Züchterreise Kalifornien

Elf Jahre ist es her, seit ich das letzte Mal die USA besucht habe. Schon damals war es die gemeinsame Verbundenheit zur Pferdezucht, die mich seinerzeit zu Maren Engelhard nach Kalifornien geführt hat (Kalifornien 2005). Damals allerdings war die Reise wohl geplant und lang herbeigesehnt. Diesmal war es eine recht spontane Entscheidung. Als mein alter Züchterfreund Steve sehr konkret eines Abends am Telefon formulierte: "Pack your bags and come on over to California! Malibu Beach is just the right place for you!", war das eine klare Ansage, der ich gern Folge leistete. Ganze fünf Tage Vorbereitung für Flug und Formalitäten und ich sass in der Maschine nach Los Angeles.
                                                                            Mitunter kann man nur staunen ...
Malibu Beach war es dann auch, das wir auserwählt hatten für ein nettes Welcome-Dinner unter Freunden, da hatten wir bereits einen Tag lang diverse Dressurställe entlang der Topanga Canyon Route im Norden LA's besucht und entsprechend hippologisch gestaltet sich die Gesellschaft zum Dinner. Das Restaurant trug passender Weise den Namen "The Sunset", eine Namensgebung, die sich an der Westküste geradezu aufdrängt. Originellerweise fanden an diesem Abend dort gerade Dreharbeiten zu einer Fernsehserie statt, die unserer kleinen Party ein recht unvergessenes Ambiente bescherten. Die Fotos
                                                                            der Hollywood-Babes sprechen für sich.   

Steve ist leidenschaftlich dem Hannoveraner Pferd verbunden und so ist nicht verwunderlich, dass er ausschliesslich Hannoveraner Stuten sein eigen nennt. Abstammungen von Don Frederico, Prince Thatch oder Weltmeyer sind auch im fernen Kalifornien gang und gäbe. Quasi im Garten des Hauses befinden sich Paddock und Stall, die Gemeinde teilt sich diverse Round Pens, Reit- und Dressurplätze. Zustände, die man in Europa nicht für möglich hält. Insbesondere, als Qualität und Instandhaltung der Anlagen und Reitböden echte Maßstäbe setzen. Man muss nur im eigenen Garten satteln und über die
                                                                            Strasse reiten, schon findet man alles, was das Herz eines
                                                                            Sportreiters begehrt... Ich war zutiefst beeindruckt!

Unsere erste Tagestour führte uns nach Norden in das wunderschöne Santa Ynez Valley zu Holger Hölzel. Die Zufahrt zu dem einladenden Weingut haben wir zunächst glatt verpasst - wer vermutet schon Stallungen und Reitanlagen hinter Weinstöcken und Reben? Die Koexistenz von Pferd und Wein in dieser Gegend ist jedoch kein Zufall. Das Santa Ynez Valley gilt als die südkalifornische Antwort auf Nappa Valley und hat sich in den letzten Jahren als echtes Weinanbaugebiet etabliert. Ebenso kein Zufall, dass wir diese Reise daher mit entsprechenden Wine Tastings im nahen Los Olivos zu verbinden gedachten...
Als Holger uns morgens zu einer herrlichen Rundfahrt durch das zauberhafte Weingut einlud, lernten wir zunächst seine kleine Trakehner Pferdezucht kennen. Den Anfang machte ein keckes braunes Hengstfohlen von Herbstkönig. Herkunft und Abstammung der bewährten Stammstute und Mutter von Latimer x Elan xx klangen dann irgendwie bekannt. Dennoch dauerte es eine Weile, bis der Groschen fiel. Tatsächlich handelte es sich um eine Stute, die Maren Engelhard seinerzeit  in die USA vermittelt hatte und die Geschichte um dieses Pferd war mir noch wohl bekannt. Affinitäten zu meiner Reise von vor elf
                                                                            Jahren hatte ich hier ganz sicher nicht vermutet!
Manchmal wundert man sich, wie klein die Welt doch ist.
Die direkten Nachkommen dieser Trakehnerstute auf den Koppeln waren meist auf den ersten Blick als solche zu erkennen und es machte mich breit grinsen. Das weisse Auge des Hohenstein ist nicht nur in His Highness' Nachzucht weithin erkennbar. In diesem Fall kamen noch Muttern's auffällige Zeichnung und der kompakte Körperbau des Latimer himself hinzu, von dem sich lediglich ein zweijähriger Sohn des Lagoheidor durch gänzlich andere Aufmachung und Linien unterschied. Es war mir ein grosses Vergnügen, Pferdezucht und
                                                                            Abstammungen in kalifornischen Weinbergen zu studieren!
                                                                            Tausend Dank für diesen unvergesslichen Ausflug, lieber Holger!

