein oder anderen eng mit Don Schufro verwandten Vierbeiner hervorgebracht hat, der mir alles andere als gefiel, sondern mich im Gegenteil über Jahre hinaus durchaus auch eine negative Voreingenommenheit hat aufbauen lassen. Es gab zum Beispiel eine Zeit, da habe ich mir einen Spass daraus gemacht manch einen Don Primero Spross (gezogen aus der Vollschwester zur Mutter des Don Schufro) bereits von weitem nur aufgrund der unvorteilhaft vorderlastig aufgesetzten Halsung als solchen zu identifizieren - dass diese Pferde ganz nebenbei aber dennoch "funktionierten" hat mich dabei nicht wirklich beeindruckt.
Flegeljahre eines Züchters nennt man sowas wohl.
Schön zu wissen dass man ganz offensichtlich dennoch lernfähig ist.
Ein gutes Pferd definiere ich heute nach seiner Funktionalität unter dem Sattel. Und sie funktionieren nunmal in der Summe ihrer Teile und nicht als exemplarisch perfekte Typen. Und diese Funktionalität definiert sich ganz besonders auch über den Kopf - und zwar über das was drin ist und nicht so sehr wie er ausschaut...

Und damit sind wir also bei dem ein und alles, das so einen bewährten Vererber eigentlich erst ausmacht:
die Konsolidierung von Leistungsgenen idealerweise in der Breite, und wenn darüber hinaus eine (historische) Tiefe noch dazu kommt - um so besser!
Und Don Schufros Mutterstamm darf man wahrlich historische "Tiefe" attestieren.

                                                                   

Selber Urwestfale bin ich gar nicht weit vom Schloss des Baron Clemens von Nagel in Vornholz Ostenfelde gross geworden. So recht bewusst ob der Geschichtsträchtigkeit dieser Anlage bin ich mir aber erst geworden als ich selber vor Jahren dort meine ersten Turniere geritten habe. Einige der verbliebenen altehrwürdigen Eichenbalken und ihre Inschriften inspirieren noch heute die Phantasie des geneigten Reitersmannes und Pferdezüchters. Rendant von Radetzky kommt mir immer in den Sinn, wenn ich an Vornholz denke - dieser Schimmel, Sohn des Radetzky aus der Zucht des Barons, stand seinerzeit noch im Landgestüt als ich die ersten Besuche dort "pflegte" und das ein oder andere seiner ebenso schimmeligen Kinder ist mir aus meiner Reitschulzeit noch gut in Bewusstsein. Der Schriftzug "Radetzy" auf den Namensschildern hat sich mir eingeprägt und dürfte neben dem Schriftzug "Frühlingstraum" damals wohl am häufigsten dort aufgezeichnet gewesen sein. Und es waren damals schon funktionierende Leistungspferde - wenn auch manch ein verwöhnter Dressurreiter schnöde die Nase rümpfte ob der falschen Farbe. Die bunten Schleifen vom nächsten Turnier liessen die falsche Farbe dann allerdings schnell vergessen und mich meist vor Neid erblassen. 

Und mit Radetzky sind wir dann gedanklich auch schon wieder bei Don Schufro und dem Stamm der Kebandina, oft besser bekannt als der Stamm der Finnländerin, ihrer Tochter nämlich (wohl weil es sich leichter aussprechen lässt...).
Finnländerin war gezogen nach einem in Hannover bereits sehr bewährten Rezept:
Ihr Vater, der Celler Landbeschäler Flirt, war ein Vollbruder des Fling, dem Begründer der hannoverschen F- und späteren W-Line, dem die deutsche Sportpferdezucht so bedeutende Hengste wie Frustra II oder in der Folge den Mannesstamm des Wöhler - Woermann - Worldcup und damit den Begründer der wohl bewegungssichersten Hengstlinie unserer Zeit, der des Weltmeyers nämlich, verdankt. Allerdings wäre auch Westfalen nicht das was es heute ist (oder in den 80er Jahren noch war), hätte es nicht Frühling und mit ihm die bedeutenden Hengste Frühlingstraum II und Frühlingsball gegeben. Ganz nebenbei gäbe es also heute auch meine Fannie nicht (MV Frühlingsball) ohne eben diesen Fling.
  