Mein ganz persönliches erstes Reise"ziel" erfüllte sich dann ausgerechnet in Los Olivos, dem kleinen Weinstädtchen mit Wild West Flair. Meine Suche nach einem Paar bestimmter Reitstiefeletten hatte sich in diversen Tack Stores nahe LA bereits als erfolglos erwiesen. Und wer hätte gedacht, ausgerechnet hier fündig zu werden? Beim Blick auf die bunte Auswahl der hier handelsüblichen Reitstiefel sackte mir zunächst das Herz in die Hose. Doch tatsächlich versteckte sich das einzige gesuchte Paar in der farbenfrohen Übermacht der artverwandeten Westernstiefel. Ich war begeistert!

Die zweite grosse Überraschung folgte auf dem Fuss: Wir waren unterwegs zu einer Ranch, die aus der Vollblutzucht hervorgegangen war und später durch den Ruhm ihres Inhabers als "Pferdeflüsterer" weltbekannt werden sollte. Ich hatte zunächst keine Ahnung, wohin die Reise ging. Als Steve aber begann, von einem "Horse Whisperer" zu reden, musste ich doch laut lachen. Ich konnte mir kaum vorstellen, dass wir zu Monty Roberts unterwegs waren und sagte ihm das auch. Doch ich hatte den Namen kaum ausgesprochen, da standen wir auch schon vor dem Tor: "Flag is Up Farm, Monty Roberts".
                                                                            Ich konnte es nicht fassen.

Der fairnesshalber muss ich sagen, dass Steve nicht weniger erstaunt war als ich, als er mich von Monty Roberts reden hörte. Die in Deutschland inzwischen zur Legende gewordene Geschichte von Lomitas kannte er gar nicht. Ebensowenig wie das Gestüt Fährhof oder dessen Gründer Walter Jacobs, der Monty seinerzeit nach Deutschland geholt hatte. Mein Hinweis auf meine Vollblutstute Ionia, das Igelchen, half ihm jedoch auf die Sprünge. Immerhin kannte er Ionia und ihre Geschichte, hatte er selber doch vor Jahren für mich wertvolle Hilfe zur englischen Übersetzung auf diesen Seiten geleistet und wusste daher auch ihren Vater Acatenango gut einzuordnen. Die Namensgebung vieler Fährhofer Galopper nach südamerikanischen Orten, der Heimat der Kaffeebohne nämlich, war ihm jedoch neu. Auch Acatenango ist benannt nach einem südamerikanischen Vulkan.
Am allerschlimmsten aber traf es mich, als Steve auch die gleichnamige Kaffesorte nicht kannte. Kein Wunder, dass ich während meiner ganzen Reise keinen auch nur annähernd aromatisch ansprechenden Bohnenkaffe in den Supermarktregalen gefunden hatte - und ich hatte reichlich probiert... Blieb am Ende doch wieder nur Starbucks.

Ein weiteres hippologisches Highlight war auch die Tour durch das nahegelegene Thousand Oaks nördlich von Los Angeles. Einige Meilen ins Landesinnere versetzt schlängelt sich die Potrero Road nahezu parallel zum Ventura Freeway durch das sanfte Hügelland und die karge Steppe. Hier reiht sich Pferderanch an Pferderanch und je nach Ausrichtung geht Westernreiterei mit Spring- und Dressursport Hand in Hand. Der eine züchtet Araber, der nächste Pintos, es gibt reichlich Pensionsställe und Dressage Barns und  wieder ein anderer betreibt eine rein europäisch orientierte Springpferdezucht und Holsteiner Brandzeichen prangen neben dem KWPN Emblem an der Stallwand. Über all dem liegt der heisse Wüstenstaub und man wundert sich nicht, kaum ein Pferd draussen zu sehen. Wer es sich leisten kann hält seine Rösser in klimatisierten Ställen.