Der Baron stand im Ruf eines mitunter eigensinnigen Dickkopfes und pflegte Qualität zu kaufen wo er sie sah, Lokalpatriotismus stand dabei nicht wirklich im Vordergrund, eher die eigene Geschichte und Erfahrungen als Sohn des ehemaligen (preußischen) Beberbecker Landstallmeisters Paul Freiherr von Nagel, der im Laufe seiner hippoligschen Karriere auch einmal Leiter des Landgestütes in Warendorf war. Man kann sich vorstellen dass Baron Clemens von Nagel sich mit seinen rückblickend geradezu als Outcross zu bezeichnenden Anpaarungsideen im urigen Westfalen nicht unbedingt nur Freunde machte - und wieso fällt mir im Zusammenhang mit Westfalen spontan hier nun wieder das Stichwort Dickkopf ein?
Die Geschichte des legendären Ramzes AA läse sich heute jedenfalls gänzlich anders, wäre nicht auch diese -noch dazu überaus exotische- Entdeckung des Barons zunächst in westfälischen Landen alles andere als wohl gesonnen gewesen. Watt der Buer nich' kennt... Weshalb Ramzes zunächst nach Holstein zog bevor seine ersten Kinder in Westfalen plötzlich die hippologische Fachwelt in schieres Erstaunen versetzten. Aber Ramzes ist ja eigentlich gar nicht Gegenstand dieser Geschichte. Und doch möchte ich ihm wohl eines Tages eine eigene Seite widmen - und hoffentlich die überaus interessanten Gesprächspartner der letzten Jahre erneut ausfindig machen, die mir in der Vergangenheit nette Anekdoten über den Baron und seine Pferdezucht vermittelt haben.

                                                            
                                                                                   Remus von Ramzes ox und Harry Boldt (Silbermedaille Olympische Spiele 1964 Tokio)

Als Baron von Nagel 1937 das Erbe seines Onkels auf dem Wasserschloss Vornholz antrat, begründete er zunächst eine sehr erfolgreiche Vollblutzucht für Hindernisrennpferde, die er jedoch nach Auflösung der Armeeställe nach dem Krieg aufgab - sehr zum Bedauern vieler damals bekannter Vollblutleute wie Graf Sponeck oder Graf Lehndorff. Der Baron war jedoch bereits von einer anderen Idee beherrscht, nämlich die Zucht eines leistungsstarken hoch im Blut stehenden Sportpferdes auf Beberbecker Basis - oder dem, was davon in Deutschland nach dem Krieg noch übrig geblieben war. Nicht zuletzt dem Anraten des Gustav Rau ist es zu verdanken, dass der Baron von seinem zunächst geplanten Vorhaben absah, blutgeprägte und im Huntertyp stehende Pferde von den britischen Inseln als Stammesbegründer seiner künftigen Zucht zu erwerben, sondern statt dessen gut durchgezüchtete Hannoversche Stuten, idealerweise bereits mit Beberbecker Blutanteil kaufte. Die Verbindung zu Gustav Rau kam nicht von ungefähr: Gustav Rau war seinerzeit Leiter der Preußischen Heeresgestütsverwaltung, als der Baron selber das unter preußischer Verwaltung stehende polnische Gestüt Racot leitete.
Zu diesen Gründerstuten also vermittelte ihm der Rastenburger Landstallmeister (hier muss ich lächeln, hatte ich doch selber im letzten Jahr erst das Vergnügen das ehemalige preußische Staatsgestüt Rastenburg, im heutigen Polen gelegen, besuchen zu können Fotos) als Deckhengst den Beberbecker Rappen Oxyd, eine Akquise, die sich später als echter Glücksfall erweisen sollte. Oxyd war ein Sohn des Trakehners Irrlehrer, hatte seine Beschälerlaufbahn noch im jugendzeitlichen Beberbeck des Barons begonnen, war dann nach Ostpreussen gegeben worden und inzwischen bereits 17 Jahre alt. Er verkörperte damals schon sehr den Typ des "leistungsstarken trockenen Hunters".
Merke: das Label "Hunter" war damals noch als echtes Prädikat zu werten denn damals waren Hunter noch das, was man sich nach guter alter Trakehner Sitte darunter vorzustellen hat:
Hartgeprüfte Jagdpferde, leistungsbetonte Sportpferde durch und durch.

Und so fand also die Finnländerin als junge Stute ihren Weg vom Hannoverschen ins Westfälische, und sie war damals schon kein ganz unbeschriebenes Blatt, waren ihre Vollbrüder doch die beiden gekörten Hengste Finnland I und II. Finnländerin, geboren 1930, kam sechsjährig nach Vornholz, ihre 1933 geborene Halbschwester Trendelburg von Thronerbe, ebenso ein einstiger Beberbecker Hengst, kam mit ihr. Anzumerken sei hier noch dass der Vater der Kebandina, also der Muttervater der Finnländerin und Trendelburg, der engliche Vollbüter Julius Caesar war, der als besonders hart und einflussreich galt. Der ausgeprägte Faible des Barons für hoch im Blut stehende Pferd kam also bereits auf Basis seiner Gründenstuten sehr zum tragen.
All dies spielte sich ab in einer Zeit, als meistenorts noch Ackerpferde gezüchtete wurde und der Umzüchtungsprozess noch weit entfernt war und eher kritisch beäugt wurde.

Finnländerin brachte in Anpaarung an den ebenso im Besitz des Barons befindlichen Halbblüter Zew die Fischerin. Zew war ein in Polen gezogener Hengst mit Beberbecker Blutanteilen und entstammte dem selben Mutterstamm wie Oxyd, zu dem wir später noch kommen werden. Diese Fischerin wurde u.a. in Anpaarung an Krol Walca (ein weiterer auf Vornholz wirkender Schimmelhengst polnischer Abstammung) Mutter des internationalen Springpferdes Feuerdorn unter Hans Günther Winkler. Vier weitere Kinder der Fischerin sind verzeichnet, darunter Fidelio von Krol Walca, Vollbruder zu Feuerdorn und selbst bis M Springen erfolgreich. Maßgeblich aber für die Geschichte des Stutenstammes des Don Schufro sind die Töchter der Fischerin aus Anpaarung mit dem Holsteiner Herold. ( ... und hier muss ich nun wirklich dringend einen alten Freund aufsuchen, der mir im Zusammenhang mit Herold ebenso nette Anekdoten über den Baron und die Westfalen zu erzählen wusste...)
Herold war ein Erhalterhengst alten Holsteiner Types und führte als Sohn des Herder aus einer Makler I-Tochter gehäuft das alte Holsteiner Springblut der Favorit/Tobias Linie. Diese inzwischen in Holstein bereits als "altmodern" geltenden Typen betitelte Gustav Rau nur zu gern und spöttisch als "gemeißelte Köpfe auf Wikingerhälsen". Und doch votierte der Baron ganz bewusst zu dieser Sorte urholsteinischen Pferdes von ältestem und bereits damals ausgeprägtestem Springblut. Seine hochmodernen edlen Stuten schienen ihm wie gemacht als Basis zu einem Erhalterhengst von allerbester Springgenetik damaliger Zeit - er sollte recht behalten.