Es ist die Heimat der herrlichen Budweiser Commercials.
Allerdings hatte ich keine Ahnung, dass wir hierhin unterwegs waren und die Ranch, die einen umfangreichen Spring- und Dressurstall betreibt, wird auch nicht als solche beworben.
                                                                              
                                                                                                                                            Budweiser Commercials

Am Tor zur Zufahrt prangt originellerweise ein Schild, das mitteilt, wer hier n i c h t wohnt - ganz offensichtlich befinden wir uns im Land der Stars und Sternchen. Ich dachte kurz zurück in die Zukunft und wunderte mich, dass ein Michael J. Fox auch heute noch so populär war. Doch weit gefehlt.
Jamie Foxx, so lernte ich kurz darauf bei meinem Besuch in Hollywood, hat 2004 den Oscar für seine Darstellung des Ray Charles bekommen und ist auch sonst ein offensichtlich bekannter Schauspieler, der Gerüchten zufolge mit Katie Holmes liiert ist. Hört, hört. Man staunt doch immer wieder, wen man so
                                                                            alles n i c h t kennt...
Allein die Zufahrt zur Ranch riss mich schlicht vom Autositz. Malerisches Ambiente eines bewusst wie zufällig angelegten Parks (ein Widerspruch in sich, dennoch sehr zutreffend), in dem antiquierte Gerätschaften vor verwildertem Hintergrund und feinste Grünanlagen ein perfekt harmonisierendes Arrangement abgeben. Ein Traum für jeden Fotografen! Durch das Grün leuchtet ein grosszügig angelegter Springplatz. Die Giebelform der grossen Scheune wirkt ebenso einladend wie aus den Commercials bekannt, gleichwohl klingelte es bei mir noch immer nicht. Ich brauchte in der Tat eine ganze Weile um zu
                                                                            begreifen, auf welch bekannter Farm wir uns hier befanden...

Die feudale Stallgasse mit Kronleuchtern und Edelholz war einst Trainingsheimat von Will Simpson und Carlsson vom Dach (Holsteiner von Cassini I x Grundyman), Manschaftsgold-medaillengewinner bei den Olympischen Spielen 2008 in Hong Kong, und man ist stolz darauf. Soviel Ehrfurcht, da nahm es sich geradezu putzig aus, als plötzlich eine gewöhnliche kleine Maus über die Stallgasse flitzte. Die etwas andere fotografische Herausforderung, ganz sicher, und ganz und gar unangemessen in diesem Ambiente... Und doch war es irgendwie beruhigend zu sehen, dass auch hier der ganz normale Alltag lebt.

Auf dem Rückweg streiften wir den malerisch gelegenen Lake Sherwood und ich erhielt einen weiteren Eindruck davon was es heisst, in einem "Private Estate" zu wohnen. Bewachte Schlagbäume und Sicherheitspersonal verwehren jedem den Zutritt, der sich nicht als Anwohner oder angemeldeter Besucher ausweisen kann. Die Schere zwischen arm und reich wird nirgendwo so deutlich wie abseits der touristisch gelegenen Wohnorte fernab von Metropolen und Wahrzeichen. Das ist an der Ostküste in Florida oder New York nicht anders als am Pazifik im Westen des Landes.  

Das kommende Wochenende stand dann ganz im Zeichen des Dressursports. Der Ventura Highway war inzwischen mein täglicher Routenführer rund um Calabassas geworden. Einige Meilen nordwestlich hinter dem noblen Thousand Oaks bei Moorpark liegt das Örtchen Somis. Somis ist die Heimat des El Sueno Equestrian Center, die Zufahrt führt durch Avocado- und Orangenhaine. Das klingt malerisch, bedeutet aber im Sommer in erster Linie viel harte Arbeit in gleissender Sonne für die dort beschäftigten Erntehelfer meist mexikanischen Ursprungs und ich war dankbar, das Ambiente aus dem gut klimatisierten SUV heraus betrachten zu können.
In El Sueno finden regelmässig Reitturniere statt und es war eine fabelhafte Gelegenheit, das USamerikanische Turniersportwesen einmal zu ergründen.
Die weitläufige Anlage in El Sueno besticht wie alle südkalifornischen Reitsportanlagen durch Stallungen unterschiedlichster Bauweise. Wie überall bestehen die kostengünstigsten Boardingfacilities auch hier aus überdachten Paddockboxen auf kargem Steppensand und bieten Schutz gegen die Sonne, der wichtigste Umstand, den es in Südkalifornien zu berücksichtigen gilt. Je nach Anspruch und Geldbeutel gibt es weitere mehr oder weniger ausgebaute Stallungen bis hin zum formidablen Hauptstall mit festen Boxen und luftigem Klima auf der Stallgasse. Neben Dressur- und Springplätzen gibt es auch hier die für Südkalifornien typischen überdachten Reitbahnen. 