Bunt gemischt und offensichtlich gut durchdacht, ganz nach dem Gusto des Barons, sich eben nicht der nächstbesten Blutlinien zu bedienen sondern seiner selbst aus gutem Grund angekauften Hengste, ging es in der Stutenfolge also weiter. Im Rückblick überrascht es daher wenig, dass aus der oben beschriebenen Anpaarung der Fischerin mit Herold ein Stutfohlen fiel, Fabiola, die es selber im Springsport zu internationalen Erfolgen brachte.
Fabiola wechselte später als Zuchtstute auf den Grönwohld Hof und begründete dort den heute zu höchster Oldenburger Ehre gereichenden Zweig dieses Stammes der Kebandina.
Auf dem Grönwohld Hof wirkte seit 1973 als erster Deckhengst der Trakehner Fuchshengst Unkenruf, der selber bis Grand Prix erfolgreich war und den es später über den grossen Teich in die USA verschlug. 1974 fohlte Fabiola aus Anpaarung an Unkenruf die Stute Fabia. Das darf man sich dann heute mal auf der Zunge zergehen lassen:
Ein im Dressursport erfolgreicher Trakehner wird an eine Stute aus dem internationalen Springsport angepaart - ganz bewusst.
Und ganz sicher stand die damalige Trakehner Leistungspferdezucht noch für vielseitigste Vererbungsgüte im Sinne der Multifunktionalität auf höchstem Niveau und nicht im Sinne der Vielseitigkeit als Disziplin an sich. Immerhin zeugte Donauwind, der Vater des Unkenruf, in Abdullah das wohl bekannteste Trakehner Springpferd aller Zeiten. Vielseitige Leistungszucht fernab konventioneller Zuchtstrategien, man lebte damals schon vor was heute die progressiveren unter den Zuchtverbänden bereits wieder erfolgreich praktizieren: Springblut in der Dressurpferdezucht. Mit dem feinen Unterscheid, dass auch der Baron in seiner Philosophie dabei gar nicht auf Spezialisierung ausgerichtet war sondern vielmehr ein exzellentes Leistungspferd an sich im Vordergrund dieser Philosophie stand. Die Spezialisierung ergab sich dann meist erst in Folge der Berittmachung.
Ach, wäre das auch heute noch genau so weit und gut verbreitete Sitte in unserer Pferdezucht...
Fabiola brachte also in Anpaarung an Unkenruf das Stutfohlen Fabia. Diese Fabia wurde dann in Anpaarung an den Stempelhengst Pik Bube I zur Mutter der beiden Vollschwestern Fiesta und Fantasia. Und hier sind wir eigentlich schon in der neuzeitlichen Geschichte des Stutenstammes des Don Schufro angelangt, bei seinem Namensgeber nämlich:
Otto Schulte Frohlinde. SchuFro.

Pik Bube avancierte seinerzeit zum Stempelhengst auf dem Grönwohld Hof bei Otto Schulte-Frohlinde. Heute undenkbar verdiente sich der damals noch gar nicht so grosse Donnerhall seinerzeit die Brötchen unter anderem als Probierhengst bei seinem Besitzer - als Probierhengst für die Stuten, die dem grossen Pik Bube zugeführt werden sollten nämlich. Eine nette Sitte eigentlich, und manch einem gänzlich unbewährten und dennoch Vieldecker heutiger Zeit möchte man wünschen, er hätte sich zunächst die Sporen als "Probierhengst" im eigentlichen Sinne des Wortes verdienen müssen - die ein oder andere taube Nuss wäre unserer heutigen schnelllebigen Pferdezucht dann vielleicht erspart geblieben.
Allein dem Umstand der damals noch rege gepflegten Stationstreue ist es zu verdanken, dass wir heute von einer "Passerpaarung" des Donnerhall an Pik Bube Töchter sprechen. Was lag näher als die Töchter des Pik Bube dem einstigen Probierhengst und mittlerweile unter dem Dressursattel des grossen Herbert Rehbein gereiften Dunkelfuchs Donnerhall zuzuführen?
Während Otto Schulte Frohlinde aus der Fantasia den eingangs besprochenen Don Primero aus dem ersten Jahrgang des Donnerhall zog, wurde Fiesta Mutter einer ganzen Reihe von Kindern des Donnerhall, die es allesamt ebenso zu Ruhm und Ehre brachten, darunter eben auch Don Schufro sowie seine Vollschwestern Fantastica, Fabina, Farina und Donna Primera.
Die StPrStute Fantastica brachte 1999 den Publikumsliebling der Oldenburger Körung, Sunny Boy, und ist ebenso Mutter des unter Karin Rehbein Grand Prix erfolgreichen Capuccino (Zuchtname Classico).
Fabina wurde 2003 Elitestute und befindet sich ebenso wie Don Schufro im Besitz des dänischen Gestütes Blue Hors.
Es liegt mir fern hier namentlich nun all die gegenwärtig aktiven gekörten Hengste von grösserer oder mitunter auch geringerer Bedeutung aus den diversen  Vollschwestern des Don Schufro zu benennen (das ist auf Paardenfokken übersichtlich für jeden Betrachter dargestellt), einen allerdings möchte ich dennoch nicht unerwähnt lassen:
Pentagons Peron aus der o.g. Farina von Donnerhall.
Dieser recht unbekannte Sohn des Placido Sun trabte vor einigen Jahren in Vechta anlässlich der Althengstparade dort durch die Bahn und hat mich gänzlich unerwartet schwerst beeindruckt. Das war Bewegungsmechanik und Schwungentfaltung allererster Güte und ich habe mich gefragt wo dieses Pferd mit seinem grandiosen Habitus (leichtfüssig, bergauf und hinten tiefer gelegt) bloss all die Jahre versteckt gewesen sein mochte denn es war nur schwer vorstellbar, dass ein Hengst von solcher Bewegungsqualität im Oldenburger Hochzuchtgebiet so gänzlich unbemerkt sein Dasein fristen sollte. Allerdings war das Pferd von weit her aus Österreich zu dieser Hengstschau angereist und damit war klar, wieso dieser Hengst bislang so wenig besprochen und aufgefallen war. Ich habe damals einen ganz und gar euphorischen Bericht zu diesem Auftritt im Internet verfasst, den ich später dann als Werbetext auf der Seite des Hengsthalters höchstselbst wiederfand, was mich damals recht amüsierte. Nichtsdestotrotz - heutzutage bleibt Auffälliges nicht lange unbesehen und so wird der Hengst heute aus dem Rheinland heraus auch in den deutschen Hochzuchtgebieten etwas prominenter vertrieben. Und als ich seinerzeit anlässlich dieses kurzen Berichtes schrieb "gezogen aus einer Vollschwester des Don Schufro" war es eigentlich das erste Mal, dass mir dieses Label "Vollschwester des Don Schufro" bewusst als Prädikat in den Sinn kam.

Den faszinierendsten Aspekt dieses Mutterstammes des Don Schufro mache ich jedoch auch heute noch in der weiteren Vergangenheit aus, zu der Zeit nämlich, als dieser Stamm noch aktiv im Hause von Nagel gepflegt wurde und nicht nur die "hippologische Fachwelt Westfalens" in schieres Erstaunen versetzte.
Geradezu putzig liest sich in diesem Zusammenhang, was man in den Eylerschen Hengstbüchern unter Don Schufro zu der direkten Vererbungsleistung des Vornholzer Mutterstammes der Finnländerin liest:
ganze zwei Zeilen dokumentieren hier den Ursprung des unter Dr. Josef Neckermann 1968 bei den olympischen Spielen in Mexico erfolgreichen Mariano aus diesem Stamm, in denen der Vollständigkeit halber auch die gekörten Hengste Radetzky, Rasputin, Polany, Rio Negro, Aldato und Granulit angeführt werden.
Man staunt.

                                                                   
                                                                                                Josef Neckermann und Mariano von Ramzes a.d. Malta von Oxyd

So war Neckermanns Olympiapferd Mariano ein Vollbruder des Radetzky (beide aus der Malta, einer Enkelin der o.g. Finnländerin) und allein der Einfluss des bereits zuvor genannten Radetzky auf die westfälische Zucht ist bücherfüllend. Dieser Sohn des Ramzes aus der Malta von Oxyd, wurde vom Warendorfer Landgestütsmeister Franz Kukuk (in seiner Ausbildungsleistung in westfälischen Landen nicht weniger legendär und aufs höchste respektvoll bedacht) bis zur Grand Prix Reife gefördert und galt seiner Zeit in ganz Deutschland als der am besten ausgebildete Landbeschäler überhaupt. Er vererbte seine hervorragenden Reiteigenschaften par Excellence und lieferte harte Sportpferde, wertvolle Stuten und via Romulus und Remus I und II spätere Stempelhengste der westfälischen Zucht: Romadour II und mit ihm die noch heute so populäre R-Linie des Dressursportes über Rubinstein (wenn denn Romadour tatsächlich ein Sohn des Romulus und kein vermeintlicher "Duft" ist, was seinen Sohn Rosenkavalier zweifelsohne dann zu einem "Dosenkavalier" mutieren liesse...).
Ganz nebenbei findet Radetzky als Muttervater des Frühlingsball sich auch im Papier meiner Fannie in vierter Generation wieder.
 