Auf unserem Weg zum Turniergeschehen kamen wir an diversen Paddockboxen und Stallungen vorbei und alle hatten eines gemeinsam:
Sie waren geschmückt von einer Vielzahl prachtvoller blauer Schleifen. Ein besonders prachtvolles Exemplar ziert mittlerweile auch meine Wohnung. Es stammt aus der nicht weniger beeindruckenden Sammlung blauer Prachtschleifen in Steve's Arbeitszimmer, der sich sehr erheitert zeigte auf meine Frage, für welche Rangierung die Farbe blau denn stünde? Die schiere Übermacht blauer Schleifen liess mich an die braunen Anerkennungsschleifen in Reiterwettbewerben aus grauer Vorzeit denken. Heutzutage mögen sie in Deutschland grün daherkommen und haben als Auszeichnung für eine Platzierung unter ferner liefen ihre angemessene Berechtigung.
In den USA jedoch steht blau für Sieg und ich war schwer beeindruckt ob all der vielen Sieger, die in jedem Reitstall omnipräsent schienen. So viele blaue Schleifen!

An diesem Vormittag lernte ich dann viel dazu. Wir sassen auf unseren bequemen Regiestühlen ausgestattet mit reichlich Wasserflaschen und Snacks an der überdachten Reitbahn und liessen uns den leichten Steppenwind genüsslich um die Nase pusten. Es war das Wochenende, als in Ermelo die Weltmeisterschaften der jungen Dressurpferde stattfanden und wir besuchten zwei Tage die Dressurprüfungen in El Sueno. Es gab immer wieder hervorragende Pferde zu sehen und das Potential war unverkennbar. Steve teilte meinen Enthusiasmus, die Abstammung der Rösser zu ergründen, und wir fragten uns durch. Reiter und Besitzer waren stets gleichermassen erfreut und stolz, auf ihre Pferde angesprochen zu werden und gaben gern Auskunft.
"Donnerhall, it's a Donnerhall!"
Nun verhält es sich mit Donnerhall ähnlich wie mit den blauen Schleifen:
Die Omnipräsenz des braven Stempelhengstes erklärt sich allein dadurch, dass Donnerhall meist der einzige Name im weitläufigen Pedigree des Pferdepasses ist, den die stolzen Besitzer kennen und erinnern. Wenn der alte Fuchs also in vierter Generation eines Pferdes auftaucht, macht es dieses automatisch zu einem Donnerhall. 
Oder auch Weltmeyer. Oder Landgraf. Sandro Hit und Jazz sind ebenso geläufige, wenn auch noch etwas seltener vorkommende Elemente, was im wesentlichen in dem Respekt begründet liegt, den der geläufige amerikanische Reiter dieser besonderen Spezies entgegenbringt.

Doch zurück zu den blauen Schleifen. Ich studierte die diversen Ritte und wunderte mich irgendwann ob der Variation der Aufgaben. Nahtlos reihten sich Ritte auf Basisniveau an Vorstellungen mit Aussengalopp, der nächste absolvierte dann bereits fliegende Wechsel und Traversalen, manch einer übte sich auch in Arbeitspirouetten. Die Erklärung war verblüffend:
Die Prüfungen beginnen stets mit dem einfachsten Niveau und je nach Teilnehmer folgen die Ritte nahtlos hintereinander von A bis S. Morgens finden sogenannte Warm-Up Prüfungen statt, nachmittags folgt die eigentliche Turnierprüfung nach dem selben Muster. Registrierung, Ablauf und Bewertung ist in allen Fällen gleich und die Bewertung wird im Laufe des Tages an der Meldestelle ausgehängt und man kann sich die dazugehörige Schleife abholen. Da es oft nur einen einzigen Reiter pro Klasse gibt bekommt der dann unabhängig von der Qualität der Bewertung eine blaue Schleife. Das erklärt dann auch die gewaltige Menge zur Verfügung stehender blauer Schleifen im Turnierbüro. Ich war beeindruckt. Ein ausgesprochen konstruktives und motivierendes System, das gerade auf anspruchsvollerem Niveau fast ausschliesslich Sieger produziert. Da können wir in Europa noch alle viel von lernen.

Ein absolutes Highlight waren dann unsere Besuche bei Sue Martin im nahegelegenen Spirit Equestrians in Somis. Sue war mir mit ihren diversen Ritten auf dem Turnier in El Sueno bereits ausserordentlich positiv aufgefallen und nun hatte ich die Gelegenheit, auch ihr Training zu beobachten. Ich war begeistert!
Mit Steffen Peters und Christine Traurig verfügt sie in ihrer jahrelangen Reiter- und Trainer Vita über reichlich Hinnemann-Einfluss und der ist nicht nur sichtbar sondern auch in ihren nachvollziehbaren Erklärungen deutlich hörbar. Diese Frau versteht wovon sie redet und weiss es auch anschaulich zu vermitteln.
Needless to say, Sue und ich sprachen die selbe Sprache und verstanden uns auf Anhieb.
Man muss Sue gar nicht beim Reiten zusehen, es reicht vollständig, ihrem Unterricht zu lauschen. 30 Minuten nahezu ununterbrochene Unterweisung in Dressurreiterei aus dem Lehrbuch brilliant erklärt - beispielhaft!
Eine bemerkenswerte Anekdote beschreibt, weshalb ich Sue auf dieser Reise zu meiner hippologischen Heldin im fernen Amerika erkoren habe:

In El Sueno beobachtete ich während der Dressurprüfungen Ritte, die Kurzkehrt beinhalteten, und alle hatten eines gemeinsam:
niemand leitete das Kurzkehrt aus dem versammelten Schritt ein. Entsprechend auseinandergeritten gestaltete sich die Lektion.
Auf meine Frage, wieso das nicht entsprechend in der Notengebung geahndet wurde, lautete die Antwort:
Kurzkehrt wird nicht aus dem versammelten Schritt geritten!
Und tatsächlich verlangt das Prüfungsreglement in den USA Kurzkehrt ausdrücklich aus dem Mittelschritt. Ich mochte es kaum glauben, sagt dieser Anspruch doch viel über das Unverständnis von Dressurreiterei an sich aus. Gleichwohl, es steht so im Prüfungsbogen und also muss es so sein.

Einige Tage später sassen Steve und ich im nahegelegenen Spirit Equestrians in der Sonne neben Sue Martin und lauschten ihrem Unterricht. Sie forderte Kurzkehrt von einer Schülerin, die ihr eigenes Pferd bereits bis hin zu Grand Prix Lektionen ritt (US Grand Prix, wohlgemerkt) und ich traute meinen Ohren nicht, als das Ross im Mittelschritt in die Kurzkehrtwendung stürmte. Sue unterbrach die Reiterin sofort und wies sie auf die korrekte und notwendige einleitende Versammlung hin!
Ich war begeistert und Steve auf's äusserste verblüfft.
Sue teilte meine kritischen Beobachtungen vom Turniertag in El Sueno in jeder Hinsicht und es folgte eine anschauliche Diskussion über das Verständnis von Kurzkehrt mit all seinen versammelnden Ansprüchen und den Sinn und Unsinn des amerikanischen Richt- und Prüfungssystems. Ein System, das sicherlich vieles richtig macht, aber nicht notwendigerweise Verständnis für die Grundlagen der klassischen Dressurreiterei in sich birgt. Die Kritik an den verantwortlichen Offiziellen war ebenso unüberhörbar wie seit Jahren ungehört. Klassische Dressur muss man nicht neu erfinden, auch in den USA nicht. Steve war beeindruckt. Ich auch.
Sue hatte mein Weltbild und Verständnis von Reiterei mit treffenden Worten wieder zurecht gerückt und allein dafür gebührt ihr mein ewiger Dank.  