Um sich der Zucht des Barons in ihrem ganzen Ausmaß bewusst zu werden empfehle ich - herrlich nachzulesen -  Claus Schriddes "Adel verpflichtet", den ich hier wörtlich zitieren möchte, er spricht mir aus dem Herzen (die damaligen Ressentiments haben sich bis heute nicht wirklich geändert) und die Bedeutung der Vornholzer Zucht wird in diesen Zeilen sehr deutlich:

Zu einer Zeit, als die Sportpferdezucht noch in den Kinderschuhen steckte, ja, manch ein Zuchtgebiet noch weit davon entfernt war ein modernes Reitpferd zu züchten, ging Clemens Freiherr von Nagel konsequent seinen Weg. Mitunter musste er geradezu gegen Windmühlenflügel dabei ankämpfen. Mit der westfälischen Zuchtleitung hat er oft auf Kriegsfuss gestanden um seine Ideale durchzusetzen. Aber die Leistung der Vornholzer Pferde hat schliesslich gesiegt. 1952 kam die deutsche Dressur Olympiamannschaft komplett aus dem Gestüt Vornholz:
In Helsinki starteten Fritz Thiedemann/Chronist xx, Ida Freiin von Nagel/Afrika und Heinz Pollay/Adular.
Alle drei Pferde waren von Otto Lörke ausgebildet worden und holten die Bronzemedaille in der Mannschaft.

       
Nun dürfte es in der deutschen Pferdezucht einmalig sein und bleiben, dass ein und der selbe Züchter aus seinem Stutenstamm eine komplette und noch dazu erfolgreiche Olympiamannschaft stellt. Nichtsdestotrotz geht der erfolgreiche Einfluss der Vornholzer Zucht weit über die Grenzen dieser drei Olmypioniken hinaus. Otto Lörke und Willi Schultheis zeichneten damals als Ausbilder auf Vornholz verantwortlich, die Sporterfolge jener Zeit in beiden Disziplinen zeichnen die Vornholzer Zucht als etwas ganz besonderes aus - und doch möchte ich behaupten, der nachhaltig züchterische Einfluss übertrifft diese noch bei weitem. Weil Sporterfolge meist mit dem Ausscheiden des entsprechenden Pferdes der Vergangenheit angehören - ein qualitätsvoller Stutenstamm aber mit jeder weiteren Generation auch die Zukunft noch nachhaltig zu bewegen und beeinflussen im Stande ist. Der Vornholzer Stutenstamm des Baron Clemens von Nagel ist seit mehr als 70 Jahren das allerbeste aktive Beispiel hierfür.    

                                                                         
                                                                                                Willi Schultheis, Fotos aus dem Familienalbum von Katharina Schultheis
                                             Liebe Kathie! Tausend Dank für diese herrlichen Schnappschüsse von deinem Herrn Papa - authentischer geht es einfach nicht!


So brachte eine weitere Tochter der o.g. Malta von Oxyd, Marina von Krol Walca, in Anpaarung an den selbstgezogenen Vollblüter Pernod die Stute Macbeth, die unter Willi Schultheis bis Grand Prix erfolgreich war.
Pernod enstammt der Familie der Postenkette, die selbe Stutenfamilie, der auch der für die Warmblutzucht so bedeutende Vollblüter Pik Ass xx entstammt. Ohne diesen Vollblutstamm gäbe es heute nicht die Dressurpferdedynastie des Pik Buben - und damit auch keinen Don Schufro. 
Pernod konnte auf ein wahrlich bewegtes Leben zurückblicken, war er während der Kriegsjahre doch im Rennsport unterwegs und verdiente in 24 Rennen (darunter auch Hindernisrennen) damals bereits 44.000 Reichsmark. In jämmerlichem Zustand erhielt der Baron ihn am Ende des Krieges von den Engländern zurück. Danach baute Willi Schultheis den Hengst hocherfolgreich zum Dressurpferd um und die beiden verzeichneten nicht weniger als 70 Siege in Dressurprüfungen der Klasse M und S. Erst 15-jährig wurde Pernod dann als Deckhengst eingesetzt und war dabei nicht minder erfolgreich, 34 Mal kam er zum Einsatz auf Vornholzer Stuten. Neben Macbeth wurde er so auch Vater der berühmten Dressurpferde Puschkin, Piccolo und Prunus, sowie des Vielseitigkeitspferdes Puschkyn.

             
                               Pernod unter Willi Schultheis

Aufs Deutlichste zeichnet sich hier der Genius des Baron von Nagel durch zwei bemerkenswerte Eigenschaften aus:
Um einen derart hohen Blutanteil wie beispielsweise Macbeth ihn führt (mit Pernod xx, Oxyd xx und Krol Walca muss der Anteil bei weit über 80% liegen) muss man heutzutage in der Zucht von Leistungssportpferden ob der Vorurteile gegenüber Vollblut ersteinmal kämpfen (der selbe Kampf, den auch der Baron bereits damals geführt hat - der Erfolg gab ihm mehr als recht - warum lernen wir nur nicht daraus?). Gleichzeitig macht dieses Beispiel deutlich, dass das Hervorbringen von Spitzenpferden beider Disziplinen für einen überragenden Stutenstamm selbstverständlich sein sollte - Dressurpferde fallen daraus ebenso ab wie Springpferde - wieso versuchen wir heute das Rad neu zu erfinden und verschreiben uns einer vermeintlichen Dressurpferdezucht in Reinkultur?
      
Aber auch der im Nebensatz des Eylerschen Hochglanz aufgeführte Rio Negro ist mehr als nur ein paar Zeilen wert:
Rio Negro, aus einer Mutter des o.g. Pernod xx,  war nach zweijährigem Deckeinsatz in Holstein ebenfalls unter Willi Schultheis international bis Grand Prix erfolgreich und ist ein weiterer Enkel der Finnländerin und nebenbei ein Sohn des Stempelhengstes Ramiro, der später als Ramiro Z in Zangersheide als reiner Springpferdevererber seine letzten Jahre verbrachte.
Die sprichwörtliche Doppelveranlagung eines kompletten Stutenstammes auf höchstem Niveau - hier ist sie wieder.
Und wem verdankt die Sportpferdezucht noch heute die Existenz eines Ramiro?
Gestüt Vornholz.

Ramiro wurde übrigens, ganz wie Ramzes auch, seinerzeit anlässlich der Körung von der westfälischen Zuchtleitung nur murrend anerkannt und lediglich ins Zuchtbuch IV "für Stuten aus dem eigenen Bestand" eingetragen. In Holstein war man im Falle des Ramzes bereits weitsichtiger, der Grund, weshalb der Hengst nach kurzer Zeit zunächst vom Baron nach Holstein gegeben wurde.
Ramiro jedoch schied zunächst auch die Geister in Hannover:
Nach Erwerb des ersten Ramiro-Sohnes Report für das Landgestüt in Warendorf drohte die hannoversche Zuchtleitung mit dem Entzug der generellen Anerkennung Warendorfer Landbeschäler bei weiterer Verwendung dieses Blutes.
Schön zu sehen, dass auch Expertenurteile dem Diktat des späteren Erfolges unterliegen können.     
     
Willi Schultheis war es auch, der Prunus von Pernod aus der Trendula ebenfalls bis in den internationalen Dressursport förderte. Die Trendula ist eine Tochter der Trendelburg, die einst gemeinsam mit der Finnländerin Einzug auf Vornholz hielt, und somit eine Enkelin der Kebandina. Aus diesem Zweig der Kebandina stammt auch die berühmte Tiga, eine direkte Tochter des Ramzes, das erfolgreiche Grand Prix Pferd des Heinz Lammers. Tiga ist eine Enkelin der Trendula und steht ebenso stellvertretend für den hohen Blutanteil von über 80% dieser damaligen Erfolgspferde Dynastie. Ein Stutenstamm, dem die westfälische Pferdezucht ihre einstige Vormachtstellung als erfolgreiches Pferdezuchtgebiet zu grossem Teil verdankt und der die gesamte deutsche Pferdezucht nachhaltig geprägt, wenn nicht überhaupt erst dahin gebracht hat, wo sie heute ist. Und vom Einfluss diese Stammes gerade auch auf die Holsteiner Springpferdezucht ist hier noch gar nicht die Rede gewesen ... .

Wer nun meint, von Don Schufro bis zu den glorreichen Tagen der oben geschilderten Blüte dieses  Stammes sei es doch inzwischen ein recht weiter Weg, der möge sich vor Augen halten, dass zwischen Don Schufro und der Finnländerin tatsächlich nur fünf Generationen liegen:
Don Schufro a.d. Fiesta von Pik Bube a.d. Fabia von Unkenruf a.d. Fabiola von Herold a.d. Fischerin von Zew a.d. Finnländerin von Flirt a.d. Kebandina.
Fünf Generationen. Wenn ich mir also heute die Nachzucht meiner Fannie Mae ansehe und beispielsweise über Fidermark, Florestan, Fidelio und Furioso den Einfluss eben dieses letztgenannten Stempelhengstes beschwöre, dann ist das der selbe fünf Generationen weite Weg. Und wer würde heute den Einfluss eines Stempelhengstes wie Furioso (und sei es nur über den Mannesstamm) in irgendeiner Form leugnen wollen? 