Unsere letzte gemeinsame Tour hippologischen Inhalts führte uns dann in den Süden nach Murietta zu Hinnemann Farms und deren Nachbarn Kathleen Raine und David Wightman. Auf unserem Weg machten wir Halt in Temecula bei Niki Clarke und ich staunte nicht schlecht, als Niki uns ihre Pferde zeigte und ich darunter diverse Nachkommen von Kathleen Raine's Grand Prix Pferd Breanna entdeckte. Finess von Festrausch, Quincy von Quaterback und Roulette von Rousseau, allesamt entsprungen aus Embryonen Transfer. Niki kommt ursprünglich aus der Vielseitigkeitsreiterei, entsprechend bunt und vielseitig
                                                                            gestaltet sich ihre Vita und "Dressage Unlimited" zählt mittlerweile
zu den bekanntesten Dressurställen in Südkalifornien.
Eine knappe Autostunde weiter erreicht man das malerische Murietta und auch hier reiht sich Pferdefarm an Pferdefarm. Natalie Hamilton Hinnemann und ihr Cabana Boy erwiesen sich als überaus fotogenes Motiv und wir hatten eine Menge Spass an unserer ausgiebigen Fotosession. Cabana Boy ist ein Vollbruder zu Hilltop Farm's Copa Cabana von Contucci, der 2007 die USA in Verden auf der Weltmeisterschaft der jungen Dressurpferde vertrat. Beide Pferde sind inzwischen erfolgreich im grossen Dressurviereck unterwegs.

Den krönenden Abschluss unserer Reise machte dann ein gemeinsames Dinner bei Kathleen und David und auch hier gab es eine Anekdote, die alle Beteiligten amüsierte. Auf meiner Suche nach Stiefeletten hatte Steve mich zu Beginn der Reise in nahezu jeden Tack Store nördlich von Los Angeles geschleppt. Und natürlich probierte ich dort auch reichlich Reitsportbekleidung "Made in USA". Gleich die erste Umkleidekabine liess mich dann völlig unerwartet ganz wie zu Hause bei Freunden fühlen, denn die Wand dort zierte ein grosses Poster von Kathleen und Breanna als erfolgreiche Werbeträger für Dressurreiterei "Made in USA". Die Welt ist mitunter wirklich ein Dorf!

Mehr Fotos gibt es hier: California


4.8.2017

Megastolz! Die Coverstory des California Riding Magazine über Hinnemann Farm mit meinen Fotos!

                                        


                                           

Das California Riding Magazine verfügt über eine monatlichen Printauflage von 20.000 Stück und dürfte damit neben seinem Online-Portal und der Printleserschaft von 60.000 Lesern wohl die grösste Verbreitung aller Reitsportmagazine an der Westküste der USA finden. Als ich dann vor ein paar Wochen die Anfrage von Chefredakteurin Cheryl Elperding bekam, ob ich meine Fotos vom letzten Sommer in hoher Auflösung für die Coverstory des Monats August zur Verfügung stellen wollte, habe ich mich riesig gefreut - was für eine Ehre!
Für unser Fotoshooting mit Natalie im letzten Sommer drängte Natalie's Erfolgspferd Copa Cobana sich geradezu auf. Selten habe ich ein derart fotogenes Pferd vor der Kamera gehabt - jeder Schuss ein Treffer! Entsprechend gut macht der charmante Fuchs sich als ganzseitiges Porträt in der Zeitschrift und findet auch seine angemessene Erwähnung in der Coverstory:
"Copa Cabana is the furthest along of Natalie’s current string of show horses. She and longtime friend Carol Daly bought the now-8-year old as a 3-month-old. Bred by the small Hanoverian program, Maple Run Farm in Wisconsin, Copa Cabana is by Cantucci and out of a Bordeaux mare and is prepping for the Small Tour ranks."

Die komplette Hinnemann Farm-Story ist ebenso im Online Portal des Riding Magazine zu lesen. komplette Story anklicken 


             



  

  
    
 

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