Je mehr ich mich also in der Folge gedanklich mit Don Schufro an meinen bunten Vogel Fannie Mae anzupaaren auseinander gesetzt habe, umso mehr entwickelte sich ein immer stärkeres Bauchgefühl zu dieser Idee - Intuition. Was mich dennoch zunächst von dieser Anpaarung abgehalten hat war die bereits erwähnte eingeschränkte Verfügbarkeit des Frischsamens von diesem Hengst - er wird eben nur dreimal die Woche abgesamt und verschickt. Ausserordentlich unbefriedigend für einen verwöhnten Züchter wie mich der es gewohnt ist, den Samen eines jeden begehrlichen Hengstes früh morgens mit dem Kia auf der Autobahn höchstselbst frisch abzuholen und zügig zu versamen - bis Dänemark wollte ich den Kia dann allerdings doch nicht treiben... und also setzte der nüchterne Verstand (man staunt, mitunter beherrscht er mich!) der Anpaarung an Don Schufro zunächst einen Riegel vor bis, ja, bis ich dann diesen Winter anlässlich der Hengstschau des Hauses Schockemöhle in Vechta zur Züchterehrung geladen war, ein Ereignis, an dem einmal teilzunehmen immer mein ganz grosser Traum war. Da stand ich nun, inmitten der Spotlights der Vechtaer Arena, umringt von all den anderen Züchtern, denen die selbe Ehrung zuteil wurde, und wer trabte in die Bahn?
Don Schufro.
Ich hatte keine Ahnung, dass der Hengst zu diesem Anlass noch einmal mit aufsehenserregendem Bohei hier vor den Züchtern aus dem Sport verabschiedet werden sollte und es traf mich wie der Blitz:
Meiner Fannie Mae ganz allein hatte ich es schliesslich zu verdanken, dass ich überhaupt hier stehen durfte. Und tief in Gedanken an meine Fannie versunken trabte nun plötzlich ausgerechnet mein visionärer Wunschpartner an Fannie hier an mir vorbei - wenn das kein Wink des Schicksals war? (So viel zum Thema "nüchterner Verstand" - ruck zuck war es auch schon wieder um ihn geschehen...)
Und ich hatte Gelegenheit mir diesen Hengst, den ich schon so oft in der Vergangenheit gesehen aber eben nie richtig wahrgenommen hatte, noch einmal ganz bewusst unter dem Sattel anzusehen. Er zelebrierte seine Lektionen aufs feinste, es war eine Freude dieses Pferd auf sich wirken zu lassen, ganz besonders wenn man sich mit so schwerwiegenden Ideen trug wie ich sie gerade ausbrütete...  Und hatte ich Don Schufro immer gern als altmodern und gerade deshalb funktional betitelt, so drängten sich mir an diesem Abend angesichts seiner Präsenz Attribute auf, an denen ich einfach nicht vorbeikam:
Klassisch und zeitlos.
Und genau so soll es sein.
Dieser Hengst ist ein Klassiker unter den Stempelhengsten unserer Zeit und wird auch in zwanzig Jahren noch genauso gern gesehen wie begehrlich sein in den Pedigrees unserer Stutenstämme und Leistungspferden der Zukunft. Und genau das ist der Anspruch den ich mittlerweile an meine eigene kleine Pferdezucht stelle:
zeitlos, funktional und überzeugend.
Und mein bunter Vogel in ihrem ebenso reellen wie überzeugenden Habitus ist tatsächlich der perfekte Passer zu diesem Hengst. Zwei gleichermassen statiöse Pferde von stabilem und damit tragfähigem Fundament und einer Funktionalität, bei der keiner am anderen etwas verbessern oder verändern muss - die beiden sollen sich einfach nur zu einem fuchsbunten stimmigen Ganzen zusammentun und ihre beider gegebenen dominanten Features dabei erhalten - es funkte gewaltig in meinem Kopf.
Und aus der Nummer kam ich nun nicht mehr raus.
In diesem Jahr musste es also Don Schufro sein.
   

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